WM-Service Kaiserslautern US-Basis mit Lockenwicklern
Ist Kaiserslautern schön? Rund um die Barbarossastadt gibt es sicherlich haufenweise kleine und große Städtchen, in denen sich ein Aufenthalt lohnt. So sei die Weinprobe in Neustadt an der Weinstraße genauso empfohlen wie Sightseeing im 40 Autominuten entfernten Heidelberg. Die Stadt Kaiserslautern selbst allerdings bietet dem an Amüsement interessierten Fußballfan nur wenig Aufregendes.
Beeindruckend ist jedenfalls die Hartnäckigkeit, mit der Stadt und Land die Region bewerben. Zur WM begrüßt die knapp 70 Jahre alte Seniorin Elsa im Rahmen einer groß angelegten Werbekampagne die Gäste aus fernen Ländern - "Wenn die Welt kommt, geh' ich hin", tönt das rüstige Original auf dem Plakat an der Bushaltestelle. Und macht sich mit Lippenstift und Lockenwicklern im schönen 60er-Jahre-Blümchenkleid bereit für das wohl größte Gastspiel, das Kaiserslautern je wird erlebt haben dürfen.
Es ist nicht so, dass Kaiserslautern nichts zu bieten hätte. Hier haben sie gespielt, der Walter Fritz und der Walter Ottmar und all die anderen Fußballgranden des Südwestens. Hier haben amerikanische Truppen nach dem Krieg das Stadtbild geprägt, als alles noch besser war und Deutschland geteilt. Liebevoll nannten die Amerikaner die Stadt K-Town, noch immer leben hier rund 50.000 US-Bürger und bilden so die größte amerikanische Militärbasis außerhalb der Vereinigten Staaten. Kaiserslautern, das Bagdad der Pfalz. Mitnichten. Man baute ein schönes Theater, ein hohes Rathaus, erfreute sich an Altstadt und der Natur rundum, die tatsächlich gerade im Sommer zu stundenlangen, wunderschönen Spaziergängen durch den Pfälzerwald einlädt.
Die Stadt präsentiert sich ausgesprochen weltoffen. Und stets feierte man den lokalen Fußballverein, den FCK. Bejubelte Titel, Tore und Triumphe auf dem ausverkauften Betzenberg, der seinem Namen alle Ehre macht und das Stadion erhaben über der Stadt thronen lässt. Naja. 268,5 Meter Höhe machen noch keinen Berg, aber einen ausgewachsenen Hügel muss jeder erklimmen, der in Lautern Fußball sehen will. Der Betzenberg, das Fritz-Walter-Stadion, ist eine Trutzburg, ein Mythos, eine Reminiszenz an vergangene glorreiche Zeiten. Eigentlich ein vortrefflicher Ort für packende WM-Spiele. Ein besonderes Geschenk nämlich hatte die Auslosung für K-Town auch noch parat: Am 17. Juni spielt Italien. Gegen die USA.
Wo sonst Fußball schauen?
In Kaiserslautern kennt jeder jeden, also wird auch zusammen Fußball geschaut. Eine Großbildleinwand ziert den Stiftsplatz, der eine direkte Anbindung zur Lauterer Fanmeile genießt. Von der Schneiderstraße über die Eisenbahnstraße werden Anhänger des Ballsports täglich mit Musik, Straßenkünstlern, Kleinkunstbühnen und Nahrung versorgt, an der Stiftskirche soll sogar ein kleines Weindorf entstehen. Am Ende des Fankilometers auf der Barbarossastraße sorgt eine große Leinwand dann wieder für Ballsportgenuss mit akustischer Nähe zum Betzenberg.
"Natürlich verfügen wir nicht über solch große Plätze wie Hamburg mit dem Heiligengeistfeld oder Stuttgart mit dem Schlossplatz. Trotzdem wird speziell am Stiftsplatz, mitten in der City, eine einmalige Atmosphäre entstehen." WM-Koordinator Erwin Saile will das durch umfassende Bewirtschaftung ermöglichen, das Fanmeilen-Catering sorgt sich täglich von 11 bis bis 24 Uhr um die kulinarischen Bedürfnisse seiner Gäste.
Wer dennoch gediegene Kneipenatmosphäre und Fußball gleichzeitig genießen will, kann in eine der zahlreichen Altstadtkneipen einkehren. Exemplarisch sei das Hannenfass (St. Martins-Platz 1-3) empfohlen, das mit 200 Sitzplätzen gute Fußballstimmung garantiert.
Überlebenstraining
Der Pfälzer an sich ist ein gastfreundlicher Mensch, aber wehe, man kommt ihm schräg. Dann beginnt er womöglich, auf Pfälzisch so mosern. Und wer es dann auch noch wagt, ihm in einer Imitation seines merkwürdigen Dialekts Kontra zu geben, der riskiert einiges. Also: Klappe halten, Schoppen trinken.
Schuhwerk, Schuhwerk, Schuhwerk. Das ist das Zauberwort. Der stramme Fußmarsch hinauf zum und hinab vom Betzenberg verlangt solide Wandertreter. Die Freundin also durchaus vorher darauf hinweisen, dass die Stöckelschuhe trotz der tollen Landesfarbenapplikationen besser im Schrank bleiben es sei denn, ihr wollt ihr so richtig eins auswischen... Und wenn ein Lauterer nach der eigenen Herkunft fragt, so kann man alles antworten: Hamburg, London, West-Samoa. Nur eine Stadt darf nicht genannt werden, denn dann droht Ungemach: Mainz. Die böse, kleine Stadt nebenan.
WM-Quartier Kaiserslautern
Wenn es das "Cameo" damals schon gegeben hätte, wären die Walter- Brüder und Horst Eckel nach so manchem Triumph hier anzutreffen gewesen. Denn der Club wartet mit einer bewundernswerten Speise- und Getränkekarte und - versteht sich von selbst - mit ebenso bewundernswerten Live-Gigs auf. Planen Sie Ihren Abend in Kaiserslautern mit Hilfe von www.cameo-kl.de
Adressen:
Fankilometer: Schneiderstr., Eisenbahnstr, Barbarossastr.
"Hannenfass", St. Martins-Platz 1-3