Museumsnächte 2005 Die volle Kulturdröhnung
Hamburg/Berlin - Ein Tag ist oft nicht genug für die Museen einer Stadt. Und viele Menschen möchten unverbindlich in verschiedene Häuser hineinschnuppern, ohne immer wieder Eintritt zahlen zu müssen. Deshalb veranstalten europäische Städte von Trondheim bis Turin Museumsnächte. Wer nächtens in aller Ruhe von Ausstellung zu Ausstellung ziehen möchte, muss aber nicht gleich in die Ferne schweifen: Auch in Deutschland bieten viele Großstädte im Jahr 2005 wieder Gelegenheiten für kulturbegeisterte Nachtschwärmer.
Die erste Museumsnacht in Berlin gab es 1997. Die Hauptstadt will den Besuchern zur nächsten "Langen Nacht der Museen" am 29. Januar 2005 vor allem das Geschehen hinter den Kulissen vermitteln. "Wir werden die Museumsarbeit des Bewahrens, Sammelns und Forschens vorstellen und auch verborgene Schätze aus den Depots holen", erläutert Tina Haufe vom Museumspädagogischen Dienst Berlin.
Insgesamt haben 80 Häuser geöffnet, erstmals dabei sind die Berlinische Galerie und Schloss Britz. Das Kombiticket zum Preis von 12 oder ermäßigt 8 Euro öffnet alle Museumstüren. Für Kinder bis zwölf Jahre ist der Eintritt frei.
Rund 70 Museen und Ausstellungsstätten macht Stuttgart am 19. März für 12 Euro zugänglich. Die Düsseldorfer Nacht der Museen steigt dann am 16. April.
Leipzig: Stadtrundgänge zum Thema Architektur und Licht
In Leipzig scheinen am 23. April die Dinge in der Nacht anders als bei Licht betrachtet. Ihre sechste "Nachtschicht" stellt die Stadt unter dieses Motto. "Für Besucher von außerhalb wird das neue Museum der Bildenden Künste das Highlight sein", sagt Petra Paula Schwab vom Kulturamt Leipzig. Insgesamt öffnen 41 Häuser ihre Türen, darunter auch die sonst unzugängliche Anatomische Sammlung der Universität. Tickets kosten 8 oder ermäßigt 5,60 Euro. Zusätzlich zum individuellen Programm der Museen soll es Stadtrundgänge zum Thema Architektur und Licht geben.
Frankfurt am Main öffnet ebenfalls in der Nacht vom 23. auf den 24. April 50 Museumstore. Mit dem 11 Euro teuren Ticket können selbst Palmengarten und Zoo besucht werden. "Im letzten Jahr war der nächtliche Besuch des Kriminalmuseums ein großer Erfolg", erinnert sich Kirsten Grote-Bär, Pressesprecherin des Kulturdezernats.
Nürnberg richtet seine "Blaue Nacht" am 7. Mai 2005 aus. "Unsere Museumsnacht zeichnet sich durch Kunst im öffentlichen Raum aus", erklärt Karin Jungkunz, Projektkoordinatorin beim Kulturreferat der Stadt. 2005 werden Künstler das Motto Wind und Luft an 65 Spielorten in Szene setzen. Das Einheitsticket für die 30 geöffneten Häuser vom National- bis zum Hutmuseum kostet 12 und ermäßigt 10 Euro. Kinder unter zwölf Jahren zahlen nichts. Lichtkünstler werden außerdem markante Punkte und Plätze der Innenstadt in blaues Licht tauchen.
Hamburg: Barkassen-Shuttle zum Hafenmuseum am Bremerkai
Der Termin für die Hamburger Museumsnacht fällt wahrscheinlich auf den 2. Juni. Im Mittelpunkt steht der Hafen: "Wir wollen Einblick geben in das im Umbau befindliche Marinemuseum und in die Planungen für die Philharmonie in den Kaispeichern", sagt Herbert Hötte, Leiter des Hamburger Museumsdienstes. Außerdem fährt ein Barkassen-Shuttle zum Hafenmuseum am Bremerkai. Neu im Reigen der 42 nachtaktiven Museen ist das HSV-Museum. Die Tickets kosten 10 oder ermäßigt 8 Euro.
Viele Hannoveraner Museen und Kultureinrichtungen öffnen in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni zum Einheitspreis von 5 Euro. Bis zwölf Jahre ist der Eintritt frei. Sachsens Landeshauptstadt Dresden geht am 9. Juli mit 46 Museen an den Start. Der Eintritt kostet 8 oder ermäßigt 6 Euro, die Familienkarte 17 Euro.
Programm in 20 Museen bietet Kiel am 26. August. "Mit dem Ticket für 7 Euro kann man sogar mit historischen Schiffen und Segelbooten über die Förde setzen", sagt Angelika Stargardt vom Kulturamt der Stadt Kiel.
Am 24. September findet die Dortmunder Museumsnacht statt. Im Mittelpunkt des Rahmenprogramms soll eine zentrale Veranstaltung auf dem Friedensplatz stehen. "Viele Konzerte und Lesungen wenden sich speziell an Familien mit Kindern und beginnen bereits um 16.00 Uhr", erläutert Projektassistentin Christine Abraham. Erwachsene zahlen 11 oder ermäßigt 8,50 Euro, Kinder zwischen 6 und 14 Jahren 2,50 Euro und Kinder unter 6 Jahren gar nichts für die Eintrittskarte.
In München öffnen am 15. Oktober rund 80 Häuser in der Dämmerung ihre Türen. Der Eintritt kostet hier 15 Euro. Am 29. Oktober feiert Schwerin seine "Lange Nacht der Kunst". Die wohl letzte Museumsnacht der Republik bietet am 5. November Köln : In insgesamt 38 Museen, Kunst- und Kulturzentren oder Galerien wird jeweils ein eigenes Programm organisiert. "Ungewöhnliche Orte wie die Sternwarte des Planetariums haben den größten Zulauf", sagt Marie-Luise Höfling, Pressereferentin für die Museen der Stadt Köln. Das Ticket kostet 13,50 Euro.
In Erfurt und Mainz, wo in den vergangenen Jahren Museumsnächte veranstaltet wurden, steht eine Neuauflage 2005 wegen der schlechten Haushaltslage auf dem Prüfstand. Bremen und Saarbrücken haben sich bislang noch nicht für oder gegen eine Museumsnacht entschieden.
Von Dirk Averesch, gms