Trier: Die Römer sind unter uns - DER SPIEGEL
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Trier Die Römer sind unter uns

Zwar sind viele der römischen Monumente in Trier von der Unesco mit einem Eintrag in die Liste des Weltkulturerbes geehrt worden, die Stadt hat jedoch noch kein besucherfreundliches Leitsystem für seine Schätze anzubieten. Dafür feiert sie seit neuestem das Römerfest "Brot und Spiele" in den Katakomben der Kaiserthermen.
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Trier - Überall, wo in Deutschlands ältester Stadt Trier gegraben wird, offenbart sich römisches Erbe. Keine andere Stadt in Deutschland hat so viele Monumente der Römerzeit vorzuweisen - knapp 20 von ihnen sind noch sichtbar. Die meisten nahm die Unesco 1986 in die Liste des Weltkulturerbes auf. Dazu gehören die riesige Basilika, Thronsaal Kaiser Konstantins und anderer Kaiser des 4. Jahrhunderts, sowie die Römerbrücke und die erste deutsche Bischofskirche. Mit einem Alter von rund 1700 Jahren gilt sie als das früheste kirchliche Zeugnis des Christentums nördlich der Alpen.

Zahlreiche Ruinen, darunter Säulen und Heizungsanlagen aus dem dritten und vierten Jahrhundert sind in einem Informationszentrum am Dom zu sehen: "Diese Funde deuten darauf hin, dass hier in Form einer Hauskirche der erste kirchenähnliche Versammlungsraum lag", sagt der Leiter des Bischöflichen Diözesanmuseums, Winfried Weber. Nirgendwo sonst auf der Welt seien solche - teils noch original erhaltenen, teils nachgemalten - Fresken zu sehen.

Rund eine Million Besucher kommen jährlich in den Dom, Zehntausende allein zur Zeit der Heilig-Rock-Tage. Der Heilige Rock gilt als das wichtigste Heiligtum des Doms. Kaiserin Helena soll das Gewand im Jahr 327 auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem entdeckt und der Trierer Kirche geschenkt haben.

Bisher existieren die Teile des Unesco-Welterbes beinahe beziehungslos nebeneinander

Bescheidener fällt in Trier die Präsentation der Römerdenkmäler aus. Die Grabungsstätten müssten als Ausflugsziele attraktiver werden, sagt etwa die Archäologin und Direktorin des Rheinischen Landesmuseums, Margarethe König. Das "grabende Museum" ist auch Denkmalschutzbehörde. Hier werden ungezählte antike Zeugnisse konserviert und ausgestellt.

Unter den Exponaten befindet sich auch die Igeler Säule in einer originalgetreuen Nachbildung. Das Original des mit 23 Metern größten römischen Pfeilergrabmals nördlich der Alpen können Besucher im Nachbarort Igel bestaunen. Erinnern soll dieses Denkmal, das ebenfalls zum Welterbe gehört, an eine Tuchhändler-Familie des dritten Jahrhunderts.

Obwohl die antiken Überbleibsel in der Stadt selbst schon im 19. Jahrhundert restauriert wurden, gibt es bis heute kein klares Leitsystem mit Informationen für Besucher. "Wir arbeiten daran, dass Touristen noch mehr über die Bedeutung der jeweiligen Römerbauten Erfahren", sagt der Leiter der zuständigen Landesinstitution "Burgen, Schlösser, Altertümer", Thomas Metz. Bisher existierten die Teile des Weltkulturerbes beinahe beziehungslos nebeneinander.

Tatsächlich tut sich einiges beim Marketing: In den antiken Stätten gibt es die bundesweit beachteten Antikenfestspiele mit Oper, Konzerten und Theater. In diesem Jahr ging zum zweiten Mal das Römerfest "Brot und Spiele" mit Gladiatorenkämpfen und mystischen Nächten in den Katakomben der Kaiserthermen über die Bühne. Auch Triers Wahrzeichen, das schwarze römische Stadttor Porta Nigra, zeigt sich in einer neuen Ausleuchtung. Schwer habe es die Stadt aus touristischer Sicht jedenfalls nicht mit dem Markennamen Welterbe, so Tourismuschef Hans-Albert Becker. Bis zu vier Millionen Besucher pro Jahr verbringen mindestens einen Tag in der Moselmetropole.

Von Ulf Mauder, gms