WM-Service Berlin Alles blau an der Spree
Im Juli 2004 kam bei den Verantwortlichen langsam Nervosität auf. Der Sommer existierte nur auf dem Papier, ständig regnete es. Nur wenige Wochen vor der Eröffnung des runderneuerten Olympiastadions umzog eine graue Betonrunde das Spielfeld. Von einer Laufbahn keine Spur. Aber auf nassem Untergrund konnte sie unmöglich verlegt werden. Sonst hätte es hässliche Dellen gegeben. Es drohte eine Eröffnung mit unfertiger Bahn. Dann der rettende Einfall: Laubsauger. Na klar, Laubsauger. Zehn Mann machten sich an die Arbeit und befreiten den Innenraum des Olympiastadions vom Regenwasser. Danach war alles ganz einfach: Klebstoff auftragen, blaues Granulat hineinwerfen, trocknen lassen, noch eine Gummischicht auftragen. Fertig war die Laufbahn. Ohne Dellen und schön blau.
Schön? Ansichtsache. Überflüssiger und moderner Schnickschnack, der den ästhetischen Gesamteindruck des am Vorbild des Stadions von 1936 orientierten Umbaus störe, sagten die einen. Dadurch hebe sich Berlin wenigstens vom Einheitsbild der neuen Arenen ab, sagten die anderen. Und Hertha BSC war ohnehin zufrieden. Schließlich hatte Berlins einziger Bundesliga-Klub auf das farbliche Experiment gedrängt: Blaue Vereinsfarben, blaue Bahn, das passe doch hervorragend.
Wo sonst Fußball schauen?
Wer Bock auf das offizielle Fan-Fest hat, der muss zur Straße des 17. Juni. Hier wird gefeiert, bis dem Ball die Luft ausgeht. Auf mehreren 60 Quadratmeter großen Leinwänden werden die Spiele übertragen. Darüber hinaus gibt es Fan-Botschaften, die Möglichkeit, sich selbst sportlich zu betätigen, Internet-Cafés, Info-Centren und natürlich massig Anlaufpunkte, um sich fest und flüssig zu ernähren. Hunderttausende werden erwartet. Wem das nun wiederum eine Nummer zu wuselig ist, kann auch auf zahlreiche andere Orte ausweichen, wo Großbildwände aufgestellt sind: Zum Beispiel die Kindl-Bühne Wuhlheide (An der Wuhlheide 187) oder die Kulturbrauerei (Schönhauser Allee 36). Auch dort wird selbstverständlich all denjenigen ein buntes Programm geboten, die nicht nur wegen des rollenden Balls kommen.
Natürlich kommt auch die Kneipenfraktion in Berlin nicht zu kurz. Als Faustregel gilt hier: Wo Kneipe draufsteht, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mindestens ein Fernseher, wenn nicht eine Leinwand drin. Bei "Hanne am Zoo" (Joachimstaler Str. 1-3) treffen sich Fans seit über 25 Jahren. Okay, nicht ganz, denn die Fußball-Kneipe direkt am Zoologischen Garten hieß bis vor wenigen Jahren "Holst am Zoo" und gehörte dem früheren Hertha-Präsidenten Wolfgang Holst. Nun gehört sie dem früheren Hertha-Spieler Hans "Hanne" Weiner, der in den 70er Jahren das blau-weiße Trikot trug. Doch außer dem Namen hat sich nicht viel geändert. Nach wie vor ein Klassiker.
Überlebenstraining
Schwarzfahren ist nicht wirklich lässig: "Mich wird schon keiner kontrollieren" ist nämlich gerade in Berlin oft ein Trugschluss. Und wer erst einmal in den Fängen der Schwarzfahrer-Aufspürer ist, dem muss schon eine sehr gute Ausrede einfallen. Eine wirklich sehr gute. "Ich bin Tourist" ringt dem Berliner Kontrolleur nicht mal mehr ein müdes Lächeln ab. Ansonsten muss man die Berliner nehmen, wie sie sind. Immer ein bisschen mürrisch und genervt. Einfach nicht persönlich nehmen. Das gilt vor allem wieder für die BVG. Damit der Service zur WM besser wird, wurde allen Fahrern und Mitarbeitern Englischunterricht und Lächeln verordnet. Wenn man also mit der eigenen Mundart nicht weiter kommt, vielleicht einfach mal als ausländischer Tourist tarnen.
Zum Schluss noch ein kleiner Tipp für den schnellen Imbiss zwischendurch. "Berliner" heißen in Berlin natürlich anders. Unter Pfannkuchen bekommt man aber die gewünschte Köstlichkeit. Zudem immer dran denken: "Ohne Schrippen looft hier jarnüscht!"
WM-Quartier Berlin
Herthas Spielmacher Marcelinho denkt manchmal über Stürmer Marco Pantelic: "Du sagst: Gib ab! Ich sage: Vergiss es!" Das Lido in der Cuvrystraße 7 feiert demnächst unter einem ganz ähnlichen Motto: "You Say Party! We Say Die!" Das klingt ganz nach Partylöwenkongress, vielleicht ist Marcelinho höchst selbst ja auch anwesend. Oder Alex Alves im weißen Pelz. Oder Sie! Falco Götz jedenfalls nicht.
Adressen:
Fan-Fest, Straße des 17. Juni, 10623 Berlin
Kindl-Bühne Wuhlheid,: An der Wuhlheide 187, 12459 Berlin
Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin
"Hanne am Zoo", Joachimstaler Str. 1 3, 10623 Berlin
"Oscar Wilde", Friedrichstr. 112 a, 10117 Berlin
"Veritas", Krumme Str. 50, 10627 Berlin