London: Naserümpfen in der Underground - DER SPIEGEL
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London Naserümpfen in der Underground

Mit aggressiven Mitteln gehen derzeit die Londoner U-Bahnbetreiber gegen die Ausdünstungen von rund drei Millionen Fahrgästen vor. Ein Duftspray soll die Luft - very british - entmuffen. Mit einem Hauch von Zitrus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Um das in der Londoner U-Bahn vorherrschende Odeur aus säuerlichem Fahrgastschweiß, feuchtem Staub und rostendem Eisen zu bekämpfen, haben die Manager von London Underground eine in der Pariser Metro praktizierte Idee aufgegriffen. Seit vergangener Woche werden die muffigen Bahnsteige in drei Stationen einparfümiert. Die für das Pilotprojekt kreierte Essenz trägt den Namen "Madelaine" und zeichnet sich, so ihr Schöpfer, durch "ein frisches, wässriges, florales Bouquet aus Rosen und Jasmin mit Zitrus-Obertönen" aus. Viele Nutzer der ältesten und teuersten U-Bahn der Welt erinnert sie dagegen eher an billige Putzmittel.

Bei der Duft-Offensive handelt es sich zudem um eine typisch britische ­ das heißt kosmetische ­ Maßnahme, denn die Sanierung der maroden U-Bahn kommt seit Jahren nicht von der Stelle. Die Blair-Regierung will sie just nach einem Modell teilprivatisieren, das sich bei der Eisenbahn als desaströs erwiesen hat; Bürgermeister Ken Livingstone und die Mehrheit der Londoner wollen die U-Bahn weiter unter öffentlicher Regie, nur besser subventioniert sehen. Der Streit wird im Juni vor Gericht ausgetragen, wobei der Ausgang ebenso offen ist wie die Zukunft des Parfüm-Projekts. In der Station St. James's Park, direkt unterhalb des Sitzes von London Underground, brach die Maschine, mit der der Duftstoff appliziert wird, schon nach einem Tag zusammen.