Sevilla Schutz vor der sengenden Sonne
Sevilla - Es ist sehr heiß im Sommer in Sevilla. Planen schotten die hohen engen Gassen gegen die Sonne ab. Selbst die Kutschpferde tragen Hüte. Kühlung bringen nur die arabischen Gärten und die Wasserspiele des königlichen Festungspalastes Alcázar und die hohen Mauern der drittgrößten Kirche der Welt, der gotischen Catedral de Santa Maria de la Sede.
Wenn das Thermometer in der andalusischen Stadt in den heißen Monaten Juli und August 40 Grad Celsius und mehr anzeigt, ist es in der Umgebung mit fünf Grad weniger noch erträglich. Dann flüchten die Sevillaner in die Sierra del Norte, eine grün bewaldete, hügelige Landschaft. Mit ihrer roten Erde, die später braunem und schwarzem Erdreich sowie hellem Sandboden weicht, mit den kugelrunden Pinien und den geschälten Korkeichen bietet sie dem Auge viel Abwechslung.
Wie in ganz Andalusien sind weiße Dörfer Blickpunkte - das größte ist schon ein Städtchen: Cazzella de la Sierra. 104 Dörfer zählt die Provinz Andalusien, ihre Fläche beträgt 14.000 Quadratkilometer. Typisch sind die riesigen Landgüter, Cortijos genannt. Seit kurzem öffnen sie ihre Häuser Touristen. Zwar bewirtschaften die Landwirte weiter ihre Ländereien, vorwiegend betreiben sie Viehzucht, sie haben jedoch fürstliche Unterkünfte geschaffen.
Unter Denkmalschutz steht das Landgut "Torre de la Reina". Es liegt nur wenige Kilometer von Sevilla entfernt, bei Guillena. In der Burg logierte König Ferdinand III. (1199-1252) während der Rückeroberung Sevillas von den Mauren.
Wer die Provinz bereist, sollte nicht versäumen, einen der ältesten Weinkeller Spaniens zu besuchen, die "Bodegas Góngora". Sie besteht seit 1682. Aus der von den Römern stammenden Rebsorte Garrido fino wird ein süffiger Sherry gekeltert. Allerdings geschieht dies nicht mehr mit der 500 Jahre alten hölzernen Weinpresse, obwohl sie noch funktionstüchtig ist. Diese kommt nur noch einmal im Jahr, am dritten Wochenende im September, während eines privaten Festes zum Einsatz.
Bei Gerena liegt der malerische Cortijo "El Esparragal", der gerade einen Abenteuer-Parcours für Gäste anlegt. In Sanlúcar la Mayor verwandelte man die Oliven-Hazienda aus dem zehnten Jahrhundert in das exklusive Hotel "Benazuza", die Böden wie in alter Zeit mit steinernem Fischgrätenmuster. Die Übernachtung in der nobelsten der 18 Suiten kostet 2000 Mark.
Der Cortijo "Las Navezuelas" war im 16. Jahrhundert eine Ölmühle. Nun profitieren Gäste vom heimeligen Ambiente und der Küche mit selbst erzeugten Produkten.
Sogar die Gewölbe eines Kartäuserklosters wurden zum Hotel, zur "Hospederia La Cartuja". Die rustikale Patronin Carmen Ladrón de Guevara, die auch das Kloster restauriert, verlangt pro Woche mit Frühstück rund 60.000 Peseten, etwa 720 Mark - gregorianische Gesänge vom Band inklusive. "Wo das Vieh unter Oliven und Korkbäumen weidet, ist Stille garantiert. Leben Sie ein paar Tage in der Abgeschiedenheit des Klosters", rät Senora Carmen. "Trubel finden Sie in Sevilla genug."
Doch trotz großstädtischer Hektik sollte ein Besuch in der Provinz-Hauptstadt nicht fehlen. Denn die Stadt, in der Regierung und Parlament der autonomen Region Andalusien ihren Sitz haben, ist kaum an Schönheit zu übertreffen. Wohin man blickt, Paläste jeder Größenordnung mit ausladenden Fassaden, romantischen Innenhöfen oder Säulengängen und Türme - allen voran die Giralda, das ehemalige Minarett einer Moschee. Dem Gebäude wurde ein Glockenturm aufgesetzt, seither ist es Wahrzeichen der Stadt.
In Sevilla laden die Prachtstraßen ebenso zum Flanieren ein wie die schmalen Gassen des ehemaligen Judenviertels Santa Cruz. Durch kunstvoll geschmiedete schwarze Fenster- und Balkongitter leuchten kontrastreich rote Geranien an kalkweißen Fassaden.
Wer mag, futtert sich nach dem Stadtbummel durch die Tapa-Bars mit all ihren Häppchen-Köstlichkeiten wie Shrimps in heißem Knoblauchöl, Boquerónes, eine Art sauer eingelegte Anchovis, Tortillas oder "Croquetas" mit Hühnchen oder Fisch gefüllt. Wer sich traut, probiert auch winzige frittierte Fische, die wie Spätzle mit Augen aussehen.
Ob man einen Stierkampf, eine Corrida, besucht, ist Ansichtssache. Pflicht aber ist der Besuch einer Flamenco-Show in der Altstadt. In diesem kunstvollen Tanz, unterstützt durch das rhythmische Klatschen, den Gesang und das Gitarrespiel der Interpreten, offenbart sich das wahre Temperament der Andalusier.
Elke Backert, gms
Information: Spanisches Fremdenverkehrsamt (Telefon: 069/72 50 33)