Norwegen Nordlichter und Kabeljau
Svolvaer - Irgendwo dort links muss ein Leuchtturm sein. Weißes Licht dringt aus dem Dunkel, wird schnell heller, fast grell. Übergangslos nimmt es das ganze Firmament ein und wechselt in gelbe, grüne und violette Lichtschleier. Nein, kein Leuchtturm sendet da Signale, sondern das Nordlicht tanzt am Himmel - die winterlichen Lofoten in Nord-Norwegen begrüßen den Gast auf unnachahmliche Weise.
Als wären die Alpen ins Meer gefallen, so ragen die Berge der Inselgruppe aus dem Nordmeer. Bis zu 1200 Meter sind sie hoch und im Winter oft von stürmischer See umbrandet. Alles ist geradezu lieblich mit einer Schneehaube überzogen und - kein seltenes Schauspiel - von Sonnenlicht überflutet. An Land spiegeln sich die Bergmassive in den Fjorden, sind auf den Kopf gestellt und nehmen im Wasser kein Ende. Das dramatische Bild der Lofoten mit schroffen Felsen, tiefen Tälern, Bergseen und idyllischen Fischerorten lockt rund 200.000 Besucher pro Jahr an - aber nur zehn Prozent suchen die winterliche Einsamkeit.
Gerade mal 24.500 Menschen trotzen auf den Inseln von Austvagöy im Norden bis Röst im Süden dem Polarwinter. Dank des Golfstroms sinkt die Durchschnittstemperatur aber nicht unter ein Grad minus, und die Häfen bleiben eisfrei. Ganz still ist es in der Landschaft. «Wenn man hierher kommt, wo es Ruhe gibt, dann sollte man sich auch die Ruhe nehmen», rät Jann Engstadt. Der Ex-Bootsbauer aus Kabelvåg organisiert im Winter Ski-, Kajak-, Angel-, Wander- und Tauchtouren.
Von Dezember bis Januar ist "Dunkelzeit". Nur eine halbe Stunde am Tag zeigt sich dann die Sonne am Horizont. Ab Februar werden die Tage aber wieder heller, und der Winter zeigt bis April sein verschneites Gesicht. Dann werden mit dem "spark", einem Tretschlitten, frühmorgens die Kinder in den Kindergarten gefahren oder die Einkäufe erledigt.
Fast alle, die zwischen Januar und April auf die Inseln kommen, lockt der "torsk" - der Kabeljau. Im Januar beginnt sich deshalb auch in den verschlafenen Häfen wie in Henningsvaer neues Leben zu regen. Täglich tuckern die Kutter der Nordlandfischer ein, gerüstet mit Langleinen oder Netzen für den Fang des begehrten Fisches. Überall sind Boote vertäut. Bis weit in die Nacht herrscht reges Treiben, denn mancher fährt erst spät hinaus, um die Netze zu setzen.
Die regelmäßigen Wanderungen des arktischen Kabeljaus, der von der Barentsee vor die Lofoten zum Laichen zieht, verhalfen den Fischern seit dem Mittelalter zu Reichtum und Ansehen. In guten Jahren stand im Westfjord früher Fisch an Fisch. Vieles hat sich jedoch inzwischen beim alljährlichen Wettlauf um einen reichen Fang geändert. Strikte Quoten und ein genau festgelegter Zeitraum bestimmen den Alltag der rund 3000 Fischer, die jedes Jahr auf ein Neues ihr Glück versuchen. Für Touristen werden vor der schneebedeckten Kulisse Angeltouren oder Schlauchbootfahrten organisiert, um den Fischfang zu beobachten.
Nach alter Sitte steht es den Kindern zu, die begehrte Fischzunge herauszuschneiden und sich mit dem Verkauf ein beachtliches Taschengeld zu verdienen. Beim traditionellen "mölje" lassen sich die Lofotinger und ihre Gäste pochierten Kabeljau, der mit Zunge, Rogen und Lebersoße serviert wird, mit Rotwein schmecken. Rund 95 Prozent des Fangs werden aber zu Stock- oder Klippfisch verarbeitet - eine uralte Handelsware, die seit über 1000 Jahren das Einkommen sichert.
In "Finnholmen Brygge", einem neuen Hotel in Henningsvaer, können die Touristen über einer Fischfabrik in ehemaligen, schön restaurierten Fischerräumen wohnen. Möwengeschrei. Blick auf die einlaufenden Kutter. Restaurierte so genannte Rorbuer, früher einige Wochen lang die Schlaf- und Arbeitsstätte der Nordlandfischer, können auch im Winter überall auf den Lofoten angemietet werden.
Schmal ist oft die Strandflate, die sich am Fuß der Berge über Schärengärten, vorgelagerten Holmen und Inseln entlang zieht. Auf den engen Küstenstreifen haben Fischerorte wie Svolvaer, Kabelvag und Henningsvaer Platz gefunden. Nahe Kabelvag, das lange vor der Hauptstadt Svolvaer der wichtigste Fischerhafen war, liegt Storvagan. Hier befand sich Vagan, die älteste Siedlung nördlich des Polarkreises. Schon 1120 ließ König Öystein dort die so genannte Lofoten-Kathedrale und erste Rorbuer erbauen.
Das Wikingermuseum in Borg auf Vestvagöy informiert über die Ahnen der Inseln. Seit 1963 verbindet die Europastraße E 10 die Hauptinseln über Brücken und Tunnel miteinander. Wer will, kann mit dem Auto bis ans südliche Ende der Lofoten fahren. Die Straße endet in A, einem kleinen Ort auf Moskenesöy. Auch dort informiert - wie könnte es auf den Lofoten anders sein? - ein Museum über den Stockfisch. Alles endet auf den Lofoten beim Fisch, auch die Skiwanderung mit Jann in die Berge, wenn nach dem Abstieg im Meer geangelt wird.
Informationen
Norwegisches Fremdenverkehrsamt
Mundsburger Damm 45, 22087 Hamburg
Tel. 040-22 71 08 10, Fax 040-22 71 08 15
Heidemarie Pütz, gms