Ijssel Auf den Spuren der Hanse
Deventer - Voll beladen mit feinen Tuchwaren, mit Bier, Butter oder Holz: So segelten die niederländischen Hansekapitäne einst auf ihren Koggen die Ijssel hinab in Richtung Meer. Zurück kamen sie mit Fisch und Waren von der Ostsee.
Wie sehr der Handel zwischen den Jahren 1100 und 1500 geblüht hat, das zeigen noch heute die vielen historischen Bauten in den sieben Hansestädten entlang der Ijssel. Ob Deventer, Doesburg, Hasselt, Hattem, Zutphen, Zwolle oder Kampen - überall trifft der Besucher auf Zeugnisse der erfolgreichen Vergangenheit.
Im kleinen Doesburg etwa liegen noch verträumte Kopfsteinpflaster-Gassen. 1237 erlangte der Ort die Stadtrechte, 1447 wurde er in den Hansebund aufgenommen. Hoch ragt der Turm der Martini-Kirche über die sattgrünen Flussniederungen. Im Schatten des Gotteshauses finden sich sehenswerte mittelalterliche Bauten wie das Stadhuis von 1389 oder das "Hoge Huis", das heute eines des ältesten Restaurants der Niederlande beherbergt.
Das Stadtbild des benachbarte Zutphen, am Zusammenfluss von Berkel und Ijssel gelegen, prägen große Wallanlagen. Im Mittelalter verteidigten sich die Bürger der Stadt so gegen Angreifer - war die Stadt zu Zeiten der Hanse doch eine bedeutende Handelsstätte für Holz. Noch heute trägt einer der zentralen Plätze in der hübsch restaurierten Altstadt den bezeichnenden Namen Houtmaarkt (Holzmarkt).
Einige Kilometer weiter nördlich weist der hohe vierkantige Turm der Lebunius-Kirche den Weg nach Deventer: Schlicht ist das Innere des gotischen Gotteshauses, das den historischen Kern der Altstadt gleichsam zu beherrschen scheint. Zentraler Platz von Deventer ist der Brink mit noblen, mittelalterlichen Bürgerhäusern und dem spätgotischen Bau der Stadtwaage "De Waag".
Heute sitzen dort die Besucher bei Sonnenschein in einem der zahlreichen Straßencafés und genießen das Leben. Oder kaufen in "Bussinks koekhuisje" Deventers süße Spezialität: Honigkuchen, der dort seit über 400 Jahren gebacken wird.
Das jüngste Viertel des historischen Deventer ist das "Bergkwatier" mit der Nicolaaskerk, gelegen auf einem kleinen Hügel am Rande der Altstadt. Die Gegend wurde erst im zwölften Jahrhundert besiedelt, als Deventer immer größer wurde.
Noch Mitte der sechziger Jahre boten die mittelalterlichen Häuser ein heruntergekommenes Bild. Doch dann nahm sich eine Bürgerinitiative der verfallenen Häuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert an und restaurierte sie mit Hilfe von Stadt, Provinz und Denkmalamt. Heute gilt das Bergkwartier als Deventers bevorzugte Wohngegend.
Jede der sieben alten Hansestädte hat sich im Laufe der Jahrhunderte anders entwickelt: Zwolle ist als Provinzhauptstadt von Overijssel ein lebendiges Handels- und Industriezentrum mit rund 200.000 Einwohnern geworden. Deventer überstand die Krise der heimischen Textilindustrie; Hattem ist ähnlich wie Doesburg ein kleines, verträumtes Städtchen am Fluss.
Am besten lassen sich die sieben Hansestädte sowie das Ijsselland bei einer Wanderung auf dem "Hanzestedenpad" (Hansestädteweg) kennen lernen. Er verläuft als Fernwanderstrecke über genau 164 Kilometer zwischen Doesburg und Kampen und folgt dem Ijsselfluss. Fahrradfahrer können auf der 135 Kilometer langen "Hanzeroute" in mehreren Etappen entlang der Ijssel von Kampen bis ins deutsche Emmerich reisen.
Ob Wanderer oder Radler, für alle gilt: Unterkünfte im Ijsselland sind knapp, der Tourismus steckt noch in den Kinderschuhen. Andererseits ist dies gerade für Ruhesuchende eine Chance, auf eigene Faust ein noch unbekanntes Stück der Niederlande zu entdecken.
Bernd Meier, gms