Nagerplage Paris rückt den Ratten zu Leibe
Paris - Triumphbogen, Eifelturm, Louvre: Paris ist bekannt für seine romantischen Plätze, alten Bauwerke und für die besondere Lebensart. Die Stadt ist zugleich die Heimat vieler Nagetiere. "Wegen der Seine ist Paris ideal für Ratten. Außerdem gibt es viele stille Gewässer, in denen sie ein schönes Plätzchen finden", sagt Jean-Roch Gaillet, Chef des Veterinärdienstes der städtischen Polizei, dem britischen Nachrichtensender BBC. In der Stadt gebe es rund acht Millionen Ratten - dies entspricht vier Tiere pro Einwohner.
Die bevorstehende Touristensaison zwingt die Stadt zum Handeln. Jedes Jahr im Frühjahr startet eine Kampagne, damit in der Urlaubssaison Paris-Reisende möglichst nicht mit dem Problem in Kontakt kommen. "Die Menschen gehen am Ende des Tages in eine Bäckerei und sehen, wie Ratten oder Mäuse umherkrabbeln. Und das neben dem Essen - das ist abstoßend", sagt Gaillet.
Mieter, Wohnungseigentümer, Geschäftsleute und Firmen haben zwei Monate Zeit, um für "die Vernichtung von Mäusen und Ratten" zu sorgen - wer sich nicht darum kümmert, muss mit einer Anzeige rechnen. Rund ein Dutzend Filialen der Supermarktkette Ed seien vor lauter Nagern regelrecht "in der Krise", sagte ein Manager der Zeitung "Le Parisien". Tote Mäuse oder Ausscheidungen der Tiere im Lager und in Kisten seien keine Seltenheit. Laut Polizei-Veterinärchef Gaillet gehen fast täglich Beschwerden ein. In diesem Jahr hätten sich die Tiere wegen des milden Winters früher vermehrt als in den vergangenen Jahren.
Erste Rattenfänger im 19. Jahrhundert
Das Ratten-Problem ist nicht neu: Im Jahr 1849 starben fast 19.000 Menschen bei einer Cholera-Epidemie, die sich durch die Ratten immer weiter ausbreitete. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Kanalisationssystem gebaut, die ersten Rattenfänger boten ihre Dienste an.
Fünf Verwaltungsmitarbeiter seien darauf abgestellt, um der Ratten, Mäuse und Tauben Herr zu werden, heißt es in dem BBC-Bericht. Die jährliche Säuberungsaktion beginne mit einer öffentlichen Informationskampagne. "Unser erstes Ziel ist es zu informieren - einige Einwohner wissen nicht, dass sie tatsächlich dazu verpflichtet sind, die Ratten zu bekämpfen", erklärte Gaillet. Wer sich nicht daran hält und zum Beispiel Müll offen lagert, muss mit Geldbußen von bis zu 150 Euro rechnen.
Im vergangenen Jahr wurde ein Tier sogar zum Star: Die Ratte Remy aus dem Animationsfilm "Ratatouille" hat einen feinen Geschmackssinn und träumt davon, Koch zu werden. Deswegen schleicht Remy sich in die Küche eines Pariser Luxus-Restaurants ein.
reh/AFP/dpa