Diese Ostschmerzen!: Tiefensee präzisiert Zweitklassigkeitsgefühl - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Diese Ostschmerzen! Tiefensee präzisiert Zweitklassigkeitsgefühl

Auf das unter Ostdeutschen sehr verbreitete "Gefühl der Zweitklassigkeit" angesprochen, so gab in Berlin die "Kaiser's"-Kassiererin Irmi K. bekannt, habe der Verkehrs- und irgendwie Ostminister Wolfgang Tiefensee ihr gegenüber bereitwillig Auskunft erteilt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Laut Tiefensee, so K., sei dieses Zweitklassigkeitsgefühl wie ein "schleichendes Unwohlsein", eine "große Mattigkeit" und "hirninnere Schwurbeligkeit", welche einen bereits am frühen Morgen so gegen 12 Uhr überfalle. Im weiteren Verlauf des Tages, so Tiefensee, so K., träten dann häufig "blubberige bis bohrende Kopfschmerzen" hinzu, generelle Orientierungslosigkeit auf Fluren mit zwei oder mehr Türen, zumeist auch fühle man sich wie verfolgt von Autos (auf Straßen), Mitarbeitern (im Büro) oder Journalisten (in größeren, holzvertäfelten Räumen).

Diese allumfassende, lähmende Bedrücktheit halte einen, wo man auch gehe oder stehe oder gegenlaufe, im stählernen Würgegriff und erreiche noch peinigende Ausschläge nach unten, sobald man Kollegen aus dem Westen begegne, oder gar, nahezu unerträglich - eine regelrechte Kabinettssitzung anstehe. Tiefensee, so Irmi K., befinde sich derzeit in liebevoller Obhut und versuche sich dort zu erinnern, ob er eine Kundenkarte habe oder nicht. Im Besitz oder Nichtbesitz einer Kundenkarte stecke, das spüre der Minister sehr genau, auch ein großes Zweitklassigkeitsgefühl verborgen - "wenn nicht sogar Dritt-!"