Religion & Justiz: Im Zeichen des Steins - DER SPIEGEL
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Religion & Justiz Im Zeichen des Steins

Das kenianische Verfassungsgericht hat darüber zu befinden, ob der Prozess gegen Jesus von Nazareth neu aufgerollt werden muss. Jesus war seinerzeit nach römischem Recht verurteilt worden, zugestanden hätte ihm als Juden aber ein Urteil nach jüdischem Recht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Falls sich die christliche Vereinigung "Friends of Jesus" mit ihrer Klage durchsetzen kann, hätte das für die gesamte christliche Welt ungeahnte Folgen. Denn nach jüdischem Recht wäre Jesus wegen Blasphemie angeklagt worden, im Falle seiner Schuld hätte das Urteil gelautet: Steinigung.

Ein nachträglicher Sieg dieser Rechtsauffassung bedeutete:

- auf jedem Kirchturm thront ein handlicher Stein,

- im Gottesdienst segnet der Pfarrer die Gläubigen mit einer schwungvollen Ausholbewegung,

- die Kreuz-Kirche in Hamburg Wandsbek und der Berliner Bezirk Kreuzberg müssen umbenannt werden,

- der von der Mafia favorisierten Form der Wasserbestattung wird eine tiefe religiöse Symbolik zuteil,

- in bayerischen Klassenzimmern werden Steine aufgehängt,

- gläubige Mecklenburger beten vor Feldsteinfundamenten und

- Gipfelkreuze werden demontiert, ein Ersatz erübrigt sich aber in den meisten Fällen.