Reisehorror Lost and found
Zunächst lässt sich alles gut an. Trotz Eisregens steht das Taxi nach zehn Minuten vor der Tür, und wir kommen pünktlich zum Abflug nach Frankfurt.
Dann zerrinnt die Zeit: Flieger enteisen, warten auf das Starten und schließlich majestätisches Kreisen hoch in den Lüften über dem Vogelberg. Die Maschine landet mit mehr als einer Stunde Verspätung. Kann ja mal vorkommen. Allerdings mischen sich in die Mitteilung der Stewardess, wir seien auf eine Iberia-Maschine umgebucht, drohende Untertöne: Wie könne man nur 80 Minuten fürs Umsteigen einplanen, das sei sehr gewagt. Waghalsig war da wohl das firmeneigene Callcenter, das die Verbindung herausgesucht und die Tickets ausgestellt hat.
Auf den Gangways herrscht Chaos, allein der Connectflight-Schalter ist ein ruhender Pol, weil unbesetzt. Trotzdem finden wir die gebuchte Maschine, ein freundlicher Steward nimmt mir den Buggy aus der Hand und schiebt uns mit den sich schließenden Türen in den Flieger.
Mit der fast pünktlichen Landung in Valencia nimmt der Wahnsinn dann seinen Lauf: Kein einziges Gepäckstück liegt auf dem Band, nicht mal der Buggy, der uns unmittelbar vor dem Boarding abgenommen wurde. So ist das Leben, irgendwann erwischt es jeden Reisenden mal, und Urlaub haben wir auch. Also Ruhe bewahren, nicht die Laune vermiesen lassen. Wird schon alles gut, vielleicht kommt das Gepäck ja doch noch, vielleicht...
Die Protokollierung der Verlustmeldung dauert zwei Stunden, in denen wir uns abwechselnd bemühen, unsere 18 Monate alte Tochter in der Gepäckhalle bei Laune zu halten. Die Warteschlange ist entmutigend lang und der Beamte unschlagbar stoisch.
Wir lernten an diesem und den folgenden Tagen, dass ohne explizite Beschreibung und Anforderung ein Gepäckstück niemals alleine reisen darf, weshalb auch die Iberia-Maschine ohne unsere Koffer landete. Wir lernten ferner, dass der Suchauftrag nach fünf Tagen erlischt und neu gestellt werden muss, was in keinem Formular steht. "Lost and Found"-Büros sind zwar bestens vernetzt, es gibt aber keine klare Zuständigkeit. Wurde die Suche nach unserem Gepäck nun in Valencia koordiniert oder in Madrid, oder war für uns doch eher Frankfurt oder Hamburg zuständig? Sehr wichtig ist auch, die Suchauftragsnummer in mindestens drei Sprachen fehlerfrei aufsagen zu können.
Wir stellten aber auch fest, dass ein Spanier nachts um elf Uhr noch geduldig unübersichtliche und dunkle Appartementanlagen nach der Zieladresse durchsucht, was sich lohnte, denn er musste uns dreimal Gepäckstücke nachreichen. Über den Buggy für unsere Tochter durften wir uns erst am Tag vor dem Rückflug zwei Wochen später freuen.