Schottland: Moorhühner im Dauerregen - DER SPIEGEL
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Schottland Moorhühner im Dauerregen

Raue Landschaften, zottelige Schafe und finstere Wälder: Vor allem bei Wanderern und Radfahrern lassen die schottischen Highlands Hochgefühle aufkommen.
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Inverness - Kaum eine halbe Autostunde hinter Inverness  funktioniert das Handy nicht mehr. Kein Netzempfang, keine Verbindung.

Warum auch? Um einen herum nichts als kauende Schafe, und die brauchen im Allgemeinen kein Mobiltelefon. Wer sich das erste Mal in die Highlands von Schottland  vorwagt, wundert sich, wie menschenleer es in Europa noch sein kann.

Burgen, raue Männer in Kilts, viel Natur, viel Einsamkeit und viel Regen - das sind die vorherrschenden Klischees, die Deutsche mit dem schottischen Hochland verbinden. Und sie treffen weitgehend zu. "Nach einer Woche Dauerregen", hatte Helen, die Fremdenführerin, vor der Abfahrt gewarnt, "beginnt man, mit den Schafen zu reden. Nach einer weiteren Woche Regen antworten die Schafe auch."

Aber so weit muss es nicht kommen. Selbst bei widrigem Wetter ist das Hochland faszinierend. Zeigt sich die Sonne, ist es ein Paradies. Nördlich des 38.000 Einwohner zählenden Inverness, der "Hauptstadt der Highlands", beginnt eine Landschaft, die in vielen Sagen und Geschichten romantisiert worden ist: schroffe Küsten, schneebedeckte Berge, finstere Wälder und überall Seen mit kaltem, klarem Wasser.

Rund 80 Kilometer von Inverness entfernt liegt idyllisch am Nordufer des Loch Broom der kleine Ort Ullapool. Viel los ist zwischen den weiß verputzten Häuschen nicht. Immerhin gibt es ein Museum an der Argyll Street, das für 50 Pence Eintritt (umgerechnet rund 1,50 Mark) den Touristen die Geschichte des 1788 gegründeten Fischerdorfes erzählt.

Von hier aus starten aber auch die Fähren zur Insel Lewis vor der Westküste Schottlands. Und von hier aus lassen sich Tagestouren in die Umgebung - zu Fuß oder auf dem Mountainbike - unternehmen.

Andrew Bluefield ist einer der ortsansässigen Wanderführer. Seit 14 Jahren bietet er mit seiner kleinen Firma North-West Frontiers  Exkursionen in die Highlands und auf die Inseln an. "Es gibt immer mehr Menschen aus den großen Städten in Europa, die zur Entspannung und zum Wandern in die Highlands kommen", sagt Bluefield.

Geführte Touren haben den Vorteil, dass die ortskundigen Guides viel über Geologie, Flora und Fauna der Highlands berichten können: über Rotwild und Robben, Goldadler und zottelige Highland Cattles. Urlauber können aber auch gut allein losziehen. Vor allem entlang der Küste gibt es zahlreiche ausgeschilderte Wanderwege.

"Wer abseits der markierten Pfade unterwegs sein will, sollte sich am Ausgangsort informieren, ob es Beschränkungen für Wanderer gibt", rät Richard Lindsay, der in Ullapool ein kleines Hostel speziell für Aktivurlauber  führt.

Eine schlechte Idee könnte es zum Beispiel sein, während der Moorhuhn-Jagdsaison von Mitte August bis Mitte Dezember durch die freie Wildbahn zu marschieren. In Naturschutzgebieten dürfen die Wege nicht verlassen werden.

Unmittelbar am Stadtrand von Ullapool erheben sich zahlreiche Hügel und Berge, die sich in Halb-, Ganz- oder Mehrtagestouren erklimmen lassen. Die schottischen Berge, viele gerade einmal 1000 Meter hoch, wirken kaum wie eine Herausforderung. Unterschätzen sollte sie aber niemand. Das schnell wechselnde Wetter nötigt selbst erfahrenen Bergsteigern Respekt ab. Feste Wanderstiefel, wasserfeste Kleidung, ein warmer Pullover, Karte und Kompass sollten auf keinen Fall fehlen.

In Schottland wurde in den vergangenen Jahren Einiges getan, um das Erleben der Natur einfacher zu machen: Tourist Information Centres in vielen Orten geben Tipps zu Wanderung. Rot-blaue Schilder mit dem Schriftzug "Welcome Walkers" weisen auf Unterkünfte hin, die neben einem besonders frühen Frühstück und spätem Abendessen auch Trockenräume für nasse Kleidung und täglich Wetterberichte bereithalten.

Dasselbe gibt es in einer grün-blauen Version mit dem Schriftzug "Welcome Cyclists" für Radler. Neben dem Wandern ist Rad fahren eine der besten Möglichkeiten, sich die Weite der Highlands zu erschließen. Hoch im Norden wird das Straßennetz allerdings sehr dünn und ist auch nicht immer im besten Zustand.

Wer das eigene Rad nicht mitbringen will, kann sich an mehr als 200 Leihstationen in ganz Schottland eines mieten. Die Gebühr liegt in der Regel zwischen 15 und 60 Mark am Tag - mit deutlichen Preisnachlässen für mehrtägige Arrangements.

Informationen:

British Tourist Authority , Westendstraße 16-22, 60325 Frankfurt/Main, Tel.: 069/97 11 23, Fax: 069/97 11 24 44
Scottish Tourist Board , Central Information Department, 23 Ravelston Terrace, Edinburgh EH4 3EU, Tel. 0044/131/332 24 33, Fax: 0044/131/315 45 45

Frank Rumpf

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