Klientelpartei oder gute Gründe?: CSU will reiche Erben verschonen - DER SPIEGEL
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Klientelpartei oder gute Gründe? CSU will reiche Erben verschonen

Die Reform der Erbschaftssteuer droht zu scheitern, weil die CSU höhere Freibeträge fordert. Allerdings nicht für alle.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sondern zum Beispiel für Erben, die in der bayerischen Hauptstadt wohnen. Weil, wie Parteichef Erwin Huber mitteilen ließ, "ein Einfamilienhaus in München viel mehr wert" sei als ein "vergleichbares Haus in Magdeburg oder Rostock". Dem ist nicht zu widersprechen. Und es gibt weitere Tatsachen, die gegen die Gleichbehandlung aller Erben sprechen.

Literatur

In München bevorzugte Bücher sind so groß, dass allein zum Hochhalten mindestens sechs Personen benötigt werden. Vergleichbare Bücher, die in Rostock hochgehalten werden könnten, existieren dort überhaupt nicht. Eine Gleichsetzung der Erbschaftssteuerfreibeträge käme somit einer Enteignung der bayerischen Bücherfreunde gleich.

Esskultur

Der in den Kantinen der CSU-Niederlassungen betriebene Aufwand für die gesunde Ernährung der christlich-sozialen Parteifreunde (Essenraum des Kreisverbandes Ingolstadt, s. Foto) liegt kostenmäßig weit über dem einer regionalen SPD-Zentrale in Sachsen-Anhalt. Die Konsequenzen für die Erbschaftssteuer liegen auf der Hand.

Die Menschen

Spitzenkräfte wie Ernst Hinsken (CSU, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung!) herauszubringen, kostet eine Menge Geld. Sollen etwa die Bayern, speziell die Münchner und die CSU, auf den Kosten sitzen bleiben?

Lebensart 1

Nicht nur die Häuserpreise Münchens sind mit den in Parchim oder Halberstadt üblichen nicht zu vergleichen.

Lebensart 2

Gerade die CSU hat unter diesem Nord-Süd-Preisgefälle massiv zu leiden...

Lebensart 3

...und das nicht ausschließlich im Dienst, sondern teilweise sogar noch am Feierabend!

Und repräsentieren...

Was nicht unterschätzt werden sollte: Auf Bayern und der CSU lastet durch die Pflicht zur art- und standesgemäßen Haltung eines Ehrenvorsitzenden zusätzlicher finanzieller Druck.

Sollten SPD und Opposition mit ihren Plänen zur einheitlichen Erbschaftssteuer durchkommen, ist fraglich, ob Bayern den derzeitigen hohen Repräsentationsstandard weiterhin halten kann.