Kurzurlaub Mainz: Tipps für einen perfekten Tag - DER SPIEGEL
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Stadtgespräch Mainz: Wein, Strand, Geschichte

Foto: Johannes Kral

Kurztrip-Tipps Der perfekte Tag in Mainz

Strandparty, Park-Picknick, Altstadtbummel: Im Sommer ist seine Wahlheimat Mainz perfekt für abwechslungsreiche Kurzferien, sagt Reisebuchautor Johannes Kral. Tipps von einem, der die Stadt nicht nur an Sonnentagen lieben gelernt hat.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Johannes Kral lebt seit 2011 in Mainz. Im SPIEGEL-ONLINE-Fragebogen verrät er, welche Orte in der Stadt Besucher nicht verpassen sollten.

Herr Kral, wo hat man morgens den schönsten Blick auf Mainz?

Am Strand vor der ehemaligen Reduit-Kaserne  in Mainz-Kastel, das offiziell zu Wiesbaden gehört. Hier, vom rechten Rheinufer aus, hat man die beste Aussicht auf die Mainzer Innenstadt: Hinter der platanengesäumten Uferpromenade mit Kurfürstlichem Schloss und Landtag glitzern Stephansturm, die Domtürme und die Kuppel der Christuskirche in der Morgensonne.

Wo entlang sollte ein Stadtbummel führen?

Die Altstadt ist das Herzstück von Mainz: Vom Marktplatz aus geht's am Dom  vorbei durch die Augustinerstraße, einst Prachtmeile der Kurfürsten und Erzbischöfe. Von dort spaziert man zur erhaben gelegenen Zitadelle und zur Kirche St. Stephan  mit Marc Chagalls blauen Glasfenstern. Am Schillerplatz zeugen prächtige Adelspalais von der Blüte barocker Zeiten, hier plätschert auch der Fastnachtsbrunnen, das schönste Wasserspiel der Stadt. Die Ludwigsstraße führt weiter zum Gutenbergplatz mit dem Staatstheater  und dann zurück zum Markt. Zur Orientierung wichtig: Straßen mit roten Schildern verlaufen senkrecht zum Rhein, solche mit blauen parallel.

Welches ist das spannendste Viertel der Stadt?

Mich faszinieren die mystischen Facetten von Mainz, das, was vom römischen Mogontiacum  noch übriggeblieben ist - der Tempel zu Ehren der Gottheiten Isis und Mater Magna etwa. Gerne hätte ich im Römischen Theater, die damals größte Bühne nördlich der Alpen, Schauspielen gelauscht und wäre voll Verehrung für den Stadtgründer Drusus alljährlich um sein monumentales Ehrenmahl getanzt - immerhin die Ruinen lassen sich noch besichtigen.

Eine Empfehlung fürs Mittagessen:

Vom Pur  im Staatstheater kann man entspannt das Treiben auf dem Gutenbergplatz betrachten, es gibt eine Mittagskarte und Spezialitäten aus der Region wie Meenzer Saumagen oder Rheinhessische Bauernsülze, die Preise sind trotz der populären Lage human. Die Trattoria am Kaisertor  nahe der Christuskirche kredenzt werktags ein wöchentlich wechselndes, köstliches italienisches Mittagsmenü für unschlagbare 8,50 Euro - beim Trinkgeld ruhig großzügig sein, der Chef bittet regelmäßig mittellose Menschen auf seine Rechnung an einen der Tische. Am rechten Rheinufer empfehle ich die Bastion von Schönborn , mit einer kleinen, aber kreativen Speisekarte - und einer großen Terrasse direkt am Fluss.

Typisch für Mainz ist…

…der Spundekäs . Die rheinhessische Variante des bayerischen Obazdn sollte jeder Besucher probieren! Die mit Salz, Pfeffer und Paprika verfeinerte Masse aus Frischkäse und Quark bietet jedes Weinhaus an. Dazu gibt's Zwiebeln und Brezeln - die ideale kulinarische Begleitung für Riesling, Burgunder und Co.

Eine Shopping-Empfehlung:

Hübsche Lädchen bieten die Augustinerstraße und die verwinkelten Gassen rund um den Kirschgarten . Exotische Produkte wie Mailänder Salami oder orientalische Backwaren gibt es im multikulturellen Bleichenviertel. Und Freunde von antiken Sammlerstücken und unentbehrlichem Krimskrams sollten an jedem ersten und dritten Samstag im Monat den "Krempelmarkt am Rheinufer"  besuchen.

