Afghanistan: Alles aus? - DER SPIEGEL
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Afghanistan Alles aus?

Es ist beschlossen: Deutsche Tornados werden ins afghanische Krisengebiet verlegt. Gut und schön, sagen Militärexperten, aber das reicht doch nicht. Vielmehr könnte die Weigerung von Kanzlerin Merkel, die deutschen Truppen darüber hinaus aufzustocken, schlimme Folgen haben. Jetzt drohen die Kanadier: Wenn die anderen nicht kämpfen, dann ziehen wir ab. Wo soll das bloß hinführen?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Den Kanadiern, traditionell Vorbild für die Skandinavier, könnten die Dänen folgen. Die Italiener und Niederländer wollen sich ohnehin lieber zu Hause aufs Frühjahr vorbereiten, die Türken werden in der Heimat gebraucht, um mit denjenigen abzurechnen, die den Mord an den Armeniern entweder nicht leugnen bzw. behaupten, es hätte ihn gegeben. Hamid Karsai, der afghanische Präsident, muss sich um eigentümliche farbige Wollmäntel kümmern, die Briten um die Wahl eines neuen Premiers, und zwar in Großbritannien. Die Truppen der USA könnten jeden Moment woanders gebraucht werden, wo genau, sollte bei Gelegenheit vielleicht mal besprochen werden. Blieben noch die Taliban; die würden zwar kämpfen, aber gegen wen? Ein Teufelskreis! Historiker warnen nachdrücklich: Sollte hier ein gut funktionierender Krieg unkontrolliert in sich zusammenbrechen, dann könnten die Deutschen nicht wieder behaupten, sie hätten von nichts gewusst.