Schleichwerbung & kein Ende: Nur Kiewel konsequent - DER SPIEGEL
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Schleichwerbung & kein Ende Nur Kiewel konsequent

ZDF-Moderatorin Andrea Kiewel, die für kurze Zeit und 35.000 Euro Schleichwerbung im Fernsehen und in fernsehähnlichen Produkten ("Kerner") platzierte, hat den Vertrag mit Weight Watchers nicht verlängert.
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Zur Begründung ihres Verzichts sagte Kiewel, sie habe "private Überzeugung" und "bezahlte PR-Leistung" nicht mehr sicher voneinander trennen können. In Zukunft wolle sie darum nur noch für Produkte werben, die sie privat aus tiefster Seele verabscheue.

Viele andere in der Öffentlichkeit stehende Schleichwerbeträger lassen diese Konsequenz leider vermissen.

Kiewel: "Ich hasse..."

Andrea Kiewel: "Total abstoßend finde ich rote Shirts, überhaupt Anziehsachen, MTV, New York City, Mikrofone, Weihnachtslieder, Fernsehen, Autos, Champagner, Strom, Kosmetika, Handys... Also wenn's da Interessenten gibt..."

Koch: "Geschäft brummt!"

Roland Koch, hessischer Ministerpräsident, arbeitet für den Textil-Discounter Kik. Er mag seinen Auftraggeber zwar nicht nennen ("Dann wär's doch keine Schleichwerbung mehr!"), aber so viel verrät er doch: "Gut aussehen und sich wohlfühlen, das gehört für mich zusammen." Die Firma Kik GmbH wollte Kochs Aussagen zum wirtschaftlichen Erfolg der Zusammenarbeit nicht kommentieren.

Gabriel: "Ich soll nicht?"

Sigmar Gabriel, Bundesumweltminister, ist von seiner Ausstrahlung so überzeugt, dass ihm klammheimliche Windkraftreklame nicht ausreicht. Sein öffentliches Eintreten für die Weight Watchers wird allerdings ein juristisches Nachspiel haben. Die Firma hat eine Unterlassungsklage eingereicht.

Bin Laden: "Freiheit und Sicherheit!"

Arglose Betrachter von Informations- oder Teleshoppingsendungen könnten meinen, diesem Mann ginge es um den Vertrieb von Stirnbinden oder Gesichtsbehaarung. In Wahrheit aber betreibt al-Qaida-Chef Osama Bin Laden Schleichwerbung für den Islam. Sein Lieblingsmotto ist identisch mit dem neuen Grundsatzprogramm der CDU ("Freiheit und Sicherheit"). Doch während die Christdemokraten die Menschen mit diesem Slogan für sich gewinnen möchten, will Bin Laden etwas völlig anderes: Er versucht, sie auf seine Seite zu ziehen! Geschulte Beobachter können jedoch an bestimmten Merkmalen (Stirnbinde, Gesichtsbehaarung, Wortwahl) seine eigentliche Absicht erkennen.

Pofalla: "Weiß es wirklich nicht, ehrlich!"

Dass Ronald Pofalla Schleichwerbung für das Produkt "CDU" zu machen versucht, ist schon in mehreren Fernsehsendungen aufgefallen. Ungeklärt ist aber, wer ihn dafür bezahlt. Jüngste Kontobewegungen erhärten den Verdacht, dass seine Auftraggeber bei der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu finden sind.

Merkel: "Zur Mitte..."

Angela Merkel ist für ihren Werbepartner ein Glücksgriff. Niemand, so ein Sprecher vom "Mittelstandsverband Mitteldeutschland", könne so überzeugend für "die Mitte" agieren wie die Kanzlerin. "Die Mittefrau", wie sie in Branchenkreisen anerkennend genannt wird, arbeitet derzeit an einem zündenden Slogan. Der endgültige Wortlauf steht noch nicht fest, aber "irgendwas mit 'Zur Mitte, zur...' sollte schon drin vorkommen".

Glos: "Alles wie früher!"

Wirtschaftsminister Michael Glos: "Was sich geändert hat? Wegen des Vertrags mit Brau & Brunnen? Nix! Höchstens: Jetzt gibt's Geld dafür!"

Tiefensee: "Irgendwas findet sich!"

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ist derzeit das einzige Kabinettsmitglied ohne festen Werbepartner. Sein Angebot an mehrere führende Brauereien, verbunden mit einer öffentlich aufgeführten Trinkpantomime, wurde von der Wirtschaft zurückgewiesen ("Macht der Glos schon, und zwar besser!", "Könnte auch Wasser sein...", "Melken?"). Der Minister lässt sich aber nicht beirren: "Dann vielleicht was mit Mode. Wo einer zu mir sagt: 'Schicke Krawatte...' Und ich sag... Hm, mal sehen, am besten was, was... Schlagfertiges! Muss ich noch dran arbeiten."