Museumsinsel in Berlin Idee eines Romantikers
Berlin - Sehenswürdigkeiten von Weltrang gibt es nicht viele in Berlin. Kultur spielte unter den frühen Hohenzollern nicht die erste Geige. Als die Metropole später ins Repräsentative gehoben werden sollte, geriet vieles wie aus zweiter Hand. Noch heute werden zum Lob der Museumsinsel gern mit Museen im Ausland verglichen. Und vielleicht haben sich Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. und sein Architekt Friedrich August Stüler tatsächlich an Paris und Athen orientiert. Das Ergebnis ihres Projekts wurde 1999 auf die Liste der Unesco-Welterbestätten genommen - und das trotz der im Zweiten Weltkrieg erlittenen 70-prozentigen Schäden.
Friedrich Wilhelm IV. galt als Romantiker auf dem Thron, und in der Tat erscheint die Idee zutiefst romantisch: eine Insel inmitten der geschäftigen Stadt für Kunst und Wissenschaft zu reservieren. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Museumsinsel nur um einen Zipfel der größeren Spreeinsel, die als solche kaum wahrzunehmen ist. Inselgefühle können aber durchaus aufkommen, wenn man das Areal über die kleine Brücke hinter dem Dom betritt und dann zwischen Säulen wandelt. Ins Arkadische steigert sich diese Stimmung, wenn im Sommer das Museumsinsel-Festival abends zu Open-Air-Veranstaltungen lockt.
Im Mittelpunkt des Insellebens stehen aber die fünf Museen mit ihrem Kulturangebot: Derzeit zugänglich sind das nach Plänen Karl Friedrich Schinkels bis 1830 erbaute Alte Museum - die Keimzelle der Museumsinsel -, das als Nachzügler erst 1930 fertig gestellte Pergamonmuseum und die nach der Renovierung vor eineinhalb Jahren glanzvoll wiedereröffnete Alte Nationalgalerie. Während die ersten beiden Häuser die umfangreiche Berliner Antikensammlung beherbergen, widmet sich die Nationalgalerie, obwohl äußerlich an die Architektur griechischer Tempel angelehnt, der Kunst des 19. Jahrhunderts.
Die beiden anderen Museen befinden sich in unterschiedlichen Stadien ihrer Rekonstruktion. Im Jahr 2006 soll das Bodemuseum, Heimat eines Münzkabinetts, seine Tore öffnen. Im Neuen Museum, dem im Krieg am nachhaltigsten getroffenen Gebäude, gehen die Arbeiten erst jetzt los. Der Zeitplan zur Sanierung der Museumsinsel ist durch die Finanzmisere Berlins ohnehin ins Wanken geraten: Bis 2010 sollen zusätzlich das Pergamon- und das Alte Museum saniert sowie ein neues zentrales Eingangsgebäude errichtet werden. Dies dürfte aber kaum zu schaffen sein, da der Bund zwar inzwischen den Finanzierungsanteil des Landes übernommen, zugleich aber den Gesamtetat verringert hat.
Wenigstens scheint das politische Tauziehen, das die Berichte über die Museumsinsel lange bestimmt hat, nun vorbei. Auf ein paar Jahre kommt es in der Zeitrechnung dieses Großprojektes wohl auch nicht an - immerhin vergingen deren 100, bis alle Inselgebäude fertig waren.
Von Tobias Wiethoff, gms