Savoy-Hotel in London: Very british - DER SPIEGEL
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Savoy-Hotel in London Very british

Sehr englisch geht es zu im Londoner Savoy-Hotel. Wer sich an die Kleiderordnung hält, darf auch mit Krokodil anreisen. Die Queen gehört bei so viel Exzentrik noch zu den einfacheren Gästen.
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Die Königin sei mit einem guten Stück Roastbeef oder Räucherlachs völlig zufrieden, sagt Anton Edelmann, Maitre Chef des Cuisines im Savoy. Edelmann ist gebürtiger Bayer aus Günzburg. Seit fast zwei Jahrzehnten versucht er als Herr über die 80 Köche des Luxushotels, mit den falschen Vorstellungen von englischer und deutscher Küche aufzuräumen.

Bedauerlich findet Anton Edelmann allerdings, dass er nur selten Landsleute im edlen "Savoy Grill" oder im "River Restaurant" mit Blick über die Themse begrüßen kann. "Die Deutschen sind geizig, das sind Sparer", sagt der Küchenchef. "Die kommen nicht ins Savoy, die nehmen lieber Bed & Breakfast."

Wer sparsam ist, hat im Savoy in der Tat nichts verloren. Eine Nacht kostet im günstigsten Fall und im billigsten Zimmer immer noch mehr als 300 Euro. Und dann hat man noch nicht mal den spektakulären Blick über den Fluss, von den Parlamentsgebäuden bis zur St.-Pauls-Kathedrale. Für dieses Panorama mietete sich einst Claude Monet im obersten Stock ein und malte die Brücken von London. Charlie Chaplin zeigte seiner Frau vom Savoy aus die damaligen Slums am gegenüber liegenden Südufer, in denen er geboren war und die er nie wieder betreten wollte.

Die Zimmer im Savoy sind gediegen eingerichtet, aber mit britischem Understatement. Wer hier residiert - denn man übernachtet hier nicht, man residiert - der hat Protzerei nicht nötig. Und er schätzt es, in der Gewissheit schlafen zu gehen, dass er jederzeit nach einer Unze Beluga-Kaviar verlangen könnte. Außerdem weiß er, dass er in diesem Haus - wie einst Elton John - sein Bad überlaufen lassen und eine Überschwemmung anrichten kann, ohne dass er beim Personal auch nur den leisesten Anflug von Verärgerung bemerken wird.

Wenn man als Normalsterblicher das Savoy kennen lernen will, dann sollte man dort den Afternoon Tea einnehmen. Das kostet 22 Pfund (35,45 Euro), so viel wie ein Abendessen in einem beliebigen Londoner Restaurant, das man wahrscheinlich nach dem letzten Bissen vergessen hat. Die Tea Time im Thames Foyer des Savoy mit Butler, Klaviermusik und Rosinenbrötchen dagegen vergisst man nie mehr. Patricia Rose Cress schrieb darüber in ihrem Standardwerk "That Tea Book": "Es ist eine nahezu perfekte Kulisse, um die Welt beim Stelldichein zu beobachten."

Das war schon immer so. Hier hatte der Schriftsteller Oscar Wilde seinen ersten lautstarken Streit mit Lord Queensbury, dem Vater seines jugendlichen Liebhabers, der ihn später ins Zuchthaus bringen sollte. Hier brach Queen Mum mit der Hofetikette, indem sie spontan aufstand und applaudierte, als Maria Callas hereinkam. Der österreichische Opernsänger Richard Tauber unterschrieb auf der Rückseite einer Speisekarte seinen ersten englischen Vertrag. Sir Laurence Olivier und Vivienne Leigh blickten sich hier zum ersten Mal tief in die Augen.

Das Savoy ist vielleicht das englischste aller Hotels. Natürlich ist es alt, wie alles typisch Englische. Als es am 6. August 1889 eröffnet wurde, erregten vor allem seine "steigenden Salons" - die Aufzüge - und seine 67 Badezimmer großes Aufsehen. Ob man etwa amphibische Gäste erwarte, fragte ein Spötter. Englisch sind auch die vielen exzentrischen Traditionen, deren Ursprung sich nur selten so eindeutig zurückverfolgen lässt wie der eines gewissen Katers Kaspar.

Kaspars Vorgeschichte begann 1898, als der südafrikanische Geschäftsmann Joel Wolff im Savoy eine Dinnerparty mit 13 Gästen gab. Man warnte ihn vor der Unglückszahl, doch Wolff tat dies als Aberglauben ab. Ein paar Wochen später wurde er in seinem Büro in Johannesburg erschossen. Seitdem gibt es im Savoy keine Gesellschaften von 13 Personen mehr. Als 14. sitzt in solchen Fällen immer der Art Deco-Kater Kaspar mit einem eigenem Gedeck am Tisch.

Warum aber der Savoy Court vor dem Haupteingang die einzige Straße Englands mit Rechtsverkehr ist, dazu gibt es die unterschiedlichsten Theorien - und keine kann überzeugen. Es ist eben so.

Auch das Savoy muss mit der Zeit gehen. Bis vor ein paar Jahren war das Hotel stolz darauf, den Gästen im August die ersten beiden schottischen Moorhühner der Saison auftischen zu können, geliefert von einem livriertem Pagen auf einem Hochrad. Jetzt wird kein Aufheben mehr davon gemacht, denn viele Gäste sind gegen die Jagd. Aber noch immer muss man zum Afternoon Tea mit Jackett und Krawatte erscheinen.

Das Savoy hat schon Bob Dylan, Minirock-Model Twiggy und Geraldine Chaplin weggeschickt, weil sie die Kleiderordnung missachteten. Ein Krokodil als Begleiter ist dagegen kein Grund, um des Hauses verwiesen zu werden; die Opernsängerin Luisa Tetrazzini durfte ihres mitbringen. Aber die war ja auch korrekt gekleidet.