Mallorca Stete Brandung frisst den Strand
Palma de Mallorca - Experten meinen, dass viele Strände nur deshalb so prächtig aussehen, weil man im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder große Mengen von Sand künstlich aufschüttete. "Es gibt keinen einzigen ökologisch intakten Strand mehr auf Mallorca", meint der Geograph Jaume Servera.
Die Bucht von Porto Cristo im Osten der Insel verfügte vor zwölf Jahren über einen sandigen Abschnitt von 700 Meter Länge und 50 Meter Breite. Bis heute verlor der Strand ein Viertel seiner Fläche. Ein gehöriger Streifen Sand wurde vom Meer verschlungen. Weshalb die Strände schwinden, ist im Detail noch nicht erforscht. Aber es gilt als sicher, dass das Phänomen vom Menschen verursacht wurde. "Wir zerstören unsere Küsten im Galopp", warnte die Meeresbiologin Isabel Moreno kürzlich.
Ein Hauptverursacher sind wohl Hotels oder Restaurants, die gerade in den vergangenen Jahren zügig in Meeresnähe errichtet wurden. Als Folge der Neubauten verfügen verschwinden im Hinterland die Dünensysteme, mit deren Hilfe sie sich die Strände von Natur aus regenerieren können. Zudem tragen die Badeurlauber, jedes Mal wenn sie einen Strand verlassen, unfreiwillig einige Gramm Sand fort. Dies summiert sich bei der großen Zahl der Touristen zu mehreren Tonnen im Jahr.
Umweltschützer klagen vor allem darüber, dass die Seewiesen von Neptungras ("Posidonia"), die in Strandnähe auf dem Meeresgrund wachsen, zerstört werden. "Das Seegras wird absichtlich ausgerissen, weil es wie Algen aussieht und von den Badenden als störend empfunden wird", sagt Joan Rita, Vorsitzender des Umweltverbandes GOB. Ist das Posidonia-Gras einmal ausgerissen, hätten die Wellen es umso leichter, den Sand fortzuspülen.
Die Experten sorgen sich weniger um die stadtnahen Strände wie die Playa de Palma bei der berüchtigten Strandbar "Ballermann". "An den Stadtstränden kann man - ökologisch - nichts mehr kaputt machen", sagte ein Beamter des balearischen Umweltministeriums der Zeitung "Mallorca Magazin".
Den Umweltschützern geht es vielmehr um die Naturstrände, die nicht zugebaut sind und noch nie künstlich aufgeschüttet wurden. Der größte Naturstrand auf Mallorca heißt Es Trenc und liegt im Südosten der Insel. Hier drängen sich im Sommer 5000 bis 7000 Badende pro Tag, die zum Teil mit Geländewagen anreisen.
"Lassen Sie Es Trenc lieber mal in Ruhe, und gehen Sie an die Playa de Palma!", fordert adas "Mallorca Magazin" die Urlauber auf. "Es ist unverständlich, warum Badegäste wie Lemminge an die vermeintlich abgelegenen Naturstrände strömen - wo sie Tausende Gleichgesinnte finden, aber keine Abgeschiedenheit."
Aber es gibt auch eine gute Nachricht von Mallorcas Stränden: Das Meerwasser ist praktisch überall sauber. Bei den regelmäßigen Kontrollmessungen der Gesundheitsbehörden an den 52 wichtigsten Stränden erhält die Wasserqualität fast immer die Note "sehr gut". Nur an ganz wenigen Stellen kommt es mal vor, dass Verunreinigungen auftreten und Richtwerte leicht überschritten werden. Dann gibt es ein "Gut" oder auch ein "Ausreichend".