Hotel Ritz: Der Zauber des Luxus - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hotel Ritz Der Zauber des Luxus

Auf der kleinen Markise über dem Eingang des Hauses Nummer 15 steht schlicht "Ritz". Ein roter Teppich führt die drei Stufen hoch in eine der feinsten und intimsten Edel-Herbergen von Paris. Willkommen in einem Hotel, das den Zauber von früher mit allem Luxus von heute verbindet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris - Zimmer mit Aussicht auf Stil und auf Tradition sind im Ritz Paris an der Place Vendome garantiert. Im sündhaft teuren Pariser Dreieck zwischen Louvre, Eiffelturm und der Garnier-Oper liegt das für seine Ausstattung gefeierte Ritz in ständiger Spitzenklassen-Konkurrenz mit dem Crillon und dem George V.

An dem Platz, den Versailles-Architekt Jules Hardouin-Mansart entwarf, ist das 1898 von dem Schweizer Cesar Ritz eröffnete Haus der Inbegriff von Luxus und Glamour. Geschichten und Legenden ranken sich um Stars und Sternchen, gekrönte Häupter und exzentrische Schriftsteller, um die Modemacher und die Großen dieser Welt. Kein Wunder, dass das Ritz von diesem Nimbus ungebrochen zehrt.

"Das Haus soll alle Raffinesse bieten, die ein Prinz in seiner eigenen Residenz vorfinden könnte." Unter diesem Motto hatte sich der Schweizer Cesar Ritz daran gemacht, mit seinen Hotels das Gastgewerbe zu revolutionieren. Für das Ritz Paris hieß das: Eine ausgesprochen intimes und warmes Ambiente, drei Gärten und feinstes Mobiliar im französischen Stil des 17. Jahrhunderts.

Dieses Hotel war auch das erste, das elektrisch versorgt war, und das ausnahmslos in allen "Herren-Zimmern" ein Telefon sowie ein separates Badeparadies anbot. Das indirekte Licht sollte den Teint der Damen noch hübscher machen. Derweil verwöhnte die außerordentliche Kochkunst des Auguste Escoffier die Gaumen. Man blieb unter sich und ließ sich verwöhnen.

Wer in der Belle Epoque und dann in den "verrückten Jahren" im Ritz logierte, war kein Kind von Traurigkeit. Champagner und Kaviar sorgten bei den Festen für Stimmung. Längst hatte die bei den Amerikanern besonders beliebte Herberge eine Reihe von Stammgästen. Der Prinz von Wales und spätere englische König Eduard VII. gehörte ebenso dazu wie die Schriftsteller Marcel Proust und Ernest Hemingway. Modezarin Coco Chanel bewohnte hier mehr als drei Jahrzehnte lang ihre eigene, riesige Suite.

Nach einer aufwendigen Renovierung, die rund zwei Milliarden Franc (600 Millionen Mark) verschlungen hat, steht das Ritz heute in neuem Schmuck da. Noch immer trifft sich die "Crème de la Crème" der Gesellschaft an warmen Tagen zum Tee oder Cocktail im Hotelgarten, besucht den wohl elegantesten Indoor-Swimmingpool der Stadt oder geht in die Bar, die den Namen des trinkfesten Hemingway trägt. "Wenn ich vom Paradies träume, spielt sich das immer im Ritz ab", schrieb der Nobelpreisträger sein Hohelied auf das Haus, in dem er an der Bar und auf seinem Zimmer Nummer 31 so viele Whisky-Flaschen geleert hatte.

Im Jahr 1979 erwarb der Ägypter Mohammed Al-Fayed das Ritz. Für den Besitzer des Kaufhauses Harrods in London war das damals ein simpler kaufmännischer Vorgang. Heute jedoch ruft er einen besonders tragischen Augenblick des Jahres 1997 in Erinnerung: Al-Fayeds Sohn Dodi und Prinzessin Diana verbrachten im Ritz zusammen die letzten Stunden ihres Lebens. Von der Place Vendome aus starteten Diana und Dodi zu der Autofahrt, die im Alma-Tunnel tödlich enden sollte.

Der reiche Ägypter hat das Ritz rasch zu einem profitablen Haus gemacht. Für die Liebhaber besonders großzügiger Fluchten bietet sich die frisch renovierte Suite von Coco Chanel an. Auf stolzen 155 Quadratmetern bietet sie Suite allen Flair der Vergangenheit, daneben aber auch Fax und Modem, einen Whirlpool und eine türkische Hammam-Dusche. Auf der Rechnung stehen dann mehr als 10 000 Mark pro Nacht. Ein Standard-Zimmer ist schon für 1234 Mark (630 Euro) zu haben.

Jedoch verstummen die kritischen Stimmen jener nicht, die vor allem den Service im Ritz-Restaurant miserabel nennen. Dabei legt die äußerst teure Hotellerie in Paris doch allen Wert darauf, dass ihre Köche in dem halben Dutzend führender Luxus-Häuser nur so die Sterne des Michelin-Gastronomieführers einheimsen. Das ebenfalls renovierte Plaza Athénée hat sich den einst meist-"besternten" Koch Frankreichs, Alain Ducasse, an Land gezogen. Das "Espadon" im Ritz hat in dieser Zeit seinen zweiten Stern verloren. Den soll jetzt der 42-jährige Mosellaner Spitzenkoch Michel Roth zurückholen. Denn das legendäre Haus an der Place Vendome kann nicht allein von seinem Mythos leben. Auch gut 100-jähriger Glanz will immer mal wieder aufpoliert sein.