Im Smart ans Nordkap: Der Polarkreis - DER SPIEGEL
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Im Smart ans Nordkap Der Polarkreis

Da nur einer der drei Nordkap-Fahrer den hübschen Schwedinnen nachschauen kann, ohne gleich ein schlechtes Gewissen zu bekommen, widmen sich Lorenz, Mischa und Christoph lieber einer anderen Aufgabe: der Überquerung des Polarkreises.
Von Christoph Minder
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Trotz des grossen Ziels fällt es Lorenz etwas schwer, sich wieder ins Auto zu setzen und weitere Kilometer abzuspulen. Dazu muss man vielleicht erwähnen, dass er schon vor Beginn der Reise unter Rückenschmerzen litt, die er sich vermutlich während der Arbeit eingehandelt hatte.

Lorenz ist gelernter Landschaftsgärtner. Im Sommer 1999 haben wir ausgemacht, dass er die Tour in seinem Auto zusammen mit Mischa begleitet. Als er per Ende September in die Firma seines Vaters wechselte, traf er die Abmachung, dass er für die Nordkaptour unbezahlten Urlaub beziehen könne. Dass er nun mitkommen kann, obwohl die Auftragsbücher wegen der Schäden des Wirbelsturmes "Lothar" übervoll sind, spricht für seinen neuen Arbeitgeber.

Mischa, Lorenz' Beifahrer, hätte zur Zeit ebenfalls genügend Arbeit - auch er ist gelernter Landschaftsgärtner. In seiner eigenen Einzelunternehmung würden auch stapelweise Aufträge zur Behebung der Sturmschäden liegen, die er ablehnen musste. Mischa ist der einzige unserer Dreiergruppe, der zur Zeit keine Freundin hat und somit den schönen Frauen hier oben ohne schlechtes Gewissen hinterhersehen darf.

Nun aber zurück zur heutigen Etappe: Die Standheizungen vertrieben die, trotz des viel zu warmen Winters, recht anständige Kälte aus den Wagen. Dann fuhren wir endlich los. Auf dem Weg nach Jukkasjärvi bei Kiruna begegneten wir einigen Rentieren. Da waren wir froh, dass wir vorher zwei Tage auf dem Eis unsere Fahrkünste verfeinern konnten. Die Rentiere sind gefährlich, weil sie dazu neigen, plötzlich die Straße zu überqueren. Das zeigten die drei toten Tiere, die wir auf dem Weg sahen. Also versuchten wir, die Geschwindigkeit der Situation anzupassen.

Kurz vor Jokkmokk erreichen wir den Polarkreis. Ein leerer Parkplatz, eine große Blechtafel, einige im Sommer wohl bewohnte Holzhütten und die Flagge Lapplands zieren diesen Ort, der anscheinend wie ein Magnet wirkt: Kaum haben wir unsere Fotos gemacht, fahren drei S-Klasse-Mercedes mit V12-Motor vor, denen kurz darauf eine bunt gemischte Kolonne von Porsche-Versuchsfahrzeugen folgt. In den Fahrzeugen beider Marken saßen Motorenentwickler. So durften wir auch problemlos Fotos von den Autos schießen. Zwanzig Minuten später ist am Polarkreis wieder Ruhe eingekehrt. Nur die Reifenspuren auf dem leeren Parkplatz zeugen von dem Treffen.

Wir müssten unbedingt das Eishotel in Jukkasjärvi  besuchen, wurde uns von verschiedener Seite nahegelegt. Natürlich fahren wir hin. Es ist monatelang im Voraus ausgebucht, eine frühzeitige Reservierung ist Pflicht. Sonst läuft man in Gefahr, nicht mehr in einem der kühlen Räume Platz zu finden. Wir beendeten den Tag an der Eisbar. Wie und ob wir geschlafen haben, und was dann noch alles passierte - davon morgen mehr.