Pistentrends "Kürzer und jünger"
Die Materialien klingen nach Raumfahrt: Titanium, Carbon, Grafit. Ohne diese High-Tech-Zutaten kommt inzwischen kein Ski-Hersteller mehr aus. Mehr Tempo sollen sie den Könnern bringen, allen anderen Skifahrer wird mehr Fahrspaß bei weniger Anstrengung versprochen. Neben den hoch entwickelten Bestandteilen sorgt dafür seit einiger Zeit auch die Form der Bretter: Carving-Ski ermöglichen selbst Anfängern schnell die ersten sauberen Schwünge.
Die stark taillierten Carving Ski sind inzwischen fest im Markt verankert und machen den Bretterwald in den Wintersportläden beinahe unübersichtlich. "Carven hat sich als Schirm etabliert und wird sich künftig in mehrere Richtungen aufgliedern", beschreibt Franz Arthold, Verkaufsleiter einer österreichischen Wintersportfirma den Trend. So werden Carver mittlerweile mit längeren und kürzeren Radien - für gemäßigteres oder für aggressiveres Fahren angeboten. Es gibt sie mit und ohne Platten unter der Bindung, in unterschiedlichen Breiten und vor allem in neuen Längen.
"Die Ski werden immer kürzer", sagen führende Sportartikelhersteller. Kaufte man früher Ski generell um einige Zentimeter länger als die eigene Körpergröße, wird heute eher auf Kürze gesetzt. Das gilt selbst für Könner: So werden die neuen Slalom-Carver nur selten in einer Länge von mehr als 180 Zentimetern angeboten.
Aus dem Rennsportbereich kommend, können mit ihnen wegen ihrer extremen Taillierung Kurven gefahren werden, die in diesem Tempo bisher nur mit den noch kürzeren, schwerer beherrschbaren Fun-Carvern möglich waren. Gleichzeitig soll eine aufwendige Dämpfung auch bei hohen Geschwindigkeiten für Laufruhe und guten Griff sorgen.
Ein weiterer Trend ist das so genannte Freeriding, bei dem man auf extrabreiten Ski abseits der Piste im Gelände unterwegs ist. Für Wintersportfans, die sowohl auf der Piste als auch im Gelände fahren wollen, wurden Cross-Carver - eine Mischung aus Race-Carvern und Freeride-Ski - entwickelt. Snowboard-Feeling sollen die neuen Geräte vermitteln und für die Annäherung von Boardern und Skifahrern stehen. "Skifahren ist dank des Carvings jünger geworden", meint Michael Schineis von Atomic aus Altenmarkt in Österreich. Und Gernot Ressler vom Sportartikel-Produzenten Kneissl and Friends ist der Ansicht, dass jetzt das auf die Skipisten zurückgeholt werden muss, "was im Snowboard-Bereich trendig und cool ist".
Gelingen soll das unter anderem mit Skiboards, maximal einen Meter langen Brettern, mit denen auch Skifahrer Saltos in der Halfpipe oder Rückwärtssprünge über Schanzen probieren können.
Auf Multifunktionalität setzt die Firma Rossignol aus Maisach bei München. "Free Trek" nennt sich der neue Kurzski, der wegen seines besonderen Bindungssystems sowohl zum Tourengehen als auch auf der ganz normalen Piste zum Carven oder zum Telemark eingesetzt werden kann.
Von Sandra Hoffmann, gms