Museumseröffnung: Kein Wien ohne Sisi - DER SPIEGEL
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Museumseröffnung Kein Wien ohne Sisi

Vor 150 Jahren eroberte Elisabeth durch ihre Hochzeit mit Kaiser Franz Joseph I. die Herzen der Wiener, und Wien gedenkt des Jubiläums. Im neuen Sisi-Museum in der Hofburg werden ab April persönliche Gegenstände der "Kaiserin wider Willen" zu sehen sein - dabei ist ganz Wien eine große Sisi-Gedenkstätte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wien - Sie lächelt würdevoll. Ihre Züge sind anmutig und schön. An dieser Frau führt einfach kein Weg vorbei. Trotz all dem spannenden Nebeneinander von imperialer und moderner Architektur, k. u. k. Hoflieferanten und Designershops, gemütlichen Kaffeehäusern, Heurigen und aufregenden Szenelokalen - sie drängt sich immer wieder dazwischen. Beinah an jeder Ecke lächelt sie uns entgegen: von Buchumschlägen, Postkarten, aber auch Untersetzern oder Briefbeschwerern: Elisabeth (1837 bis 1898), als Sisi geliebt, bewundert und verehrt, ist allgegenwärtig.

Vor genau 150 Jahren eroberte sich die "Kaiserin wider Willen" durch ihre Hochzeit mit Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) die Herzen der Wiener, und wehe der Stadtführerin, die noch heute nicht den Lebenslauf von Österreichs beliebtester Monarchin kennt. Voller Anmut und Grazie finden wir sie zunächst in Stein gehauen. "Dass das Denkmal ausgerechnet im Volksgarten steht, zeigt, wie sehr die Kaiserin im Volke verehrt wurde", sagt Hedwig, unsere Begleitung. "Er entstand als Pendant zum Hofgarten. In der Donaumetropole gibt es viele Parkanlagen." Schon stehen wir vor einem goldglänzenden Walzerkönig im Stadtpark. Als Denkmal hat Johann Strauß Sisi den Rang abgelaufen. Es ist das meistbesuchte.

Beim Bummel durch die einst als römische Siedlung Vindobona angelegte über 2000-jährige Stadt kommen wir nicht umhin, uns wieder der Monarchin zuzuwenden. So wurde die Votivkirche anlässlich eines missglückten Attentats auf Elisabeths Gemahl gestiftet. In der Gruft der Kapuzinerkirche werden die Kaiserlichen Gebeine der Habsburger seit 1622 bestattet. Auffällig sind die Blumen und Kränze am Sarg Elisabeths, die 1898 am Genfer See einem Attentat zum Opfer fiel. Die Augustinerkirche hingegen, in der das glücklose Traumpaar 1854 das Ja-Wort tauschte, beherbergt die Herzen der verstorbenen Habsburger.

Auf dem Weg zur Hofburg, bis 1918 Residenz des Kaiserhauses, passieren wir Stephansdom, Pestsäule und Spanische Hofreitschule mit den weltweit bekannten Lipizzanern. "Auch Sisi war eine begabte Reiterin", erinnert Hedwig, "und sie hatte den Jungbrunnen gefunden. Sisi, die ohnehin ihren Pflichten als Kaiserin nicht nachkam, floh angesichts erster Falten die Öffentlichkeit und ließ sich nicht einmal mehr fotografieren." So bleibt sie also ewig jung und schön.

In der Hofburg - einem riesigen Komplex von 18 Trakten, 19 Höfen und über 2500 Räumen - bewohnte Elisabeth das sonnigste Zimmer. Trotz ständiger baulicher Erweiterungen der Anlage stellt jemand eine Ähnlichkeit mit der Alten Bibliothek Unter den Linden in Berlin fest. "Gut beobachtet", bemerkt Hedwig, "die Baupläne wurden aus Kostengründen zunächst in die deutsche Hauptstadt verkauft. Treppauf, treppab streben wir den kaiserlichen Wohnräumen zu.

Im April 2004 wird anlässlich des Hochzeitsjubiläums in der Wiener Hofburg das Sisi-Museum eröffnet. Neben der Rekonstruktion des Polterabendkleides der jungen Braut und anderen persönlichen Gegenständen zeigt es eine begehbare Rekonstruktion des luxuriösen Hofsalonwagens der reiselustigen Kaiserin. Die Privatgemächer der Monarchin können wir schon jetzt aus nächster Nähe betrachten. Zur Verdunklung soll sie Jalousien eingeführt haben. "Elisabeth war nicht nur im Gegensatz zu ihrem Mann modern, sondern provokant unkonservativ", sagt Hedwig und deutet auf die Sprossenwand, die sie zur Erhaltung ihrer Wespentaille für Turnübungen in die Wandtäfelung ihres Zimmers einbauen ließ.

"Den Schönheitskult um ihren Körper setzte sie auch in ihrem Badezimmer fort, wo sie bereits eine Dusche besaß und eine pfiffige Aufhängung für die Pflegeprozedur ihrer schönen langen Haare, die im nassen Zustand unerträglich schwer waren. Wir fragen, was es mit den Ringen im Türrahmen des Salons auf sich hat. "Unschicklich in diesem Turngerät sitzend, hat Elisabeth bisweilen Besucher empfangen", werden wir aufgeklärt. Sie habe in Österreich sogar das in ihrer bayerischen Heimat übliche Biertrinken populär gemacht. Endlich ein Thema für die Männer. Ohne Sisi eben doch kein Wien.

Von Cornelia Höhling, ddp