Ein ausgefallenes Mitbringsel:

Als Erstes legt man sich den Hipster-Jutebeutel mit der Aufschrift "New York, London, Paris, Tokyo, Mainz" zu. Dann ersteht man im Gutenberg-Laden  das "kleinste Buch der Welt", das kaum größer ist als ein Streichholzkopf, aber trotzdem Platz für das Vaterunser in mehreren Sprachen bietet. Im ZDF-Shop  gibt's den Mainzelmännchen-Babystrampler, und auch eine Flasche "Mutter's Bester Tropfen"  darf nicht fehlen - früher Kräuterlikör auf Rezept, heute der Mainzer Lokalschnaps.

Wo kann man besonders gut entspannen?

Am Rheinufer natürlich, aber auch im Stadtpark  mit Flamingo-Teich, Papageienhaus und Biergarten sowie im Botanischen Garten der Universität . Für einen Spaziergang ist der ehemalige Steinbruch in Mainz-Weisenau ideal oder die "Mainzer Sahara", ein einzigartiges Steppen- und Dünengebiet im Norden.

Mainz ist eine Weinstadt. Was ist der ideale Ort für ein Gläschen?

Viele Mainzer schwören auf das Bluhm  in der Badergasse - wegen der rund 40 offenen Weine und der schmackhaften, bodenständigen Küche. Abenteuerlustige gehen in die Jakobsbergstraße: Im Weinhaus Michel  treibt die mundartliche Karte Nicht-Mainzer regelmäßig zur Verzweiflung, heimische Sitznachbarn helfen aber gerne bei der Übersetzung. Im Sommer öffnen im Umland für wenige Wochen die Straußwirtschaften, zum Beispiel im benachbarten Bodenheim. Ein Blumenstrauß im Fenster signalisiert, dass die Weinstube geöffnet hat.

Am besten besucht man Mainz im…

...Juni, wenn die Stadt mit einem großen Volksfest  ihres berühmtesten Sohnes Johannes Gutenberg gedenkt. Im August verbreiten die Rheinstrände mit ihren Palmen Urlaubsfeeling, und am Winterhafen wird bei Gegrilltem  bis spät in die Nacht gefeiert. Im Dezember lädt der Weihnachtsmarkt  zwischen barocken Markthäusern und Dom zu Glühwein und Co. ein, und im Februar ist jeder, der närrisches Treiben mag, hier bestens aufgehoben. Ein Besuch in Mainz lohnt immer!

Sie sind seit 2011 in Mainz und hatten als "fränkischer Faschingsmuffel" in der Karnevalshochburg zunächst so Ihre Schwierigkeiten. Was haben Sie besonders zu schätzen gelernt?

Die Lebensfreude, Offenherzigkeit und Gemütlichkeit der Menschen, die man bei den zahllosen Festen das ganze Jahr über immer wieder erleben kann. Aber auch ihre humorvolle Bescheidenheit, etwa wenn ein bekannter Winzer seinen Rebensaft so anpreist: "Ai, der Woi tut so gut schmecke, da könnste grad meinen, dir hat a Engelsche uff de Zung gepinkelt!"

Wo feiert man in Mainz am besten, wenn nicht gerade Karneval ist?

Los geht's am Gartenfeldplatz in der Neustadt mit einem Oregano-Eis vom N'Eis , der wohl besten Eisdiele der Stadt. Über eine der benachbarten Szenekneipen ziehen wir weiter an den Rhein. Am Mainzer Strand gibt's einen Mojito, und wir schlendern die Promenade entlang bis zur Malakoff-Terrasse, dem Sammelplatz für alle Nachtschwärmer. Nach Mitternacht landen wir im "schon schön"  und tanzen dort zu Pop- und House-Musik bis 5 Uhr. Wer noch fit ist, zieht weiter ins rockige Good Time , kippt ein Horn Met und feiert bei der Afterhour im Comodo  am Südbahnhof bis 10 Uhr. Zur Morgensonne am Rheinufer ist es von da nicht mehr weit...

Die Fragen stellte Eva-Maria Träger

Buchtipp: "Mainz MM-City" . Michael Müller Verlag; 192 Seiten; 12,90 Euro