Live-Ticker, heute, 10.41, Westberlin (wird aktualisiert) Mann-aus-Illinois-Tag geht weiter!
Eine spannungsgeladene Atmosphäre liegt überm dampfenden Teer. Viele Westberliner versuchen krampfhaft, ihre hochgepeitschen Gefühle unter Kontrolle zu halten und eine Normalität vorzutäuschen, die heute so nicht existiert: Ein Radfahrer radelt, eine Mutter schiebt ihren Kinderwagen, ein uralter Berliner kauft zwei Semmeln beim Türken. Leicht fällt ihnen das nicht, immer wieder schauen sie auf, linsen in ein Schaufenster, zittern vor einer roten Ampel. Ein Zeichen? Jeden Moment kann Barack "Barack" Obamas tiefschwarze Wagenkolonne um die Ecke biegen. Wie soll man dann reagieren? Was tun? Und: Wird Obama es überhaupt schaffen, bis zum Kanzleramt vorzudringen? Oder wird er schon bald entnervt wieder umkehren und heimdüsen?
So nämlich erging es den meisten Menschen hier. Der Verkehr. Eines aber mag sich niemand hier ausmalen: dass Obama womöglich versehentlich, wie der Arbeitslose aus Baden-Württemberg gestern, durch eine Absperrung brettert! Die Folgen für die transatlantische Allianz zwischen Deutschland und Illinois wären wohl unabsehbar. Doch dann verbreitet sich die Nachricht "Obama hat's zum Kanzleramt geschafft" wie ein Lauffeuer in den Straßen. Ungläubig schütteln in ganz Westberlin die Menschen ihre Köpfe: Was für ein Teufelskerl!