WM-Service Stuttgart: Gemütlichkeit mit Geist - DER SPIEGEL
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WM-Service Stuttgart Gemütlichkeit mit Geist

Weinberge mitten in der Stadt: Stuttgart zählt zu den grünsten Großstädten Deutschlands. Der Schwabe liebt es gemütlich und gilt als tolerant. Allerdings braucht es schon einen Teller Maultauschen und ein "Viertele" Wein, bis man ihm mehr entlockt als ein Bruddeln.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Stuttgart ist man eigentlich stolz auf den VfB, den großen Fußballverein der Stadt. Aber eben nur eigentlich, denn als Stuttgarter ist man nie ganz zufrieden und deshalb wird gerne "gebruddelt". Dabei ist das Herummäkeln an diesem und jenem, ja eigentlich an allem, nur gut gemeint. Denn der Stuttgarter ist von Haus aus und Geburt an ein Tüftler. Ständig ist er auf der Suche nach einer zündenden Idee, die praktische Verbesserung in seinen Alltag bringt, so auch beim Fußball.

Es ist also kein Wunder, dass in keiner anderen europäischen Region alljährlich so viele Patente und Gebrauchsmuster angemeldet werden, wie in der Region Stuttgart. "Neulich hat uns das Patentamt das 'Du' angeboten", ist da nur der logische Werbeslogan für die ganze Region.

Schon früh wurden in Baden-Württemberg und seiner Hauptstadt innovative Zeichen gesetzt. Mächtig stolz sind die Stuttgarter auf ihr "heiligs Blechle". Gemeint ist dabei natürlich das Auto, und woher diese Liebe zum Auto rührt, ist einfach erklärt. Gottlieb Daimler, der auch Namensgeber des VfB-Stadions ist, baute 1886 zusammen mit Wilhelm Maybach das erste Automobil der Welt in Stuttgart. Wobei das gegenwärtige und ungeliebte Anhängsel Chrysler lieber verschwiegen wird.

Aber der Stuttgarter ist nicht nur Tüftler, sondern auch Schwabe, und somit hat er Ecken und Kanten, ein gesundes Selbstvertrauen und einen Argwohn gegenüber allem Neuen. Obwohl er selbst ein so innovativer Geist ist. Dazu ist der Schwabe, auch mit Worten, sparsam. Euphorische Äußerungen sind hier nicht gefragt. Ein Schwabe wird als höchstes Lob nie mehr als ein trockenes "nicht schlecht" von sich geben, was "spitzenmäßig" bedeutet.

Wo sonst Fußball schauen?

Der Schlossplatz, der mitten auf der längsten Fußgängerzone Europas liegt, wird während der WM zum Mittelpunkt der Fußballbegeisterung. Auf vier Videoscreens rund um die Jubiläumssäule werden alle Spiele live übertragen. Stadionatmosphäre kommt auf, wenn bis zu 80.000 Fußball-Fans hier täglich von 11 Uhr bis in die Nacht rauschende Fußball- Sausen feiern.

Hier findet auch das offizielle FIFA Fan-Fest statt. Selbstredend abgestimmt auf den Spielplan und auf die in Stuttgart gastierenden Nationen, finden täglich Partys mit attraktivem Bühnenprogramm statt. Schließlich will der Stuttgarter der Welt und seinen Gästen vor Ort zeigen, wieso er so ein famoser Zeitgenosse ist und dass er dazu auch noch das Glück hat, in der vortrefflichsten Region der Welt heimisch zu sein.

Damit auch die Gaumenfreuden nicht zu kurz kommen, wird das Ganze mit einem bunten, internationalen Gastronomieangebot rund um den Schlossplatz abgerundet. Auf dem Marktplatz in Bad Cannstatt wird es die Fan-Arena geben. Dort ist man nicht nur näher am Geschehen in Stadion dran, sondern kann sich auch selbst körperlich ertüchtigen: zum Beispiel beim Torwandschießen, Street-Soccer, Speedball oder im Klettergarten. Der Stuttgarter wird sich aber aller Voraussicht nach nicht an den interaktiven Angeboten beteiligen. Er wird etwas Abseits, an einem schattigen Plätzchen, mit einem ein Glas Wein oder Bier, das Treiben beobachten und sich fragen, wie man in der Hitze so einen Quatsch treiben könne.

Überlebenstraining

In Stuttgart ist es Pflicht, Maultaschen, Käsespätzle und den Zwiebelrostbraten brav aufzuessen und lauthals loben. Gibt's anschließend noch Brezeln, sollten Zweifel an der Stuttgarter Herkunft dieser großartigen Erfindung nicht offen kundgetan werden. Zum Essen trinkt man in Schwaben natürlich einen guten Tropfen. Den sollte man auch unbedingt probieren – aber immer den Einheimischen genug übrig lassen. Die trinken nämlich deutlich mehr als der Bundesdurchschnitt. Nie schaden kann es auch, wenn man sich für den Abstecher in die schwäbische Hauptstatt eines der Stuttgarter Automobile zulegt. Beim Mieten sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass keine rote Nummer am Wägelchen dranhängt. Angesagt ist im Moment der neuen Porsche Cayman oder ein schicker Mercedes SLK.

Zwar sind Schwaben als tolerant und weltoffen bekannt, doch hat auch dies seine Grenzen, insbesondere bei Zugereisten, vulgo "Reigschmeckten" aus Norddeutschland (alles nördlich der A6 Heilbronn-Nürnberg).

WM-Quartier Stuttgart

Das Programm des Stuttgarter Clubs "Schocken" liest sich ebenso international wie der Kader des Stuttgarter Clubs "VfB": Während sich hier der Däne Tomasson, der Kroate Soldo und der Brasilianer Cacau die Bälle zupassen, versammelt sich dort die erste Liga des Pop. Wer die aktuelle Mannschaftsliste anschauen möchte, geht auf die Homepage www.club-schocken.de 

Adressen:

"Biergarten im Schlossgarten", Schlossgarten
"Libero", Olgastraße 137
"Schlesinger International", Schlossstraße 28