Kommentar Obama-Rede: Klaffende Fragen bleiben schmerzlich offen
Es kommen gesehen zu haben, bedeutet nicht, nun die Augen verschließen zu können. Wenn der Stand der Dinge - womit nicht zu rechnen ist - nicht noch umfällt, einsackt oder wegbricht, so werden wir in nur wenigen Wochen nicht umhinkommen zu konstatieren: Barack Obama hat - wie man das nun im Einzelnen auch bewerten mag - eine Rede gehalten. Vor dem Brandenburger Tor. In historischer Luft. Jeder seiner Atemzüge wird bis zu dreißigtausend Moleküle enthalten haben, welche schon John F. Kennedy vor dem Schöneberger Rathaus veratmet hat. Heute ausgewachsene Berlinerinnen und Berliner, welche dem charismatischen US-Präsidenten als Babys entgegengestreckt wurden, werden von ihren alten Müttern oder Vätern nicht mehr hochgehoben werden gekonnt haben. Jedoch: Welche Erkenntnis, welchen Zugewinn wird diese, von manchem schon jetzt vorschnell als historisch betrachtete Rede uns gebracht haben? Wie wird das Wetter gewesen sein? Sonnig? Trübe? Oder gar bedeckt? Die Fragen reißen nicht ab. Barack Obama wird in Berlin eine Rede gehalten haben. Ihre Auswirkungen, und das ist das nahezu Bestürzende, sind jetzt bereits vollkommen unkalkulierbar.
Jens-Karl Bochtler von der ARD-Arbeitsgruppe Kommentatorenkoordination