"Queen Mary 2" Audienz im Trockendock
Hamburg - Die Queen bekommt ein neues Make-up. 35.000 Liter Farbe sind dafür nötig - weiß, rot und schwarz. Denn diese Königin ist 345 Meter lang, 41 Meter breit und 72 Meter hoch - Traummaße für ein Schiff der Superlative. Am Dienstag geht das weltgrößte Kreuzfahrtschiff "Queen Mary 2" zu einer elftägigen Kur in die Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss.
Queen Mary 2: Eine Königin zeigt sich
Schon im Vorfeld dieses mittlerweile dritten Besuchs der "QM2" in der Hansestadt zeichnet sich erneut ab, was Anja Tabarelli von der Reederei Cunard Line stets mit den Worten umschreibt: "Hamburg is mad about 'Mary'." Der erste Besuch in Hamburg Mitte 2004 hatte 400.000 Menschen angelockt, zum eintägigen Aufenthalt am 1. August dieses Jahres waren es schätzungsweise gut eine halbe Million.
Und jetzt muss Hamburg erneut mit Besucheransturm und Verkehrschaos rechnen. Das Areal zwischen Fischmarkt, Landungsbrücken und Kehrwiederspitze ist für den Verkehr gesperrt, damit Zehntausende das Schauspiel des Eindockens verfolgen können. Allein aus Süddeutschland sollen sich mehr als 100 Reisebusse angesagt haben.
Der Zeitplan ist präzise abgesteckt: Gegen 10 Uhr soll die "QM2" beim Feuerschiff "Elbe 1" vor der Elbmündung in Sicht kommen und eine Stunde später Cuxhaven passieren. Von da an geht es langsam stromaufwärts, das Riesenschiff kommt mit auflaufendem Hochwasser rein. Gegen 18.30 Uhr gehen die Hafenlotsen an Bord, die dann den weiteren Ablauf entscheiden.
Denn in jedem Fall muss die "Queen Mary 2" vor dem Eindocken gedreht werden. Dafür kommen im Hamburger Hafen nur zwei Stellen in Frage, das Amerika Höft, wo der Kreuzfahrer schon im Sommer mit höchster Präzision gewendet hatte, oder der sogenannte Parkhafen. Letzteres würde jedoch bedeuten, dass das Riesenschiff anschließend einen langen Weg achtern voran bis zur Werft fahren müsste. Ein schwieriges und vor allem sehr wetterabhängiges Unterfangen, wie Werftkapitän Hans Meggers erläutert.
Kitzlig wird es aber auch beim eigentlichen Eindocken, das nochmals ein Drehmanöver unmittelbar vor den Landungsbrücken erfordert. Denn die "QM2" wird gegen 20 Uhr mit dem Steven voran, also vorwärts in das Dock "Elbe 17" einlaufen, sagt Meggers. Bei diesem Schwenk direkt über dem alten Elbtunnel blieben keine 20 Meter Platz mehr zwischen Heck und Landungsbrücken.
Auch im Dock ist schließlich höchste Präzision gefragt: Zwischen Bugwulst und Dockkopf dürfen nur zwei Meter Platz bleiben, damit am Heck der "Queen" genügend Raum zum Arbeiten an den Antrieben bleibt. Und das Einlaufen muss so "mittig" erfolgen, dass der gesamte Rumpf der Länge nach auf nur einer einzigen Kielbahn Pallen ruht. Keine Kleinigkeit, wenn man bedenkt, dass der Luxusliner mit 66.000 Tonnen Eindockgewicht das von der Masse her schwerste Schiff ist, das jemals in dem Riesendock gelegen hat. "Aber man bekommt ja nicht jeden Tag eine Queen zu Besuch", sagt Werftkapitän Meissner stolz.
Nur elf Tage haben rund 400 Werftarbeiter und Zulieferer von Blohm + Voss sowie etwa 700 Mann Besatzung und weitere 500 von Cunard verpflichtete Mitarbeiter von Fremdfirmen dann Zeit, neben dem Außenanstrich Wartungs-, Überholungs- und Prüfarbeiten an den Antrieben, Gasturbinen, Ankerwinden und Sicherheitseinrichtungen vorzunehmen und Teile der Inneneinrichtung zu erweitern. Ein Wettlauf mit der Zeit. Denn am 19. November zwischen 5 und 6 Uhr muss die "QM2" wieder ausdocken und Hamburg verlassen. Rundum gepflegt und mit neuen Make-up, wie sich das für eine Queen gehört.
Von Michael Best, ddp