Weihnachtsmärkte: Von Märchenwald bis Männer-Parking - DER SPIEGEL
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Weihnachtsmärkte Von Märchenwald bis Männer-Parking

Es riecht nach Lebkuchen und Glühwein, die Buden sind mit Tannenzweigen und Engeln geschmückt: Mit dieser altbewährten Formel erwarten Weihnachtsmärkte in Deutschland wieder Millionen Besucher. Diesen Winter geht es jedoch nicht immer traditionell zu.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg – Für viele ist im Dezember ein Bummel über den Weihnachtsmarkt ein Muss. Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) rechnet in diesem Jahr mit 160 Millionen Besuchern auf den insgesamt 2500 Märkten. Viele Städte versuchen, sich mit besonderen Angeboten aus der Masse hervorzuheben. Wer den Weihnachtsmarkt in einer entfernten Stadt besuchen möchte, sollte sich beeilen. In Dresden beispielsweise werden schon jetzt die Hotelbetten knapp.

"Für das erste und zweite Adventswochenende sind die Hotels so gut wie ausgebucht", sagt ein Sprecher der Stadt an der Elbe. Für den dritten und vierten Advent gebe es aber noch Betten. Der "Striezelmarkt" in Dresden, der am 29. November öffnet, gilt als der älteste Weihnachtsmarkt in Deutschland, es gibt ihn mindestens seit 1434. Ein Höhepunkt ist das Stollenfest, für den ein Riesenstollen vom Zwinger bis zum Striezelmarkt gezogen wird. Der Name stammt vom Vorboten des heutigen Christstollens. Im Mittelalter wurde das aus Teigzöpfen geflochtene Brot allerdings zunächst nur aus Mehl und Hefe hergestellt, später immerhin mit Butter verfeinert, bis es zum heutigen Stollen wurde.

Der - auch im Ausland - bekannteste deutsche Weihnachtsmarkt ist der DZT zufolge der Nürnberger Christkindlesmarkt ab dem 1. Dezember. Mehr als zwei Millionen Besucher kommen nach Veranstalterangaben jedes Jahr hierher und genießen den Duft von Lebkuchen und Zimt, essen Nürnberger Bratwürste, naschen gebrannte Mandeln oder trinken Glühwein. Auf der "Nürnberger Kinderweihnacht" drehen sich ein Dampfkarussell und ein Dampfriesenrad, und es fährt eine nostalgische Eisenbahn. Auf einem "Krippenweg" werden verschiedene Krippen gezeigt.

Einen Überblick über Weihnachtsmärkte in Deutschland bietet die DZT auf ihrer Internetseite.  Viele Städte bieten zu ihren Weihnachtsmärkten komplette Reisepakete mit Anreise und Übernachtungen an, darüber informieren die örtlichen Tourismusbüros. Knifflig könnte sich - angesichts der Vielzahl der Weihnachtsmärkte - die Wahl des Reiseziels gestalten. Denn nicht nur Dresden und Nürnberg bieten beschauliche Weihnachtsstimmung zum Fest.

  • Saarbrücken: Für Ungeduldige empfiehlt sich eine Reise ins Saarland, denn der Weihnachtsmarkt in Saarbrücken öffnet als einer der Ersten schon morgen seine Tore. Auf dem historischen St. Johann-Markt und in der Bahnhofstraße werden vom 23. November an, also mehr als eine Woche vor dem 1. Advent, die ersten Weihnachtsplätzchen verkauft und Glühwein ausgeschenkt.

  • Kassel: Der "Märchenweihnachtsmarkt" ab 27. November steht in diesem Jahr unter dem Motto "Hase und Igel". Eine 20 Meter und acht Stockwerke hohe Pyramide mit Märchenfiguren ist die Attraktion auf dem Markt, auch die Buden und Stände werden "märchenhaft" dekoriert.

  • Lübeck: Am gleichen Tag öffnet der ebenfalls im traditionell Brüder-Grimm-Stil gehaltene Lübecker Märchenwald. Über 20 handgefertigte Buden lassen die Geschichten von Dornröschen oder Hänsel und Gretel lebendig werden.

  • Rüdesheim am Rhein: Hier setzen die Veranstalter auf internationales Flair. In der Altstadt und entlang der bekannten Drosselgasse erwarteten die Gäste mehr als 120 Stände mit Angeboten aus zwölf Ländern, teilt die Stadtverwaltung mit. "Nationen aus aller Welt stellen ihre weihnachtlichen Sitten und Gebräuche vor", heißt es. Auf dem Marktplatz sei Europas größte Weihnachtskrippe mit lebensgroßen Figuren zu bewundern. Ab 27. November.

  • Dortmund: Die Ruhrgebietsstadt startet morgen in die Weihnachtssaison und wirbt einmal mehr mit einem besonders großen Christbaum. Er ist rund 45 Meter hoch, rund 13.000 Lichter sind nach Angaben der Stadt nötig, um ihn zu beleuchten. Allerdings werden für den imposanten Weihnachtsschmuck mehrere Bäume zusammengebunden.

  • Allgäu: Schweizer Raclette und gegrillten Lachs aus Finnland gibt es auf dem international ausgerichteten Weihnachtsmarkt in Isny ab dem 2. Dezember. Traditioneller geht es in Wangen zu - hier sorgen über 90 einheimische Handwerker und Aussteller für vorweihnachtliche Atmosphäre an den vier Samstagen im Advent. Am Nikolaustag ziehen die "Klosensänger" durch die engen Gassen des Dorfes.

  • Celle: Neben der "Deutschen Weihnachtsmann-Meisterschaft" und einer 23 Meter hohen Weihnachtspyramide ist eine besondere Attraktion das "Männer-Parking" für gestresste Shopping-Begleiter. Gegen Wertmarke können Frauen ihre Partner "abgeben", die dann mit Bier und Tischfußball bei Laune gehalten werden, bis die Liebste mit gut gefüllten Einkaufstaschen zurückkommt. Ab 30. November.

  • Würzburg: Besondere Attraktion für Kinder ist die historische Nikolaus-Straßenbahn, die am Wochenende zwischen Hauptbahnhof und Sanderau verkehrt. Der Weihnachtsmarkt bietet traditionelles Brauchtum und fränkische Spezilitäten. Ab 29. November.

  • Größere Städte wie Berlin, Hamburg oder München bieten ihren Gästen gleich eine Vielzahl von Weihnachtsmärkten. So kommt die Hauptstadt auf insgesamt mehr als 50 Märkte. "Vielfach kann man von einer Weihnachtsmarktlandschaft sprechen", sagt die DZT-Sprecherin.

    Im Süden Deutschlands gebe es eher mehr Weihnachtsmärkte als im Rest des Landes, heißt es bei der DZT. Doch auch in Flensburg im hohen Norden muss niemand auf Glühwein und Weihnachtsleckereien verzichten. Und Angst vor zu großer Kälte müsse auch niemand haben, versprechen die Organisatoren in der Stadt an der Küste: "Bei der steifen Brise im Winter hilft ein wärmender Grog."

    Sto/Stefan Waschatz, gms