Pompadour: Die Pferde der Marquise - DER SPIEGEL
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Pompadour Die Pferde der Marquise

Nicht nur die legendäre Mätresse hat das Örtchen Arnac-Pompadour berühmt gemacht. In dem Dorf befindet sich Frankreichs zweitgrößtes Gestüt. Zu den jährlich stattfindenden Turnieren strömen jedes Jahr Hunderte Besucher.
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Außerhalb der Saison tut sich im betulichen Arnac-Pompadour nur wenig. Nichts stört die ländliche Idylle rund um das Schloss. Gerade einmal 1400 Einwohner zählt der kleine Ort im Hinterland des Départements Corrèze, ungefähr auf halber Strecke zwischen Lyon und Bordeaux. Doch von Mai bis Ende September ändert sich die Kulisse vollständig. Die große weite Welt schaut dann herein zu den fast täglich stattfindenden Turnieren, Rennen und Pferdeschauen. Die teuren Sternehotels und edlen Restaurants am Ort sind völlig ausgebucht. Die Stadt wächst um ein Vielfaches über sich hinaus.

Die Spektakel um die edlen Rösser sind für Freunde des Pferdesports in Arnac-Pompadour etwas ganz Besonders. Denn Pompadour hat Geschichte. Und die war nicht immer so nobel wie die Herrschaften, die sich heute auf den Reiturnieren tummeln.

Den schlüpfrigen Ruf verdankt der Ort einer gewissen Jeanne Antoinette Poisson. Die Bürgerliche avancierte einst zur Mätresse des französischen Königs Ludwigs XV. Und damit brach ein Sturm der Entrüstung über den Monarchen herein. Ein Frau ohne Adel im Bett des Königs war undenkbar. Um die Geliebte trotzdem halten zu können, musste also ein Titel her. Fügung wohl, dass das Geschlecht derer von Pompadour zu dieser Zeit ausgestorben war. Der König überschrieb seiner Gespielin einfach das dortige Schloss und erhob sie zur Marquise.

Angeblich hat die so Geehrte nie einen Fuß in den Ort gesetzt. Und hinterließ doch ihre Spuren. Sie war es, die das bis heute berühmte Gestüt am Ort begründete. Zuchterfolge stellten sich dort allerdings erst ein, als es Napoleon in den Rang eines Nationalgestüts erhob. Er befahl, eine Pferderasse zu entwickeln, die auf Feldzügen ausdauernd und robust und auf dem Schlachtfeld schnell und wendig sein sollte. Den Erfolg seiner Bemühungen sollte der Kaiser allerdings nicht mehr erleben. Erst 1843 konnte sich der Direktor der Gestütsverwaltung, Eugéne Gayot, über langersehnten Nachwuchs freuen: Das erste Fohlen einer neuen Warmblutrasse, des Angloarabers, wurde geboren.

Die edlen Tiere entstanden durch die Kreuzung von arabischen Hengsten und englischen Vollblutstuten. Angloaraber sind, ganz wie es der Feldherr Napoleon gewollt hatte, äußerst ausdauernd. Während ein englisches Vollblut zehn Kilometer im Querfeldeingalopp reitet, schaffen die temperamentvollen Angloaraber mindestens das Fünffache.

Viele der Pferde, die auf dem Gestüt in Arnac-Pompadour das Licht der Welt erblickt haben, kehren oft in ihrem Leben an ihren Geburtsort zurück. Schließlich findet dort das weltweit wichtigste Turnier für Angloaraber statt. Jockeys, Züchter und Pferde-Narren strömen am 15. August zum "Großen Tag des Pferdes", dem wichtigsten Ereignis im Kalender von Arnac-Pompadour. Mit dem "Grand Prix de Pompadour" erreicht die Saison ihren absoluten Höhepunkt. Auf diesem Springwettbewerb machen die Angloaraber ihrer berühmten Marquise noch einmal alle Ehre.