Memphis: Die Heimat des allgegenwärtigen Elvis' - DER SPIEGEL
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Memphis Die Heimat des allgegenwärtigen Elvis'

"Elvis Presley lebt" - viele Fans des "King of Rock'n'Roll" sind davon auch 25 Jahre nach seinem tragischen Tod überzeugt. Immer wieder wollen ihn einige zufällig gesehen oder als Anhalter mitgenommen haben. Ein Psychiater behauptet sogar, Elvis sei seit Jahren sein Patient.
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Memphis - Andrea Perry, vom Fremdenverkehrsbüro in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee, muss schmunzeln, wenn sie diese Geschichten hört. Elvis war berühmt und starb unerwartet in verhältnismäßig jungem Alter - das fördere wohl solche Legenden, meint sie. Aber sein Mythos lebt weiter. Nirgendwo sonst wird das so deutlich wie in Memphis.

In der Metropole im Süden der USA erinnert vieles an den Superstar: Museen widmen sich seiner Geschichte, in Downtown steht ein Denkmal. Auch Restaurants und eine Hauptstraße - der Elvis Presley Boulevard - sind nach ihm benannt. Immerhin verbrachte Elvis in der Stadt am Mississippi die längste Zeit seines Lebens, und auch seine beispiellose Karriere nahm dort ihren Anfang:

Presley gilt als Mitbegründer und einer der wichtigsten Interpreten des Rock'n'Roll, seine Songs wie "Heartbreak Hotel", "Hound Dog", "Don't Be Cruel" und "In the Ghetto" wurden weltweit millionenfach verkauft. Elvis brachte es auf insgesamt 107 Top-Hits, 37 Gold-Alben, 63 Gold-Singles und 28 Platin-Alben. Kein anderer Musiker hatte je vergleichbaren Erfolg.

Da ist es heute kaum vorstellbar, wie Elvis zu seiner ersten Platte kam: Im Sun Studio in Memphis soll er 1953 für ein paar Dollar die Ballade "My Happiness" aufgenommen haben - als Geschenk für seine Mutter. Das kleine, unscheinbare Studio an der Union Avenue nutzten damals bereits Blues-Größen wie B.B. King und Howlin' Wolf. Auch der erste Rock'n'Roll-Song - "Rocket 88" von Jackie Brenston - wurde 1951 dort eingespielt.

Studiobesitzer Sam Phillips erkannte das Talent des Nobodys und das Potenzial seines ungewöhnlichen Stils, der Elemente des Blues mit denen der Country- und Gospel-Musik verband, und machte Elvis in kurzer Zeit zum begehrtesten Musiker der Welt.

Heute ist das Studio eine der Hauptattraktionen der Stadt. Besucher können sogar den - so Führerin Adrienne Klein - "heiligen Boden" im Aufnahmeraum betreten, die Stelle, an der Elvis angeblich 1954 für die Aufnahme seiner ersten verkäuflichen Platte "That's Allright Mama" stand, ist mit schwarzem Klebeband markiert. Das Mikrofon sei auch noch das Original von damals - sehr zur Freude der Touristen, die sich damit für ein Erinnerungsfoto in die Gesangspose ihres Idols werfen.

Der "Geburtsort des Rock'n'Roll", an dem später Carl Perkins und Jerry Lee Lewis ihre Hits "Blue Suede Shoes" und "Great Balls of Fire" aufnahmen, wird noch heute von Musikern genutzt, sagt Klein - unter anderem von Bob Dylan, Paul Simon und U2.

Wer mehr über die historischen Zusammenhänge der Entstehung des Rock'n'Roll erfahren möchte, muss nur ein paar Straßenecken weiter gehen: Im "Memphis Rock'n'Soul Museum" werden die musikalischen und kulturellen Einflüsse dargestellt.

Im Anschluss an das Museum lässt sich nebenan die Gibson-Fabrik besichtigen, wo in Handarbeit die Gitarren gleichen Namens gefertigt werden. Neben B.B. King spielte auch Elvis ein solches Instrument in seinen Konzerten, bei denen er die Mädchen mit erotischem Hüftschwung in Ekstase versetzte und so zunächst für heftige Empörung sorgte.

Ein Eindruck von dieser Atmosphäre lässt sich heute noch in der Beale Street gewinnen: In den Clubs, Bars und Restaurants an der Musikmeile in Downtown legen sich abends Blues-, Jazz- und Rockbands mit den alten Songs ins Zeug. In die Musik, die zu den Bummlern auf die Straße hinaus dringt, mischen sich aber auch die Funk- und Soul-Klänge nicht minder talentierter Straßenmusiker.

Vor gar nicht so langer Zeit habe es in dem Traditionsviertel noch anders ausgesehen, sagt Andrea Perry vom Fremdenverkehrsbüro: Viele Firmen waren abgewandert, ganze Straßenzüge hätten leer gestanden, und die alten Backsteinbauten sollten schon abgerissen werden. Dann aber wurde die Idee verworfen und stattdessen Geld in die Sanierung des Viertels investiert: Auf der verkehrsberuhigten Main Street pendelt nun eine schmucke Straßenbahn, in ehemals verwahrlosten Gebäuden haben Galerien, Boutiquen und Restaurants Quartier bezogen. Darunter ist auch "Elvis Presley's Memphis", wo die Gäste Elvis' Lieblingsspeisen wie das "Fried Peanut Butter & Banana Sandwich" bestellen können.

Die größte Elvis-Attraktion in Memphis ist zweifelsohne Graceland, das Privatanwesen des Stars etwas außerhalb der Stadt. Rund 600.000 Besucher werden jährlich in Gruppen durch das Gebäude geschleust. Dabei erhalten sie Einblicke in den kitschigen Geschmack des "King": Im Flur zum gelb-blau gestrichenen "TV-Room" etwa, in dem zu Elvis' Lebzeiten permanent drei Fernseher liefen, ließ er an Wänden und Decken Spiegel montieren. Auffällig sind auch seine Vorlieben für Plüschmöbel, Goldverzierungen und bunte Glasklunker. Nach einem Rundgang durch Küche, Ess- und Wohnzimmer gelangen Besucher in das wohl beeindruckendste Zimmer: In der "Hall of Gold" hängen an den Wänden die goldenen Schallplatten, die Elvis erhielt.

Das obere Stockwerk mit dem Bad, in dem Elvis am 16. August 1977 im Alter von 42 Jahren nach einem Herzversagen tot vor der Toilette gefunden wurde, bleibt für Besucher jedoch tabu. Auch die letzten Lebensjahre, in denen der Star an Fettleibigkeit litt, von Medikamenten abhängig war und viel von seiner früheren Ausstrahlung eingebüßt hatte, werden bei der Tour weitgehend ausgeklammert. "Wir wollen einen Teil seines Lebens privat belassen", sagt Bobby Davis, Sprecher der Firma Elvis Presley Enterprises (EPE), die Graceland verwaltet.

Zumindest deren ungebrochene Treue beweist sich jedes Jahr wieder in der Nacht vom 15. auf den 16. August: Bei der "Vigil", einer Art Nachtwache, pilgern Tausende mit Kerzen zu Elvis' Grab im Garten von Graceland. Ungezählte Inschriften an der Begrenzungsmauer künden von den Menschenmassen bei der Prozession. In diesem Jahr, in dem sich Elvis' Todestag zum 25. Mal jährt, werden es wohl noch mehr, schätzt Bobby Davis: "Wir erwarten allein in der Nacht bis zu 25.000 Fans."