Portugal: Knorrige Korkeichen - DER SPIEGEL
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Portugal Knorrige Korkeichen

Zwei Arten Touristen sind es, die traditionell an die Algarve fahren: Badeurlauber und Golfer. Der sonnige Küstenstreifen im Süden Portugals hat jedoch mehr zu bieten als Sandstrände.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Monchique - Immer weiter windet sich die schmale Bergstraße von Monchique hinauf zum 902 Meter hohen Foia. Kahl ist die Landschaft hier oben, weit schweift der Blick über die Algarveküste.

"Links im Dunst ist Faro zu erkennen. Und ganz rechts liegt Sagres, die Südwestspitze von Europa", erläutert der Reiseleiter den Teilnehmern der Jeep-Safari. "Das sind mehr als 100 Kilometer Sicht." Ein paar Kurven weiter ist dann der Gipfel erreicht. Radiosender und Radarantennen machen das kleine Plateau zwar nicht eben schöner. Aber die grandiosen Ausblicke auf den Atlantischen Ozean entschädigen die Besucher.

Der Foia-Gipfel ist der höchste Punkt der Serra de Monchique, des 50 Kilometer breiten Gebirges nördlich der Küstenstadt Portimao. Mit dichten Wäldern, abgelegenen Seitentälern, wilden Flussläufen und einer ursprünglichen Fauna und Flora schirmen die Berge die Küste gegen das wellige Hügelland der benachbarten Alentejo-Region ab.

An den steilen Hängen wachsen knorrige Korkeichen zwischen Eukalyptusbäumen. Bananen, Orangen, Walnüsse und auch Kräuter wie Myrre, Minze, Salbei, Lorbeer, Rosmarin und Thymian sind hier zu finden. Adler kreisen über den Gipfeln, und an den Flussläufen lauern Störche, Fischreiher und Flamingos auf ihre Beute.

Größer könnten die Kontraste kaum sein, denn unten am Meer sind die weniger schönen Folgen des Massentourismus in den pulsierenden Zentren deutlich zu spüren. Albufeira zum Beispiel hat mit Hotels, Appartementanlagen, Supermärkten und Discotheken seine Urtümlichkeit als Fischerdorf längst verloren. An der Praia da Roca bei Portimao, in Armacao de Pera und Quarteira trüben Hochhausfassaden das Bild.

Nur 20 Kilometer landeinwärts dagegen beginnt in den Bergen die ursprüngliche Landschaft der Provinz Algarve mit ihren einsamen Weilern, in denen das Leben noch seinen ruhigen Gang geht. Wer Ruhe statt Rummel sucht, ist in der Serra de Monchique genau richtig.

Kulturfreunde zieht es nach Silves am östlichen Rand der Berge, das unter den Arabern die Hauptstadt der Algarve war und im Wettbewerb zu den maurischen Metropolen Granada und Cordoba stand. Die mächtige Burg zeugt noch von dieser Vergangenheit. Später bauten die Christen in der Nachbarschaft der Festung zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert die gotische Kathedrale, eines der bedeutendsten Gotteshäuser der Algarve und bis vor kurzem auch Bischofssitz.

Auf der Fahrt weiter nach Osten gelangt man in die Serra do Caldeirao, eine stille grüne Hügellandschaft. Am Weg liegen Dörfer mit weiß getünchten und blau umrandeten Hausfassaden. Das Weiß schützt vor der Sonne, die im Sommer manchmal für Mittagstemperaturen von 50 Grad sorgt. Die blaue Farbe - so will es der Aberglaube der Portugiesen - soll die Hausbewohner vor bösen Geistern bewahren.

Ein bevorzugtes Ziel von Wanderern ist in der Nähe des Ortes Alte der abgelegene Rocha da Pena, dessen Kalkmassiv sich fast 500 Meter über dem Hügelland auftürmt. Ganz still ist es hier draußen, allein das Zirpen der Grillen ist zu hören. Über eine staubige Schotterpiste geht es vorbei an dem Dörfchen Penina bis zu dem kleinen Café am Fuß der Felsen.

Gerade einmal fünf Kilometer lang ist der ausgeschilderte Rundweg, dem man durch das Naturschutzgebiet unbedingt folgen sollte. Ein Faltblatt in englischer Sprache dazu gibt es im Café. Schweiß rinnt rasch von der Stirn, auch im Frühling klettert das Thermometer hier über 25 Grad. Daher ist es auch ratsam, bei jeder Tour genug Mineralwasser mitzuführen und immer eine Kopfbedeckung zu tragen.

Im Westen der Algarve liegt die kleine Stadt Sagres, in der Heinrich der Seefahrer seine Entdeckungsreisen vorbereitet haben soll. Vor den Fortanlagen der "Vila do Infante" liegt als Beweis für diese Theorie die riesige "Rosa dos Ventos", eine Windrose mit 43 Metern Durchmesser. Am Cabo Sao Vicente noch weiter im Südwesten weht der Wind stets noch rauer als an der übrigen Algarve: Auf imposanten Klippen thront der Leuchtturm mit der größten Lichtoptik Europas, der nachts sein Lichtbündel 90 Kilometer weit aufs Meer hinausschickt.

Hier beginnt die Costa Vicentina, der einsamste Teil der Algarve. Viele der unberührten kleinen Badebuchten sind selbst im Juli und August fast menschenleer. Einige Strände wie bei Vila do Bispo und dem Ort Carrapateira sind nicht einmal ausgeschildert. Über schmale Pisten geht es durch Schluchten hinab zum Meer mit wild tosender Brandung. In diese Einsamkeit finden nur wenige Naturliebhaber.

Bernd F. Meier, gms