DDR-Debatte Verdammt ihn, verdammt noch mal!
Scharf kritisieren, ja, flächendeckende Totalverdammung, nein. Diese abweichlerische Haltung des Nordrhein-Westfalen führt zu heftigen Reaktionen. Doch ist eine differenzierte Betrachtung der DDR nicht längst überfällig? Gab es im untergegangenen Regime neben bitterem Unrecht nicht auch positive Ansätze?
Mein Freund, der Plan
Die heute durchweg verteufelte Planwirtschaft hatte auch Vorzüge: Durch gezielte Verknappung gelang es der DDR, keine Autos auf Halde zu produzieren.
VEB BRD
Wie die jetzt - wenn auch zögerlich - anlaufende Welle der Verstaatlichung zeigt, ist der Westen entgegen allen öffentlichen Bekundungen durchaus bereit, vom Osten zu lernen, sofern er es nicht zugeben muss. Überzogene Erwartungen sollten aber nicht geweckt werden: Auch in der DDR erreichte der Anteil des volkseigenen Bereichs niemals auch nur annähernd 100 Prozent.
Mangel als Chance
Die chronische Unterversorgung mit Waren des täglichen Bedarfs wurde von der DDR-Bevölkerung nicht nur hingenommen, sondern teilweise sogar in Massenbewegungen begeistert aufgegriffen.
Kostenlos zum Arzt? Na ja...
Die Bevölkerung wurde unentgeltlich mit Zahnersatz versorgt? Na schön, aber der Löwenanteil ging natürlich an die Nomenklatura.
Bildung für alle? Von wegen!
Die Mär von den gleichen Bildungschancen für alle ist längst widerlegt. Viele Menschen, die im Osten sozialisiert wurden, klagen heute an: "Nur weil ich kein Abitur hatte, durfte ich damals nicht studieren!"
Stärken und Schwächen
Was Sellering noch sehr vorsichtig umschreibt, wurde von der Wirklichkeit schon 1974 viel offensichtlicher vollzogen: Während die BRD vor allem in der Defensive schwächelte (Beckenbauer, Vogts, Höttges, Torwart Maier), hatte die DDR ihre Stärken eher in der Offensive (Hamann, Sparwasser).