Kommentar der Woche: Kinder am Arsch - DER SPIEGEL
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Kommentar der Woche Kinder am Arsch

"Kinder unterscheiden nicht zwischen Spielzeug und Nahrungsmitteln." Man kann es nicht oft genug sagen, kann gar nicht aufhören, es der Ignoranz unserer Zeit einbläuen zu wollen:
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kinder, jene Jüngsten und Sensibelsten unter uns, mit ihren vor Aufregung oft roten Backen und zerbrechlichen Fingerchen, mit ihrer vielfach im Überschwang angeschmutzten Wäsche und ihren zarten, verletzlichen Verdauungstrakten, und es ist ein Verdienst der FDP-Bundestagsabgeordneten Miriam Gruß, dieses Faktum endlich angesprochen zu haben, unterscheiden nicht zwischen Spielzeug und Nahrungsmitteln.

Wie oft! Wie oft hat man nicht schon verwundert danebengestanden, wenn sie mit Schokoladentafeln "Reiterhof" zu spielen begannen, wie hurtig musste man sich wegducken, wenn die Fantaflasche wieder mit einer Frisbeescheibe verwechselt worden war! Spielzeug, Kinder, Nahrungsmittel - auf mysteriöse Weise verschwimmen diese drei Begrifflichkeiten unter der gnadenlos brütenden Sonne. Warum sonst legt man dieser Tage Eistüten oft achtlos beiseite, dabei "Letzte Karte!" sagend? Warum sonst drückt man Kinder an sich, als seien sie ein heißgeliebter Teddybär? Bene judicat, qui bene distinguit! Miriam Gruß (FDP) gebührt gar nicht genug zu unterschätzendes Lob. Ob nun aber gleich, worauf sie dringt, das lehrreiche Überraschungsei und sein leckerer Inhalt verboten werden müssen, sollte gewissenhaft geprüft werden.

Jens-Karl Bochtler von der ARD-Arbeitsgruppe "Kommentatorenkoordination"