Irland Von Inishmore, Inishmaan und Inisheer
Die Fahrt zu den Klippen von Slieve League ist nichts für schwache Nerven: Einspurig windet sich das schmale Asphaltband durch die Küstenlandschaft. Auf der einen Seite tobt sich der wilde Atlantik aus, auf der anderen steigt der Berg fast senkrecht an.
Bis zu 600 Meter ragt die Steilküste im Norden Irlands aus dem Ozean auf. Wohl nirgendwo sonst auf der grünen Insel ist die Grenze zwischen Land und Meer spektakulärer als westlich der Stadt Donegal.
Wandern ist zweifelsohne die beste Möglichkeit, diese Landschaft zu erleben. Zahlreiche Trampelpfade führen - manchmal scharf am Abgrund vorbei - durch Heide und Moorlandschaften.
Wer zu den Klippen von Slieve League möchte, startet am besten von einem Parkplatz nahe der Ortschaft Teelin. Ständige Begleiter auf den einsamen Touren sind nur die vielen Schafe, die auf Weideplätzen in schwindelerregender Lage das Gras kurz halten. Wer über den berühmten Wanderweg Old-Man's-Path möchte, darf wie die stoischen Tiere keine Höhenangst haben.
Und er sollte Ausdauer und Orientierungssinn mitbringen. Wichtig ist auch festes und erprobtes Schuhwerk. Zudem müssen Wanderer immer mit Wetterumschwüngen rechnen: Scheint am Morgen noch die Sonne, kann sich der Urlauber mittags schon im Nebel verirren.
Die Rückfahrt nach Donegal führt durch eine Landschaft, in der noch immer Torf abgebaut wird: Große Gruben, an deren Rändern brikettähnliche Stücke gestapelt sind, zeugen davon. Nachdem die Torfstücke getrocknet sind, was angesichts der feuchten Witterung lange dauern kann, werden sie in Plastiksäcke gepackt und mit nach Hause genommen.
Dort verbreiten sie als Brennstoff für den heimischen Kamin ihren typischen rauchigen Geruch - ein Duft, den Urlauber auch häufig in irischen Pubs schnuppern können. Wenn Irland einen Geruch hat, dann diesen.
In den meisten Ortschaften gibt es günstige Pensionen, in denen der Gast für umgerechnet 30 bis 50 Mark ein Quartier findet - inklusive Frühstück. Und das ist meist nichts für Menschen, die auf ihre Figur achten müssen. Dafür hält es lange vor und schmeckt gut. Außerhalb der Sommersaison müssen die gemütlichen Bed & Breakfast-Unterkünfte nicht vorgebucht werden.
Auf dem Weg in Richtung Süden zieht die Karstlandschaft des Burren am Fenster vorbei - ein Kalksteinplateau, das vom ewigen Wind fast leergefegt wurde. Nur wer genauer hinsieht, entdeckt zwischen den kargen Felsen immer wieder kleine Orchideen und andere Blumen. Pflücken ist nicht erlaubt, denn auf dem Burren steht die Flora unter strengem Schutz.
Dort befindet sich auch eines der spektakulärsten und am besten erhaltenen Gang- oder Galeriegräber aus vorchristlicher Zeit: der Poulnabrone Dolmen. Sein Alter wird auf rund 4500 Jahre geschätzt. Allein der Deckelstein soll mehr als zehn Tonnen wiegen.
An der nahen Küste liegt der kleine Hafen der Ortschaft Doolin, wo auch die Fähre zu den Aran Islands vor sich hin dümpelt. Bei Ebbe werden die Passagiere mit Hilfe eines winzigen Zubringerbootes übergesetzt. Vor allem die Kletterpartie vom schwankenden Kahn über die Reling auf das Schiff stellt eine wackelige Angelegenheit dar. Starke Arme zerren Gepäck und Gäste an Bord. Nass wird niemand.
Wie ein Bollwerk liegen die drei Inseln vor der Küste der Bucht von Galway. Obwohl die Arans an manchen Tagen von Touristenscharen überrannt werden, ist auf Inishmore, Inishmaan und Inisheer die gälische Kultur besonders gut erhalten geblieben. Am Hafen warten bei der Ankunft der Schiffe Führer, die für umgerechnet 15 Mark Rundfahrten anbieten.
Auf der Hauptinsel Inishmore thront ein rätselhaftes Steinfort aus grauer Vorzeit: Dun Aengus liegt hoch auf den senkrecht zum Ozean abfallenden Klippen. Es ist das eindrucksvollste Bauwerk dieser Art in Irland: Drei konzentrische Wälle schützen einen inneren Verteidigungsring.
Das Fort stammt vermutlich aus der keltischen Eisenzeit um die Zeit Christi Geburt herum. Obwohl die massiven Wälle den Eindruck einer Festungsanlage machen, gehen einige Historiker davon aus, dass es sich um ein Theater oder einen Zeremonienplatz handelt. Ob Dun Aengus auch eine Kultstätte war, ist allerdings noch ungeklärt.
Informationen: Irische Fremdenverkehrszentrale, Untermainanlage 7, 60329 Frankfurt, Tel.: 0180/500 31 16
Oliver Abraham