Palma de Mallorca Karawane der drei Könige
Wenn bei uns schon alles vorbei ist, müssen die Kinder in Palma de Mallorca noch auf die Bescherung warten. Denn dort bringen erst die drei Weisen aus dem Morgenland die Geschenke. Wenn sie am Vorabend des Dreikönigstags mit dem Schiff in den Hafen einfahren und in einer schier endlosen Karawane mit ihren prächtig geschmückten Karossen, mit Kamelen und Pferden durch die Straßen ziehen, ist die ganze Stadt auf den Beinen. Bonbons fliegen von den Wagen. Es herrscht Karnevalstimmung. Bis dahin präsentieren idyllische Weihnachtsmärkte Spielzeug, Kunsthandwerk und jede Menge Zuckerwerk. Geschäfte wetteifern mit ihren geschmückten Schaufenstern um die besten Geschenkideen.
Doch Einkaufen macht in Palma nicht nur zur Weihnachtszeit Spaß. Wer sich durch die schmalen Gässchen und Treppen der Altstadt treiben lässt, stößt immer wieder auf kleine Läden mit originellen Klamotten, eleganten Schuhen und Lederwaren oder ausgefallenen Produkten wie altem Blechspielzeug, zierlichen Fächern oder inseleigenen Kräuterlikören. Eine der bekanntesten Einkaufsstraßen ist die Carrer Colom, die vom Rathausplatz vorbei an den beiden schönen Jugendstilhäusern Can Fortesa Rei und L'Agila zur Plaça Mayor führt, dem ehemaligen Marktplatz der Stadt.
Naschkatzen sollten dabei nicht einen Abstecher in die kleine Straße Sans 10 in der Nähe der Kirche Santa Eulària versäumen. Hier liegt das für seine dickflüssige, heiße Schokolade berühmte Jugendstil-Café C'an Joan de S'Aigo. "Als wir hier in der Nähe frisch eingezogen sind, waren wir jeden Tag hier", erzählt Maria Vallespir. Heute gönnt sie sich die Kalorienbombe nur noch gelegentlich. Die Stadtführerin erzählt, wie sich das Image von Palma in letzter Zeit verändert hat. "Früher sind die Touristen nur wegen der Strände nach Mallorca gekommen", erinnert sie sich. "Heute interessieren sie sich auch für die Stadt und ihre Geschichte."
Kathedrale La Seu: Palmas Wahrzeichen
Selbst Deutsche, die schon seit Jahren auf Mallorca leben, entdeckten plötzlich die Reize der Inselmetropole. Täglich bietet das Tourismusministerium daher geführte Stadtbesichtungen an, um den Besuchern die turbulente Geschichte der Stadt näher zu bringen. Über 300 Jahre stand Mallorca unter arabischer Herrschaft. Palma gehörte damals zu den acht wichtigsten Städten des Araberreiches, und auch noch im Mittelalter wurde die Stadt als Perle des Mittelmeers gepriesen.
Im einstigen Kernstück der arabischen Zitadelle befindet sich heute der Almudaina-Palast, offizieller Amtssitz des spanischen Königs auf Mallorca. Gegenüber erhebt sich die Kathedrale La Seu, einer der größten Sakralbauten der Welt und Palmas Wahrzeichen. Selbst wer mit Kirchen sonst nicht viel am Hut hat, sollte einen Blick ins Innere werfen. Über 300 Jahre wurde an dem majestätischen Gotteshaus gebaut. Die 14 schlanken Pfeiler geben dem Hauptschiff eine gewisse Leichtigkeit, und die großen, bunten Glasfenster sorgen für ein fast schon unwirkliches Licht.
In den schmalen Gassen hinter der Kathedrale residierten einst die Adligen in ihren Stadtpalästen. Nach außen wirken die Gebäude mit ihren hohen Wänden, dicken Holztoren und verschlossenen Fensterläden kalt und abweisend. Doch hin und wieder hat man Glück, und ein schmiedeeisernes Tor gibt den Blick in einen der mit üppigen Balustraden, wertvollen Steinböden und prächtigen Brunnen ausgestatteten Innenhöfe frei. "Über hundert solcher Patios aus verschiedenen Epochen gibt es in Palma", erklärt Maria. Die schrägen Dächer dienten früher dazu, das Regenwasser aufzufangen, die Höfe selbst waren Umschlagplatz für Waren aus aller Welt.
