Österreich: Renaissance der Romantik - DER SPIEGEL
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Österreich Renaissance der Romantik

Angesichts überfüllter Skipisten, immer kurzlebigerer Fun-Sportarten und ökologischer Bedenken suchen viele Urlauber nach Wintersportalternativen. Am Achensee sind die Gegenbewegungen zu spüren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Achensee, das Herzstück der gleichnamigen Ferienregion, ist Tirols größter See, rund zehn Kilometer lang, ein Kilometer breit und bis zu 133 Meter tief. Zwar wird sein Wasser auch für das Wasserkraftwerk in Jenbach als Speicher benutzt, dennoch ist der Achensee kein Stausee, sondern ein von Gletschern geschaffener Natursee. Wie ein Fjord liegt er eingerahmt im Westen vom Karwendel-, im Osten vom Rofangebirge. "Romantik-Bergbahnen" heißen nicht ohne Grund die fünf Umlaufgondeln, die vom äußersten Südwesten des Sees in Pertisau zwischen See und Felszacken hinauf zum Zwölferkopf schweben.

Bereits der Blick von den Gondeln hinunter auf den tiefblauen See lohnt eine Fahrt. Was sich jedoch oberhalb der Bergstation auf 1510 Metern verbirgt, wissen nur wenige Eingeweihte und natürlich die Einheimischen: ein kleines, aber feines Skigebiet mit 15 Kilometern Piste. Vor allem Familien haben dieses Gebiet für sich entdeckt - nicht ohne Grund: Kinder bis sieben Jahre fahren hier frei, und wo sonst gibt es gleich drei Babylifte auf einmal?

Für Könner ist der Radius hier allerdings etwas begrenzt: Außer der roten, mittelschweren Piste am Zwölferkopf-Sessellift gibt es die blaue Tristenau-Abfahrt hinunter nach Pertisau oder die rote "Hubert". Diese längste Abfahrt im Achental ist landschaftlich auch eine der eindrucksvollsten. Durch das schmale Perchertal führt sie hinab zum Seeufer.

Da bis heute das Projekt eines Sessellifts hinauf zum Zwölferkopf ein Projekt geblieben ist, fährt man per Skibus gemütlich vom Gasthaus Hubertus zurück zur Talstation der Karwendelbahnen oder einmal um die Südspitze des Sees herum nach Maurach. Hier bringt die Rofansesselbahn die Gruppe zur Bergstation bei der Erfurter Hütte auf 1834 Metern Höhe.

Auf dem sonnenverwöhnten Plateau am Fuß der zackigen Dalfinger Wände gehen die Uhren noch anders, einfach einen Tick langsamer. Während jenseits der schroffen Felsen am Nordufer des Achensees die Münchner Brettlfans am Christlum von Achenkirch, dem größten Ort am Achensee, sich an den Liften drängeln, transportiert der Rofan-Doppelsessellift gerade mal 1000 Menschen pro Stunde die Pisten hinauf. Trotzdem muss hier auch zu Stoßzeiten am Wochenende kaum einer warten.

Fast 40 Jahre hat die Sesselbahn schon auf dem Buckel. Bei ihr ist es nicht die Geschwindigkeit, die für Nervenkitzel sorgt - es sind die bügellosen, schmalen Sitze, die gewisse Anforderungen an die Schwindelfreiheit stellen. Auf der schwarzen Rofanabfahrt hinunter zur Mauritz Sesselbahn kann die Mutprobe fortgesetzt werden.

Um so gemütlicher gestaltet sich danach die Fahrt mit dem Einzelsessellift hinauf aufs Plateau unterhalb des rundspitzigen Rofan. Wie Salzburger Nockerln türmen sich die weißen Schneehauben auf den Tannen links und rechts der Lifttrasse, seltene Bergvögel zwitschern, und überall haben Hasen ihre Spuren im Schnee hinterlassen. Genussliftfahren könnte man diese Art der geruhsamen Fortbewegung nennen.

Der Achensee hält weitere elementare Erlebnisse für von Matschwetter geplagte Städter bereit: Wandern und Schneeschuhlaufen ganz still durch jungfräuliches Weiß oder ein Lagerfeuer im Schnee. Auch wenn die Würstchen und Kartoffeln etwas verkohlt schmecken, stellt diese Mahlzeit doch jedes Gourmet-Dinner in den Schatten.

Die Zwanglosigkeit rund um den Achensee schätzten einer alten Chronik zufolge auch schon die ersten Winterfrischler, die um die Jahrhundertwende aus Wien und München kamen: "Schon seit Jahren gehört es zum guten Ton in der kalten Jahreszeit, die Hauptstadt und ihre verfeinerten Genüsse zu verlassen. So haben sich bereits Fremde aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands eingefunden; Steifheit und Zwang ist jedoch völlig verbannt."

Eine Lektion in Heimatkunde vermitteln die 19 Räumen des Heimatmuseums Sixenhof, eines typischen Tiroler Einhofes in Achenkirch. Hier ist alles noch wie anno dazumal, als es am Achensee weder Skilift noch Wellness-Hotels gab. Bäuerliche und handwerkliche Geräte, eine Hufschmiede, eine Schusterei und Weberei sowie Exponate aus Jagd, Fischerei und der Holzwirtschaft dokumentieren zu Füßen des Annakircherls, des Wahrzeichens von Achenkirch aus dem Jahre 1670, das Leben in früheren Zeiten.

Sonja Vodicka, gms

Informationen

Achensee Tourismus, Rathaus, A-6215 Achensee Tel. +43-5246-53 00, Fax +43-5246-53 33

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