Limerick Im Pub regnet es nicht
McCourt ging mit Limerick hart ins Gericht. In seinem Roman und gleichnamigen Film "Die Asche meiner Mutter" beschrieb er die drittgrößte Stadt Irlands als einen Ort, in dem Krankheiten in den Gassen grassierten und den der stoische Regen Irlands in ein einziges Schlammloch verwandelte. Ein Fluch sei Limerick gewesen und ein Segen, ihr letztlich zu entrinnen, so der Autor.
McCourt hat Limerick und seinen rund 79.000 Einwohnern mit seinen tristen Erzählungen keinen Gefallen erwiesen. Urlauber versuchen, die Stadt mit gebührendem Abstand zu umfahren. Zu Unrecht. Es gibt jede Menge zu entdecken: Das Hunt-Museum in der Innenstadt präsentiert eine vorzügliche Sammlung von Exponaten irischer Frühgeschichte, das restaurierte King John's Castle, erbaut 1200 bis 1212,lädt zu einer Stippvisite ins irische Mittelalter ein.
Doch Limericks Glück ist es insbesondere, dass die nächstgrößeren Städte Galway im Norden und Cork im Süden jeweils rund 100 Kilometer entfernt liegen. Limerick ist mit seinem Flughafen Shannon damit das ideale Basiscamp, um die beeindruckende Westküste Irlands zu entdecken: Die Cliffs of Moher, die karge, steinige Landschaft des Burren sowie die Aran Islands im Norden sind nur eine knappe Autostunde von Limerick entfernt. Der Ring of Kerry, der Killarney National Park, die Dingle Halbinsel mit der schroffen Küstenlinie und der noch nicht überlaufene Ring of Beara sind die Ausflugsziele im Süden Limericks.
Aber auch im direkten Umland der Stadt gibt es schöne Landstriche: Im Nordosten lädt der rund 30 Kilometer lange Lough Derg zu ausgedehnten Spaziergängen an seinen Ufern und den angrenzenden Berg- und Hügelketten ein. Irland präsentiert sich hier genau so, wie man es von Bildbänden und Postkarten kennt: Saftige Wiesen, eingefasst von bemoosten Steinmauern und Ginsterhecken. Klare Bergbäche, die über den Fels durch kühle Glens in den See rauschen. Sing- und Misteldrosseln, die in knorrigen Eichenbäumen ihre Strophen schmettern und Schafherden, die von einem Farmer in Tweedjacke auf die nächste Weide getrieben. Die kleinen Fischerorte Ballina und Killaloe direkt am Shannonufer zählen zum nationalen Kulturerbe. In den urigen Pubs, wie dem "Goosers" in Ballina, lässt sich so manch gemütlicher Abend beim Ale am torfbefeuerten Kamin verbringen.
Ein Kleinod ist auch das Dorf Castleconnell, keine fünf Kilometer von Limerick entfernt. Im gelb-blauen Pub "The Guerinfisher" ist seit Jahren schon jeden Mittwochabend "Session". Wer Lust und Zeit hat, packt seine Fidel, die Irish Whistle, Akkordeon, Gitarre oder die Bodhrán aus, um bei Paddy Guerin einen Jig oder Reel anzustimmen. Das Pub ist in Orten wie Castleconnell für viele Einheimische unbedingter Wohnzimmerersatz. Und während alte Cottages für ihre undichten Dächer berüchtigt sind, regnet es im irischen Pub nie - die Stimmung drinnen ist dennoch feucht-fröhlich.