Schweiz: Romantische Winterreise - DER SPIEGEL
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Schweiz Romantische Winterreise

Die Schweiz lässt sich in den kalten Monaten auch ohne Skier und Snowboard genießen - zum Beispiel auf einer Rundreise durch romantische Hotels. Da bleibt viel Zeit für Müßiggang und Musik.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein guter Ausgangspunkt für eine solche Reise ist Luzern. In der Dämmerung, wenn Tausende Lichter erstrahlen, macht die Stadt am Vierwaldstättersee ihrem Namen alle Ehre: Luzern heißt so viel wie "Leuchtenstadt". Unter lautem Hufgeklapper geht es mit der Kutsche am Ufer des Sees entlang. Ein fast einhundert Jahre alter Raddampfer schaufelt sich durch die Wellen. Am Ende des Sees bietet sich von der hölzernen Kapellbrücke aus ein schöner Blick auf die Altstadt mit ihren Türmen, Stadtmauern, Brücken und historischen Gebäuden.

Ein Bummel führt in die Gassen der festlich geschmückten Altstadt. Es geht vorbei an festlich beleuchteten und mit Fresken verzierten Patrizierhäusern. Die Kutsche hält an mehreren Plätzen, unter anderem am historischen Weinmarkt, der sich jeden Dezember in einen Weihnachtsmarkt verwandelt. Die Konzerte mit geistlicher Musik in der barocken Jesuitenkirche St. Franz Xaver ein paar Schritte weiter sind sehr gut besucht.

Zum Abschluss der Luzern-Rundfahrt ein Besuch im Chateau Gütsch: Mit seinen sechs Türmen erhebt sich das Schloss wie ein Schweizer Neuschwanstein über die Stadt. Hinauf kommen die Besucher mit einer Drahtseilbahn aus dem Jahr 1884. Von der Terrasse des Hotels aus bietet sich ein schöner Blick auf die Stadt und den See.

Übernachtet wird überall entlang der Route in historischem Ambiente, und in manchem traditionsreichen Hotel - wie etwa auf Schloss Gütsch - erzählt man sich in der besinnlichen Zeit dann gern Anekdoten und Gespenstergeschichten.

In Meiringen nahe des Brienzersees, der nächsten Station der Reise, steht das historische Parkhotel du Sauvage. Dort logierte einst der geistige Vater von Sherlock Holmes, Sir Arthur Conan Doyle. Das Hotel diente ihm seinerzeit als Kulisse für den Roman "The Final Problem". Heute können Krimifreunde sich einem schaurigen Nervenkitzel hingeben. An einem "Mystery-Weekend" gilt es, einen fiktiven Mordfall zu lösen. Die Gäste schlüpfen in verschiedene Rollen und spielen Detektive, Zeugen oder Mörder.

Vom Brienzersee aus ist es ein Katzensprung zum Thuner See. Beide Gewässer gehören zum Berner Oberland. Interlaken liegt genau dazwischen, am Fuße der Berge Eiger, Mönch und Jungfrau. Von Interlaken bietet sich ein Ausflug in die Gletscherwelt des Schweizer Hochgebirges an. Der restaurierte "Eiger-Ambassador-Express" aus dem Jahr 1912 kämpft sich 2887 Höhenmeter bis zum berühmten Jungfraujoch hinauf. Die Nostalgie-Rundfahrt führt durch die berüchtigte Eiger-Nordwand bis zum unterirdischen Gipfelbahnhof. Mit 3454 Meter über dem Meeresspiegel ist er die höchstgelegene Bahnstation Europas.

Interlaken ist ein Kurort mit langer Tradition: Die meisten Hotels entstanden in der Zeit zwischen 1880 und 1910, als auch die erste Bahnverbindung gebaut wurde. Eines der ältesten Häuser ist das Hotel Victoria-Jungfrau. In der eleganten Victoria-Bar erklingt Harfenmusik, dazu wird der "Real English Afternoon Tea" serviert. Kein Wunder, waren es doch die Engländer, die einst Interlaken als Urlaubsort für sich und die Welt entdeckten.

Zu den Gästen im 19. Jahrhundert zählten unter anderem der Kaiser von Brasilien und der Schriftsteller Mark Twain. Sie alle feierten schon im größten Festsaal des Hauses, unter den neobarocken Deckenfresken und riesigen Lüstern. Dieser "Salle de Versailles" ist inzwischen denkmalgeschützt. Was die Gäste von gestern allerdings noch nicht nutzen konnten, ist ein großer Wellness- und Spa-Bereich.

Auch den Panorama-Express gab es im 19. Jahrhundert noch nicht, der heute Interlaken mit Gstaad verbindet. Die Bahnfahrt führt zunächst am Thuner See entlang. Von 568 Meter über dem Meeresspiegel geht es hoch auf 1050 Meter. Gstaad mit seinen holzverkleideten Chalets strahlt Ruhe aus. Ein Gesetz schreibt diesen Baustil vor. Vor wenigen Jahren wurde die Hauptstraße in eine Fußgängerzone umgewandelt, und in der Weihnachtszeit wird diese Flaniermeile aufwendig geschmückt. Zur Hauptgeschäftszeit gilt dort denn auch das Motto: "Sehen und gesehen werden".

Die Winterreise neigt sich ihrem Ende zu. Die letzte Etappe ist wiederum ein Stück Zeitreise. Am Bahnhof von Gstaad hält der Belle-Epoque-Zug. Eineinhalb Stunden dauert die Fahrt von den Berner Alpen bis zu den Ufern des Genfer Sees in den originalgetreu restaurierten Waggons. Die Atmosphäre in den historischen Wagen erinnert an Agatha Christies berühmten "Orient-Express".

Das elegante Montreux am Genfer See ist die letzte Station der Reise. Lockt im Sommer das weltberühmte Jazzfest viele Gäste in die Stadt, so ist es im Winter der Weihnachtsmarkt. Er gilt vielen Besuchern als einer der schönsten Christkindlmärkte in ganz Europa. In mehr als 100 kleinen, weihnachtlich dekorierte Chalets gibt es alles rund um das heilige Fest zu kaufen: Geschenke, Weihnachtsdekoration und natürlich typisch Schweizer Kunsthandwerk. Die Krippenbauer lassen sich bei ihrer Arbeit zusehen. In der Markthalle, dem Marché Couvert, sorgt eine Gospel-Band für vorweihnachtliche Stimmung. Und wenn es dunkel wird, Lichter glitzern und es auf der Uferpromenade nach Glühwein duftet, kann Weihnachten nicht mehr weit sein.