Kommentar: Maiswurzel in Not - DER SPIEGEL
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Kommentar Maiswurzel in Not

Niemand wird sagen können, er hätte nicht wissen können, was in Erfahrung zu bringen nur des Blätterns in den Wissenschaftsteil bedurft hätte:
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das brutale, rücksichtslose Zerstörungswerk des Maiswurzelbohrers macht auch vor Deutschland nicht halt! Ist es eine Koinzidenz oder bloßer Zufall, dass dieser böswillige, uramerikanische Wanderer zwischen den Welten sich gerade in diesen Tagen transatlantischer Renaissance wieder in die Schlagzeilen hineingefressen hat? Wohin das Auge auch blickt: Maisstengel stehen schief, sie knicken ein und fallen, wie vom blitzenden Zorn eines Gottes getroffen, zu Boden. Der Maiswurzelbohrer aber, er lacht dazu. Frech ziehen er und die Seinen weiter, überfallen auch die angrenzenden Huflattichfelder, morden den Amaranth, brandschatzen im Weizen. Förmlich scheint es sie zu erheitern, unsere Schätze dahinschwinden zu sehen, die Verzweiflung in den Mienen der Bauern zu erkennen und den Hunger unserer Städte zu ahnen. Von selber, das muss auch dem Unbedarftesten klar sein, wird der zirka fünf Millimeter lange, gelbschwarze Käfer mit seinen arglistig zuckenden Fühlern seinen Terror nicht einstellen. Man wird sich ihm in den Weg stellen müssen, mit aller Entschlossenheit, mit einem festen Zusammenhalt, der - wieso nicht? - in einem erneuerten transatlantischen Bündnis liegen könnte. Fundum alienum erat, incultum familiarem deserit! Die Zeit aber, sie drängt.

Jens-Karl Bochtler von der ARD-Arbeitsgruppe Kommentatorenkoordination