Mardi Gras in Sydney Glitzerfummel in Down under
Sydney - Sydney gilt als "the place to be" und ist die trendigste, aufregendste und schillerndste Stadt Australiens. Die Lebensfreude ihrer Bewohner wirkt auch auf Besucher ansteckend. Zu spüren ist das nicht zuletzt in der Zeit des Mardi Gras Anfang März, wenn die Homosexuellenszene Sydneys ihren schrillen Karneval feiert.
"Sydney bietet einen Lebensstil, wie ihn viele Menschen erträumen", sagt Matt Needham, der alternative Führungen durch die Pazifik-Metropole organisiert. "Die Stadt hat etwas vom Pariser Charme, von Rio die Lage, das Viktorianische von London, das Multikulturelle von New York und im Jahresdurchschnitt 342 Tage, an denen die Sonne scheint." Diese Mischung zieht Menschen aus aller Welt an. Auch Schwule und Lesben haben Sydney für sich entdeckt. "Heute haben wir neben San Francisco die größte Schwulengemeinde der Welt", erzählt Matt. "Sie schätzen das besonders tolerante Klima."
Mardi Gras in Sydney: Fummeltrinen und Polizeikapelle
Das war nicht immer so. Bis 1984 war Homosexualität im Bundesstaat New South Wales verboten. "Raus aus den heimlichen Kneipen auf die Straßen" hieß deshalb das Motto, mit dem rund 1000 Schwule, Lesben und Transsexuelle im Juni 1978 auf der Oxford Street gegen ihre Diskriminierung protestierten. 53 Demonstranten wurden damals verhaftet, in eine Polizeiwache gebracht und zum Teil misshandelt. Die Namen und Adressen der Verhafteten wurden in Zeitungen veröffentlicht, viele verloren deshalb ihren Arbeitsplatz.
"Unsere Freiheiten sollen die Freiheiten aller sein"
Zur Karnevalszeit 1979 formierte sich der erste Mardi Gras, der sich im Laufe der Zeit zu einem gigantischen Fest entwickelte und in den vergangenen Jahren jeweils rund eine halbe Million Besucher anzog. Den Auftakt des vierwöchigen Spektakels bildet eine große Eröffnungsfeier, die traditionell unter freiem Himmel im Hyde Park im Zentrum der Stadt stattfindet. Mehr als 100 Veranstaltungen, darunter Filmaufführungen, Ausstellungen und Lesungen sind Teil des Festivals.
Höhepunkt des Mardi Gras ist die Parade, die immer am ersten Samstag im März stattfindet, 2006 am 4. März. Im Jahr 2005 zogen mehr als 7500 Teilnehmer durch die von Hunderttausenden Zuschauern gesäumten Straßen. Den besten Blick auf die bunte Menge hat, wer einen Sitzplatz auf der Tribüne an der Flinders Street ergattert. Die Bobby Goldsmith Foundation verkauft die Tickets und verwendet den Erlös zur Unterstützung von Aids-Kranken.
Zu den gut 100 Gruppen, viele davon mit phantasievoll geschmückten Wagen, gehörten die "Dykes on Bikes", Lesben in spärlicher Lederkluft auf schweren Motorrädern, gefolgt von einer Schar von Ledermännern mit ihren Maschinen. Mit dabei waren auch schwul-lesbische Aborigines. Unter dem Motto "Unsere Freiheiten sollen die Freiheiten aller sein", machten 80 Fahnenträger auf die Situation in Ländern aufmerksam, in denen Homosexualität noch immer verboten ist und zum Teil mit der Todesstrafe bedroht wird.
Glanz und Glitter gab es bei den "Fummeltrinen", und auch bei den "Asian Marching Boys" mit farbenfrohen Kostümen stand die Lebensfreude im Vordergrund. Zu den am meisten umjubelten Gruppen gehört jedes Jahr die der Polizei. "Heute ist es ganz selbstverständlich, dass sie nicht nur für den reibungslosen Ablauf der Parade sorgt, sondern sich mit einem eigenen Orchester in den Zug einreiht", sagt Matt.
Von Detlef Berg, gms