Berlin-Tipps: Städtetour mit Smartphone
Mit Smartphone durch Berlin Partytipps vom weißen Kaninchen
Nur, weil sie dem weißen Kaninchen folgt, landet Alice im Wunderland. Das Mädchen läuft dem Tier nach in ein Erdloch - und erlebt dort Dinge, auf die sie ohne das Kaninchen nicht gestoßen wäre. Ähnlich funktioniert ein SMS-Reiseführer, den zwei Berliner ins Leben gerufen haben: In Anlehnung an die Alice-Geschichte nennt der sich White Rabbit - und gibt Touristen Tipps, die im klassischen Reiseführer eher nicht zu finden sind. Eine neue Blüte des Trends rund um den individuellen Urlaub.
"Wir dachten, es wäre besser, sich einfach mit einem wirklichen Insider kurzzuschließen, als einen möglicherweise veralteten Reiseführer zu kaufen", sagt Mitgründer Luke Atcheson, der selbst schon herkömmliche Touri-Bibeln verfasst hat. Der 29-Jährige kommt aus Irland, wohnt aber seit mehreren Jahren in der Hauptstadt.
Das Prinzip von White Rabbit ist schnell erklärt: Touristen fragen den 29-Jährigen und seinen Mitstreiter per SMS nach Tipps - und bekommen dann Vorschläge. Der Service ist kostenlos, um eine Spende wird allerdings gebeten. Die Nummer teilen sich Atcheson und sein Mitstreiter Jan Tewes Thede: +49 157 80231912
Reisetipps für Hipster und Verliebte
"Wir haben ungefähr 50 Anfragen pro Tag", sagt er. Am Wochenende seien es mehr. "Wir bekommen überraschend viele Anfragen zu Konzerten und Orten für ungewöhnliche Dates", sagt der 29-Jährige. Sogar nach einem guten Platz für einen Heiratsantrag habe jemand gesucht. Auch Illegales ist dabei: "Wir werden regelmäßig gefragt, wo Drogen zu bekommen sind." Bei einigen Fragen können manchmal selbst die Insider nicht helfen: "Wenn wir kein tolles Fischrestaurant in Reinickendorf kennen, dann sagen wir das auch."
Dass Menschen im Urlaub mehr wollen als ein Hotelzimmer und ein Foto vor einem Wahrzeichen, beobachten auch andere: "Die Standards sind out", sagt ein Sprecher vom Tourismusportal VisitBerlin. "Die Leute wollen ein authentisches Erlebnis." Inzwischen seien viele schon mehrmals in Städten wie Berlin gewesen. Sie suchten beim nächsten Besuch etwas, das sie nicht bereits gesehen hätten.
Seine SMS-Tipps beschreibt Atcheson als schneller, individueller und deutlich aktueller als die Hinweise im gedruckten Reiseführer. Er glaubt, dass traditionelle City Guides vom Aussterben bedroht sind. "Services wie White Rabbit sind gefragt", sagt der Ire. Viele Touristen wollten echte Erlebnisse statt Postkartenansichten. Atcheson beschreibt das Phänomen als "Post-Tourismus" oder "Hipster-Tourismus".
Touristenströme in die Breite lenken
Diesen Trend machen sich auch klassische Tourismusbehörden zunutze: VisitBerlin hat eine eigene App mit Insider-Tipps entwickelt . "Die Idee ist, den Leuten einen Service abseits der touristischen Pfade zu bieten", sagt der Sprecher. Statt Reichstag oder Brandenburger Tor finden Besucher dort einen Waldhochseilgarten oder Tipps für eine Paddeltour. "Das machen wir auch, weil wir versuchen, die Touristenströme in die Breite zu lenken."
Den Reiseführer gibt man dort aber noch nicht verloren. "Das ergänzt sich ganz wunderbar", sagt der Sprecher. Zudem gebe es auch Bücher, die auf Nischen spezialisiert seien.
Und was ist nun der heißeste Insider-Tipp für die Hauptstadt? "Das hängt davon ab, worauf man Lust hat", sagt Atcheson. Angesagt seien etwa Partys, die nur über Mundpropaganda bekannt gemacht würden - und nicht über Facebook oder andere Kanäle. "Um davon zu erfahren, muss man dem weißen Hasen folgen."
Oder man vernetzt sich über ähnliche Services im Internet. Auch auf der Seite "Spotted by Locals" (auf Deutsch: Entdeckt von Einheimischen) empfehlen Ortskundige Ecken, die nicht im Reiseführer stehen. Vielerorts übernehmen sogenannte Greeter (Begrüßer) inzwischen den Job von Stadtführern. Das sind Freiwillige, die ihr Wissen über ihre Stadt mit Besuchern teilen wollen. Über Seiten wie AirBnB oder Wimdu können Reisende Privatunterkünfte buchen - die Gastgeber haben oft auch noch originelle Tipps für den etwas anderen Stadtrundgang parat.