Reisehorror: Eiskalt erwischt - DER SPIEGEL
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Reisehorror Eiskalt erwischt

SPIEGEL-ONLINE-Leser Peter Magerl hatte gerade Gefallen am eisigen Nordmeer gefunden, als ihm auf der Rückreise von Spitzbergen fast das Herz in die Hose rutschte.
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Eigentlich war es ein interessanter beruflicher Aufenthalt gewesen. Gerne hätte ich mir noch mehr auf dieser faszinierenden Insel inmitten der Arktis angesehen. Mit dem Schneemobil beispielsweise zur russischen Siedlung Barentsburg - das wär's noch gewesen. Doch mein Flieger nach Tromsø und weiter nach Oslo steht schon auf dem Flughafen von Longyearbyen bereit.

Leichter Schneefall, um die null Grad Celsius, ein klarer Fall für die Enteisung. "Hmh, die sind aber sparsam mit dem Mittel", denke ich noch, beruhige mich aber gleich wieder. Denn wer, wenn nicht die Leute hier im hohen Norden, sollte sich denn damit besser auskennen! Und außerdem: Die Airline trägt einen beruhigenden Namen, in dem das Wort Safe vorkommt.

Der Start der Boeing 737 ist dann zunächst völlig normal, der Steigflug beginnt, und der Kapitän sagt irgendwas auf Norwegisch. Wir befinden uns inzwischen über dem Wasser des Adventfjords. Auch mitten im Mai treiben hier immer noch große Eisschollen. Aber diese verdammten Eisschollen wollen mit der Höhe einfach nicht kleiner werden, wir gewinnen offenbar keine Höhe mehr.

Rechts von uns schneebedeckte Berge. Links von uns schneebedeckte Berge. Dort, wo wir hinfliegen, meines Wissens auch. Die Enteisung! Also doch! Wenn Tragflächen vereisen, kann es zu einem Strömungsabriss kommen. Und das Flugzeug kommt nicht hoch. Von wegen, die im Norden kennen sich aus! Ständige Gefahr kann wahrscheinlich auch abstumpfen. War da nicht vor Jahren eine mehr oder weniger geglückte Notlandung einer MD 80 der Scandinavian Airlines?

Ich blicke in die Gesichter meiner Sitznachbarn. Sie scheinen begeistert ob der grandiosen Aussicht auf die großartige Polarlandschaft. Lachen mir zu. Haben scheinbar noch nicht gemerkt, dass wir womöglich alle ins Verderben rasen. Mein Puls rast, ich schwitze, denn längst müssten wir in den Wolken sein, stattdessen fliegen wir immer noch flach über dem eisigen Meer. Für meine Begriffe viel zu flach. Selbst eine geglückte Notlandung auf irgendeinem Gletscher würde uns am Ende wohl nicht viel bringen, es würde ewig dauern, bis Hilfe käme. Und dann sind da ja auch noch die Eisbären...

Ich bin schon fast so weit, mich mit meinem Schicksal abzufinden, als sich der Kapitän noch einmal meldet und wieder etwas auf Norwegisch sagt. Doch diesmal folgt auch noch ein englischer Satz. Sinngemäß ungefähr so: Ladies and Gentlemen, wenn Sie auf der linken Seite aus dem Fenster blicken, können Sie sehr schön die russische Siedlung Barentsburg erkennen. Unmittelbar darauf werden die Triebwerke lauter und die Maschine zieht steil in die Wolken...