Nonsens-Museum: Wo einst der Dorfstier brüllte - DER SPIEGEL
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Nonsens-Museum Wo einst der Dorfstier brüllte

Zwischen Wien und Prag, in einer Hügel-Falte des österreichischen Weinviertels, liegt Herrnbaumgarten: ein 1000-Seelen-Dorf nahe der tschechischen Grenze, wo der Wein sogar am Gehsteig wächst. Der ideale Ort für ein Scherzartikel-Museum.
Von Christa Langheiter
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist noch keine zehn Jahre her, da wartete Gemeindestier Hugo im nördlichsten Zipfel Österreichs, tagein, tagaus auf eine willige Kuh. Doch die Wartezeiten wurden immer länger, die Kühe immer weniger. Mit den Rindviechern war kein Geschäft mehr zu machen. Und so musste Hugo raus aus seinem Stall in Herrnbaumgarten. Rein kam ein Museum. Das Nonseum. Ausgestellt werden Dinge, die keiner braucht. Und so war der Stier Hugo das erste Museumsstück.

Es mag vielleicht ein bisschen Sentimentalität mitgeschwungen haben, dass die erste Nonseum-Veranstaltung sich ganz den Vierbeinern widmete. Unter dem Motto "Bau Tier ein Haus" konstruierte man Suppenfloße für Fliegen, Schlafsackkolonien für Fledermäuse und eine Reihenhaussiedlung für Maulwürfe. Und da der Mensch ja sonst oft den Bedürfnissen seiner Mittiere wenig Beachtung schenkt, haben die Nonsensler die heiß ersehnte Steckdose für Glühwürmchen gebaut.

Wurde die Tieromania vielleicht vom koreanischen Fernsehen inspiriert? Kürzlich tauchte ein TV-Team in Herrnbaumgarten auf und brachte als Gastgeschenk vier Zisch-und-Weg-Patscherl für Hunde mit. Die so gekleideten Füße der Hunde sind angeblich ein ideales Reinigungsinstrument für alle Böden. Blöd nur, dass sich Hunde ohne den Einsatz von Krallen nicht fortbewegen können. Aber vielleicht waren die Schuhe ja gar keine Schuhe für Hunde. Wer soll's wissen? Sprachen doch die Koreaner nicht deutsch und die Österreicher nicht Koreanisch. "Lustig war's trotzdem", erinnert sich Anneliese Tegtbauer, Kassafrau im Nonseum und Schwiegermutter eines der Initiatoren des Nonseums, Fritz Gall.

Das ist wahrscheinlich nicht der einzige Spaß, den der Rest des Ortes nicht gleich zum Brüllen lustig gefunden hat. "Wir sind am Anfang sehr unbekümmert an die Sache herangegangen", so Fritz Gall. Ein schlichtes "Ihr seid's deppat" (sehr doof, bescheuert), war dann auch der Ausspruch, der ihn und Kollegen Friedl Umschaid am häufigsten begleitete. "Bis der weiße Fleck auf der österreichischen Landkarte ordentlich färbige Punkte abgekriegt hat und auch vermehrt Touristen und damit Geld ins Land kam", erzählt der Kunsterzieher.

Zu verdanken ist der Besucherstrom den 350 Nonseums-Exponaten, die mittlerweile auch von vielen anderen zugeliefert werden: Etwa Gummihandschuhschoner: an der Spitze mit Plastikfingerhüten verstärkt, weil die vorne doch immer reißen. Oder Zebra-Safetyschuhe: Schuhe mit Zebramuster, erfüllen höchste Sicherheitsansprüche auf Gehsteigen, gut kombinierbar mit dem ausrollbaren mobilen Zebrastreifen. Oder eine Guillotine für Fingernägel, empfohlen vom Nagelstudio Marie Antoinette. Und eine Sitzungsbrille, mit der man dank aufgemalter Augen jederzeit den Eindruck macht, gebannt den Ausführungen seines Chefs zu folgen während man gleichzeitig sanft schlummern kann.

Ferner gibt es eine historische Knopflochsammlung: Unter anderem sind hier Goethes unvollendetes Knopfloch sowie das Kragenknopfloch von Robespierre ausgestellt. Der leere Platz vom Napoleon-Knopfloch ist allerdings leer. "Ich hab einmal diese Rarität in ein Fernsehstudio mitgenommen", berichtet Gall, den Tränen nahe, "der Moderator hat es vom Tisch geschubst. Alle sind zwar völlig verzweifelt am Boden herumgekrochen, aber es hat nichts geholfen. Es ist ein für allemal weg. Und ersetzen kann uns das natürlich auch keiner. Versicherung war ja keine zu finden."

Und so bleibt Gall mit der Kirche nun lieber im Dorf und veranstaltet einmal im Jahr sein 24-Stunden Weinbergschneckenrennen. Aus den Erfahrungen des Fernseh-Auftritts hat er gelernt und sorgt nun vor für alle Eventualitäten. Tierärzte untersuchen die Schnecken auf Drogen, und Nacktschnecken werden aufgrund der strengen Jugendschutzbestimmungen sofort ausgeschieden. Für die 120 zugelassenen, mit Namen und Nummern versehenen Schnecken gibt es ganz wie beim Vorbild Formel 1 ein Warming up, Boxenstopp, Streckenposten und Werbung an den Banden. Nur die Schleimspur kennt man nicht vom rasanten Vorbild. Die wird von Kindern eifrig mit kleinen Besen weggewischt.