Schlimm!: Krisen in der Krise - DER SPIEGEL
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Schlimm! Krisen in der Krise

Über die eisenhart alles umklammernde momentane Wirtschaftskrise geraten einige andere große Krisenzustände, in denen das Menschentum seit wer weiß wie lange steckt, aufmerksamkeitsmäßig arg ins Hintertreffen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zu Unrecht, denn auch diese Krisen sind ebenso wunderschön wie nachhaltig verzwickt. Wir stellen die drei wichtigsten vor.

Die Sinnkrise

Seit klassische Sinnstifter wie Religion und Pornographie durch das Internet bedroht werden, sehen immer mehr Menschen überhaupt keinen Sinn mehr in ihrem Leben. Sie geraten in eine Sinnkrise und gehen nur noch sehr widerwillig in den Supermarkt. Solche Einzelfälle summieren sich zu einem globalen Phänomen: Statistisch gesehen ist der Lebenssinn allein in den letzten 125 Jahren um 76 Prozent zurückgegangen und hat sich bei etwa 13 Prozent Bruttolebenssinn eingependelt (alle Werte pro Kopf). Zieht man nun temporäre Sinn- Power-Ups (sog. "Fake-Sensemakers") wie Verliebtheit, gerade-noch-so-erwischte Straßenbahn und Selbstmord des Chefs ab, bleiben gerade mal 7 Prozent Lebenssinn übrig. Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Aber irgendwie wird es schon immer so weitergehen.

Die Ehekrise

Seit Frauen endlich auch selbst arbeiten gehen müssen, ist der wichtigste und schönste Anreiz für eine Eheschließung perdu: die pudelnackte Ökonomie. Stattdessen soll es nun wieder mal die Liebe richten. Diese launischste aller Launen erweist sich aber als wenig haltbarer Kitt für ein raffiniert-banales System wechselseitiger Unterdrückung, Manipulation und Bedürfnisbefriedigung. Bringen dann auch noch Kinder das ohnehin labile Gleichgewicht ins Wanken, ist der Ehe-Ofen bald völlig aus, und die Kinder haben, das geschieht ihnen recht, was müssen sie auch wanken (in dem Alter schon!), das Nachsehen. Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass schon in einhundert Jahren jede zweite Ehe weltweit geschieden sein wird, noch bevor sie überhaupt geschlossen wurde. Wie das gehen soll, weiß niemand, also wurde alles noch mal nachgerechnet - und siehe da: wieder kam dasselbe raus. Kleiner Trost: In vielen Fällen geht die Ehekrise von ganz allein vorbei, etwa durch den Tod des Ehepartners oder durch Abstumpfung.

Die Schreibkrise

Das ist echt die allerschlimmste.