Prag: Kultur im Vorbeigehen - DER SPIEGEL
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Prag Kultur im Vorbeigehen

Tschechiens Hauptstadt packt das Kulturjahr 2000 aus verschiedenen Perspektiven an: Zum einen sollen Veränderung und Überraschung im Mittelpunkt stehen, zum anderen soll die Geschichte der Stadt thematisiert werden.
Von Anke Geffers
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Prager haben in Windeseile geschafft, wozu andere Städte lange brauchen: Sie haben ihre Stadt innerhalb von zehn Jahren vom sozialistischen Einheitsgrau befreit. Stattdessen empfängt die Besucher eine Metropole, die nicht nur golden glänzt, sondern in allen Farben leuchtet.

Fast täglich eröffnen neue Cafés und Restaurants, neue Galerien und Geschäfte. "Prag ist eine der Städte Europas, die sich am schnellsten verändern", sagt Ladislav Kantor, der für das "Prag 2000"- Programm zuständig ist.

Veränderung und Überraschung sind auch die Leitmotive für das kulturelle Programm, das die tschechische Hauptstadt in diesem Jahr noch attraktiver machen soll. Die ganze Stadt soll eine Bühne sein und einen Sommer lang zum "Welttheater" werden. So planen die Verantwortlichen, zum Beispiel eine Open-Air-Aufführung der Mozart-Oper "Don Giovanni".

Schwerpunktthema im Kulturjahr 2000 ist die Geschichte Prags, die in zahlreichen Ausstellungen zu verfolgen ist. Prag-Besucher haben die Qual der Wahl: Fast täglich finden Konzerte statt, werden Theaterstücke aufgeführt und Ausstellungen eröffnet.

Freunde klassischer Musik können noch bis zum 2. Juni nach Prag reisen - zahlreiche Konzerte werden anlässlich des 55. Internationalen Musikfestival aufgeführt. Einige sind sogar im Garten der Villa Bertramka zu hören. In der sehenswerten Villa, heute ein Museum, war Mozart häufig zu Gast. Dort entstand auch die Ouvertüre zu "Don Giovanni".

Den Abschluss des Kulturjahres 2000 bildet im November das bereits legendäre deutschsprachige Theaterfestival, das zum fünften Mal in der Metropole stattfindet.

Abgesehen vom offiziellen Programm 2000 bietet Prag jede Menge Kultur - sozusagen im Vorbeigehen. Schon 1971 wurde der historische Kern unter Denkmalschutz gestellt und von der Unesco als Weltkulturerbe ausgezeichnet.

Die Masse der Besucher wandert über die Karlsbrücke zur Prager Burg, dem Hradschin. Hier sollten Touristen mindestens einen halben Tag einplanen, denn neben dem Veitsdom und dem Königspalast liegt auf der so genannten Kleinseite auch die St. Georgs-Basilika und das Goldenen Gässchen.

Berühmt ist das Haus Nr. 22, in dem Franz Kafka zwischen 1912 und 1914 an seinen Texten arbeitete. Genauso interessant aber nicht so überlaufen ist Josefov, das ehemalige Judenviertel Prags. Das Viertel wurde komplett im Jugendstil errichtet.

Auch aus der Vogelperspektive macht Prag eine gute Figur: Wer die tschechische Metropole von oben bestaunen möchte, geht zum hoch über der Moldau gelegenen Lustschloss Belvedere. Hier können Prag-Besucher in Ruhe einen Kaffee trinken und das Kulturprogramm der nächsten Tage planen.

Weitere Informationen: Prag auf einen Blick

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