Reykjavík Im Bann der Naturgewalten
Eiskalt und gottverlassen - wer diese Einschätzung von Islands Hauptstadt Reykjavík hat, irrt gewaltig. Zwar liegt die 108.000-Einwohner-Stadt auf einer Insel, die zum größten Teil aus ewigem Eis besteht. Doch das hindert die Isländer keineswegs am Feiern. Nachts scheinen in Reykjavik alle jungen Leute Islands unterwegs zu sein. Und nicht nur die.
Modedesigner, Künstler und Filmleute legen oft einen Stopp auf dem Weg von oder nach Amerika ein, um zu sehen, was in Reykjavík so läuft: Nirgendwo sonst in Europa sind die jungen Leute so modebewusst, nirgendwo sonst so verrückt gekleidet.
T-Shirts bei zehn Grad minus, Miniröcke mitten im Winter - wenn es darum geht, hip zu sein, kümmern sich die Isländer nicht um Temperaturen. Und sie kümmern sich nicht um Konventionen. Zumindest dann nicht, wenn es gilt, kreativ zu sein.
In diesem Jahr zeigen die Nachfahren der Wikinger, was sie in Sachen Kultur für ausgefallene Ideen haben: "Wasser, Feuer, Luft und Erde" heißt das Motto, das sich das Land hoch im Norden ausgesucht hat. "Kultur ist ohne Natur in Island gar nicht vorstellbar", sagen die Veranstalter - und so spielen Gletscher, Wasserfälle, Geysire und heiße Quellen auch in der isländischen Musik, Malerei, Literatur und in den Filmen eine wichtige Rolle.
Über 200 Veranstaltungen plant Island im Kulturjahr 2000. So zeigen im Kolonihaven international bekannte Architekten wie Mario Botta, Richard Meier und Aldo Rossi vom 26. bis 28. Mai ihre Entwürfe von Wohnhäusern. Das San Francisco Ballet gibt am 26. 27. und 28. Mai ein Gastspiel im Stadttheater.
Das Thema "Kultur und Natur" greifen Künstler auf, die ihre Werke in den Wasser- und Elektrizitätswerken in Ljosafoss und Laxa zeigen. Sie gestalten Räume neu und lassen sich dabei vom Thema "Energie" inspirieren.
Die bekannteste isländische Sängerin Björk wird natürlich auch in ihrer Heimat auftreten: Am 26. August steht ein Konzert auf dem Programm. Björk startet von Island aus zu einer Tournee in alle anderen europäischen Kulturstädte.
Um Naturgewalt geht es Anfang September, wenn das "Wind Festival" mit Musik, Tanz und anderen Performances gefeiert wird. Windskulpturen und Mobiles drehen sich und erzeugen Geräusche, Windharfen erklingen, es wird Vorlesungen und Seminare zum Thema Wind geben.
Auch die anderen Elemente kommen nicht zu kurz: Im August ist dem Feuer ein eigenes Festival gewidmet. Dabei steht "Gebrannte Kunst", also Keramik, im Mittelpunkt. Zudem reisen 200 Schmiede aus aller Welt nach Island, um dort vor Publikum Skulpturen und Gebrauchsgegenstände herzustellen.
Wie diese heißen Tage zu Ende gehen, liegt auf der Hand: mit Feuerwerken, die die ganze Nacht über dauern. Und weil die Isländer im Sommer sowieso kaum schlafen, bleiben alle Galerien, Restaurants, Bars und Cafés bis in die frühen Morgenstunden geöffnet - schließlich muss ja gefeiert werden.
Weitere Informationen: Reykjavík auf einen Blick
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