Luxushotels: Fisch im Glas - DER SPIEGEL
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Luxushotels Fisch im Glas

Luxus alleine reicht manchen Gästen von Nobelherbergen nicht. Kleine Extras müssen her - und werden hier und dort bereits bereitgehalten: platschende Goldfische beispielsweise, die Wärmflasche im Bett oder Katzen zum Kuscheln.
Von Helge Sobik
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nichts ist schlimmer für ein Spitzenhotel als austauschbar zu werden: Neue Services müssen her, pfiffige Kleinigkeiten als Erinnerungs-Anker im Gedächtnis des Gastes. Sie machen das Hotel unverwechselbar, geben ihm Charme und bescheren Weitererzählwert. Dabei schlägt die Phantasie der Hoteliers immer kuriosere Service-Kapriolen. Dem Gast kann es nur recht sein: Schließlich bekommt er so immer mehr für sein Geld.

Der Vereinsamung allein reisender Gäste will so beispielsweise das vornehme Hotel Des Bergues in Genf entgegenwirken. Das Haus aus dem Verbund der "Leading Hotels of the World" verleiht Goldfischpärchen komplett mit Glas und Korallen-Deko an die betuchten Gäste. Vorerst sind die stillen Gesellen gebührenfrei. Die Begründung, warum man sich ausgerechnet für Goldfische entschieden habe, fällt stichhaltig aus: "Sie sind schön, ruhig und sauber. Sie werden Sie nie um einen Spaziergang im Morgengrauen bitten. Sie sind sehr anspruchslos, aber echte Freunde", so Karin Fasel, Marketingdirektorin des Hotels.

Persönliche Butler sollen unterdessen in mehr und mehr Hotels der Fünf-Sterne-Kategorie das Herz der verwöhnten Vielreisenden höher schlagen lassen - mit unverzichtbaren Dienstleistungen. So bügelt der "gute Geist" im Hotel Imperial in Wien die Tageszeitung auf. Vorteil: Danach färbt die Druckerschwärze nicht mehr ab. Begrüßt werden die Gäste bereits mit persönlichen Visitenkarten, die als derzeitige Adresse das vornehme Hotel ausweisen.

Bade-Butler und Rosenblätter

Das Ritz-Carlton Schlosshotel in Berlin beschäftigt neuerdings einen speziellen Bade-Butler. Sein Job: den Gästen das Bad in den gemieteten vier Wänden so außergewöhnlich wie möglich zu bereiten - mit ätherischen Pflanzenessenzen als Badezusatz, mit Rosenblättern zur Dekoration auf dem Beckenrand und Kerzen rund um die Wanne. 40 Minuten Vorlaufzeit benötigt der Bade-Butler dafür, 50 Mark kostet der Service einschließlich Essenzen, Deko und Musik.

Mit fehlender Ausstattung der besonderen Art hilft das Four Seasons Berlin aus: Gäste können sich leihweise aus einer Hotel-Kollektion an Designerkleidung bedienen. Der Service ist kostenlos. Kooperationspartner ist dabei das Kaufhaus Galeries Lafayette.

Weltweit wird an der Verbesserung der Hotelservices gearbeitet: "Die Erwartungen der Kunden sind gestiegen, und unter einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis ist heute nicht mehr ein billiges Hotelzimmer, sondern großartiger Service zu einem fairen Preis zu verstehen" erklärt auch Robert Hutchinson, Vice President Marketing der Shangri-La-Hotelgruppe. Neueste Stilblüte im Ringen um die gewinnbringende Spitzengruppe der Vielreisenden: Intercontinental Hotels öffnet sein Concierge-Notfall-Programm "World Assist" rund um die Uhr auch für Leute, die gerade nicht in einem Haus der weltweit vertretenen Kette wohnen.

Die Dienste eines Hotelconcierge können sie selbst dann in Anspruch nehmen, wenn sie bei Freunden abgestiegen sind, in der eigenen Wohnung Rat und Hilfe benötigen oder sich gerade gar bei der Konkurrenz eingemietet haben. Eine Einschränkung der Großzügigkeit gibt es: Vorbehalten ist sie den weltweit über 100.000 Mitgliedern des Interconti-Stammkunden-Clubs "Six Continents".

Das Oberoi Grand Calcutta beschert Wiederholungsgästen unerwartete "Jubliläumsfeiern": "Wer zum fünften Mal bei uns eincheckt, bekommt ein Dinner für zwei, eine Flasche Champagner auf dem Zimmer oder ein Upgrade zur Suite" so Direktor Ranvir Bhandari. Das Prozedere wird alle fünf Aufenthalte in variierter Form wiederholt.

Vorgewärmte Skistiefel

Auch das Klima kann zu Service-Ideen inspirieren: Im Hyatt Regency Beaver Creek Resort & Spa in Colorado werden morgens die Skistiefel der Gäste vorgewärmt. In der "Pine Lodge" ebenfalls im Nobel-Skiort Beaver Creek gehört es zum abendlichen Serviceablauf, eine Wärmflasche strategisch günstig im Bett des verwöhnten Gastes zu drapieren.

Das Landhotel Anderson House in Wabasha im US-Bundesstaat Minnesota hat ähnlich wie das Des Bergues in Genf sein Herz für allein Reisende entdeckt: Wer Gesellschaft sucht, kann sich an der Rezeption eine von elf Katzen ausleihen und zum Kuscheln mit aufs Zimmer nehmen - alle handzahm und stubenrein: Ausleih-Quote über Nacht im Schnitt 99 Prozent. Besonders beliebt: "Ginger" und "Bambi". Sicherheitshalber verzichtet das Hotel darauf, alternativ Goldfisch-Gesellschaft zu offerieren.