Beschwerdestellen: Neues Jobwunder - DER SPIEGEL
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Beschwerdestellen Neues Jobwunder

BDI-Präsident Jürgen Thumann will wegen der jüngsten Korruptionsfälle und Spitzelskandale anonyme Beschwerdestellen in deutschen Unternehmen einrichten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Thumann möchte auf diese Weise den Ruf der Wirtschaft retten und Mitarbeitern die Möglichkeit geben, kriminelle Vorgesetzte anzuzeigen. Die betroffenen Konzerne begrüßen Thumanns Vorschlag und haben überraschend schnell reagiert.

Deutsche Post

Die Post nutzt für ihre hauseigene Beschwerdestelle den Wohnsitz eines früheren Mitarbeiters. Wegen des großen Andrangs der Beschwerdeführer musste die Polizei den Zugang zeitweise abriegeln.

Lidl

Beim Handelskonzern Lidl fällt es naturgemäß schwer, passende Räumlichkeiten für die Einrichtung von Beschwerdestellen zu finden. Im Kassenbereich ist die erforderliche Anonymität wegen der vielen Kameras nicht gewährleistet, auch Lager-, Umkleide- und überhaupt Räume sind aus diesem Grund ungeeignet. Die Empfehlung der Konzernspitze an die Mitarbeiter: "Irgendwo draußen. Oder sich mit dem Betriebsrat abstimmen."

Siemens

Der Siemensvorstand sieht den Vorschlag Thumanns vor allem als "Maßnahme zur Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze, und zwar in Größenordnungen". Obwohl bereits mehrere Verwaltungsgebäude für die neue Abteilung geräumt wurden, hat die Führung des expandierenden Unternehmens weitere Pläne: "Wir werden bauen!"

Telekom

Bei der Deutschen Telekom läge es einerseits nahe, die Beschwerden telefonisch zu übermitteln. Andererseits aber auch wieder nicht...

Noch mal Telekom

...der Vorstand der Telekom jedenfalls ermuntert die Mitarbeiter, "direkten Kontakt" zur Beschwerdestelle aufzunehmen.

Deutsche Bahn

Die Bahn will bundesweit mobile Beschwerdestellen einsetzen. Zusätzliche Arbeitskräfte will das Unternehmen aber nicht einstellen. Laut Vorschlag vom neuen Vorstandsmitglied Hansen "können das die Lokführer mitmachen, wenn sie eh irgendwo halten müssen."