Transatlantikliner in Hamburg: Abschied von Mary - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Transatlantikliner in Hamburg Abschied von Mary

Nach einem abgezirkelten Wendemanöver verließ die "Queen Mary 2" am Morgen den Hamburger Hafen. Tausende von Fans standen an der Elbe, um einen letzten Blick auf die Königin der Meere zu werfen. Vielleicht kommt sie bald wieder, doch zunächst wird im nächsten Jahr die "Queen Elizabeth 2" in Hamburg festmachen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Königin geht - und alle sind glücklich: Kapitän Ronald Warwick, der vom Empfang in Hamburg überwältigt war: "So viele Menschen habe ich nicht erwartet, das habe ich in meinem Leben als Kapitän noch nicht erlebt", die britische Cunard-Reederei, die nach Hin und Her ein Wiederkehren der "Queen Mary 2" für 2006 in Aussicht stellte, die Hamburg-Tourismus-Vertreter, die sich über den vollen Erfolg des Besuchs als Touristenattraktion freute und über die zahlungskräftigen Amerikaner in der Stadt - und vor allem die Hamburger.

Am Dienstagmorgen legte das Schiff der Superlative mit einem filigranen Wendemanöver vom Grasbrook-Terminal in der Hafencity wieder ab. Wegen seiner Länge von 345 Metern musste es dabei in ein Seitenbecken des Hafens einscheren. Schlepper begleiteten die "QM 2", doch der Hightech-Liner hatte Hilfe nicht nötig. Mit der Flut verließ er die Hansestadt Richtung Rotterdam. Nach einem kurzen Zwischenstopp soll es weiter nach Southampton gehen. Mehrere tausend Schiffsfreunde standen schon am frühen Dienstagmorgen an der Elbe, um den Giganten aus Stahl noch ein letztes Mal zu sehen. Viele winkten den noch verschlafenen Gästen an Bord zu. 24 Stunden lang hatte das größte und teuerste Passagierschiff der Welt, die "Queen Mary 2", in der Hafencity vor Anker gelegen.

Fotostrecke

Queen Mary 2: Eine Königin zeigt sich

Foto: SPIEGEL ONLINE

Am frühen Montagmorgen war der Luxusliner begeistert begrüßt worden. Das erste Blitzlichtgewitter empfing ihn bereits bei Cuxhaven gegen Mitternacht. Kapitän Wright sagte: "Da habe ich mich entschlossen, die Passagiere mit dem Schiffshorn aus dem Schlaf zu wecken." In Hamburg beobachteten die Menschen an Land von Uferwegen, Terrassenlokalen und Anleger-Pontons, wie der 870 Millionen Euro teure Atlantik-Liner aus dem morgendlichen Nebel auftauchte. Viele Schaulustige begleiteten das Schiff per Fahrrad auf dem Elbuferweg.

Allein am Kai warteten nach Polizeiangaben 10.000 Neugierige auf die Ankunft der "QM 2", die von einem großen Polizeiangebot vor möglichen Terroranschlägen geschützt wurde. Insgesamt hatten 50.000 Menschen an den Ufern der Elbe und auf Barkassen das Einlaufen beobachtet, bei strahlendem Sonnenschein strömten weitere 250.000 nach Polizeiangaben über den Tag verteilt zum Fest in der Hafencity, um das Schiff aus der Nähe zu bestaunen. Eine Besichtigung war allerdings nicht möglich, Fußgänger und Radfahrer durften nur bis zu 30 Meter an das Schiff heran. Am Abend wurde ein Feuerwerk zu Ehren des Luxusliners und der Gäste im Hafen abgebrannt, zu dem 50.000 Schaulustige anreisten.

Fotostrecke

"Queen Mary 2": Kunstwerk mit Tiefgang

Foto: AP

Zurzeit ist das Schiff ausgebucht. An Bord befinden sich ein Drittel Amerikaner und ein weiteres Drittel Briten, der Rest ist den Angaben zufolge bunt gemischt. Die günstigste Überfahrt von Southampton nach New York in einer Innenkabine ist nach Cunard-Angaben für 1710 Euro zu haben. Die rund 2620 Passagiere verbrachten den Tag in Hamburg oder bei Ausflügen, 700 von ihnen, hauptsächlich Amerikaner, nutzten die Gelegenheit und fuhren für einen Tag nach Berlin.

"Höchstwahrscheinlich wird die Queen Mary 2 bald wieder in die Hansestadt kommen", allerdings nur zu einem Werft-Besuch, sagte der Sprecher der Tourismus GmbH, Guido Neumann. Das Schiff solle im Dezember überholt werden. Ein Dock für den 345 Meter langen Ozeanriesen gebe es in Europa nur bei Blohm + Voss im Hamburger Hafen. Erst für 2006 kündigte Cunard einen Besuch der "Queen Mary 2" in Hamburg auf einer Kreuzfahrt an. Statt ihrem neuen Flaggschiff schickt die britische Reederei jedoch im kommenden Jahr die "Queen Elizabeth 2" nach Hamburg - und zwar gleich zweimal: am 30. Mai und 8. Juli.