Museum auf Renaissance-Festung
Von der Kathedrale führen breite Stufen hinunter zum Plaça da la Reina. Hier beginnt die Flaniermeile Passeig de Born. Wo heute unter großen Platanen prominiert wird, floss einst ein Gebirgsbach und bildete die Grenze zwischen Ober- und Unterstadt. Die mit eleganten Geschäften gesäumte Allee endet am Plaça Rei Joan Carles I, wo sich einer der beliebtesten Treffpunkte Palmas befindet. In der Bar Bosch ist immer etwas los, um 7 Uhr morgens ebenso wie um 3 Uhr nachts. Einheimische tauschen bei einem Café solo ihre Neuigkeiten aus, Touristen erholen sich von ihrer Einkaufstour, Nachtschwärmer trinken ihren Absacker. Die Ober sind flink, die Preise moderat, die Tapas herzhaft und typisch mallorquinisch.
Von hier lässt es sich bequem durch die Arkaden der schicken Avenida Jaume III zum Passeig Mallorca und dann weiter zu Palmas neuester Attraktion schlendern: dem Anfang 2004 eröffneten Museum für moderne und zeitgenössische Kunst "Es Baluard". 17,5 Millionen Euro ließ sich die Inselregierung den spektakulären Bau aus Glas und Sichtbeton auf den Resten einer Renaissance-Festung kosten. Den Kern der Ausstellung bildet die Privatkollektion des Kunstsammlers Pere A. Serra mit 300 Werken spanischer und internationaler Künstler. Ergänzt wurden diese um Werke aus dem Depot der Inselregierung, wie zum Beispiel der Bilderserie "Mallorca" von Joan Miró.
Gleich hinter dem Museum taucht man wieder in das ursprüngliche Palma ein. Hinter dem Plaça Drassana, wo früher die Werften für die Schiffe waren und die Handwerker wohnten, liegt das ehemalige Hafenviertel La Llotja. Über die engen Gassen sind voll behängte Wäscheleinen gespannt. Die Häuserfassaden bröckeln, dunkle Eingänge geben den Blick auf armselige Wohnräume frei. Bis vor einigen Jahren galt die Gegend als gefährlich. Heute drängen sich hier unzählige Bars, Restaurants und Musikkneipen, und hinter dunklen und unscheinbaren Fassaden befinden sich auch zwei der neuesten Designerhotels von Palma.
Die Nächte in Palma sind lang
Das Hotel Puro überrascht mit klaren Formen, hellen Farben und orientalischen und afrikanischen Elementen. Im Hotels Tres erwartet den Gast ein kühles Design viel Weiß und Chrom und einer eigenwilligen Mischung aus alt und neu. Gläserne Stufen verbinden mit schweren Holzdecken getäfelte Räume, die verschachtelte Dachterrasse lockt mit Minipool und Sauna. Seitdem das Hotel im Juni eröffnet wurde, ist es fast immer voll. "Die Leute schätzen unser Ambiente", sagt Hotelmanagerin Joana M. Llado. "Viele kommen zufällig vorbei und wollen gleich bleiben."
Schließlich könnte der Kontrast kaum größer sein. Innen helle Farben und coole Chill-out-Musik, vor der Tür vor allem am Wochenende das quirlige Nachtleben. Je später der Abend, desto mehr Menschen drängen sich durch die engen Gassen. Wer um 22 Uhr einen Platz in einem der zahlreichen Restaurants sucht, tut sich schwer. Dagegen herrscht in den Bars zu dieser Zeit meist noch gähnende Leere. Nur ein paar vereinzelte Touristen nippen dann im Abaco an ihren sündhaft teuren Cocktails, lauschen der klassischen Musik und bewundern das tropisch-barocke Ambiente der Nobel-Bar mit seinen Bergen von frischen Obst und Blumen.
Rustikal und gemütlich geht es dagegen in der kleinen Tapas-Bar schräg gegenüber zu. Gerade sechs Tische haben in dem schmalen Raum Platz. Unermüdlich balanciert die gut gelaunte Bedienung kleine Schalen mit gebratenen Sardinen, pikanten Fleischbällchen und planchierten Gambas zu den Tischen, während ihr Chef auch noch um 2 Uhr nachts hingebungsvoll hauchdünne Scheiben vom riesigen Schinken absäbelt. Die Nächte in Palma sind lang. Schließlich geht es in den riesigen In-Discos an der Hafenpromenade um 3 Uhr erst richtig los.